Die Lage ist sehr ernst, sonst gäbe es nicht die konzertierte Aktion der Notenbanken und kein Island, das vor dem Staatsbankrott steht und u.a. mit Verstaatlichung reagiert.
Nun hat die Inflation also schon eine nachrangige Bedeutung. Führt natürlich zur wenig erfreulichen Situation, dass bei einer langfristigen Krise mit einhergehender Inflation die Spareinlagen zwar irgendwie abgesichert sind, dann aber viel weniger wert wären. Wer jetzt Geld hat, sollte vielleicht in beständige Werte investieren, etwa in Gold. Vielleicht liege ich aber auch falsch.
Was in einer solchen Situation ja immer zu beachten ist: Wenn man sich geschickt anstellt, kann man vielleicht sogar profitieren. Wären die dauerhaft krisengebeutelten Autobauer geschickter, hätte einer von ihnen längst einen alternativen Antrieb durchgepeitscht, inklusive Tankstellennetz, und sich so gezielt als Alternative platziert, während der Rest noch von Hybrid redet. Kann man nicht weiter denken und auch der Bankenkrise schon einen Schritt voraus sein? Wird es vielleicht einigen gelingen, von günstigen Immobilien zu profitieren, die langfristig wieder teurer werden? Gibt es vielleicht Werte, die jetzt gekauft werden sollten, solange das Geld noch einen Wert hat?
Was kommt danach? Einhergehend mit der steten Steigerung der Energiepreise könnte eine Art De-Globalisierung einsetzen, die lokale Wirtschaft gewinnt an Gewicht. Staatliche Wertanlagen boomen jetzt bereits, weil sie sicherer sind. Außer in Island. Also sind sichere Geldanlagen in der Zukunft gefragter bzw. unsichere Anlagen völlig indiskutabel geworden. Um die Zukunft zu gewinnen, muss man im Energiesektor radikal neue Wege gehen und voll auf neue Technologien setzen, die neue Jobs schaffen.
US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama verspricht Derartiges umzusetzen, in Deutschland hat man scheinbar noch mit der Realisierung der Tatsache zu kämpfen, dass man Kraftwerke benötigt und auch in Zukunft nicht zur Lebensweise des Mittelalters zurückkehren und gleichzeitig den Wohlstand bewahren kann. Anders kann man die Ablehnung von Kohle und Kernkraft kaum deuten, die vor allem die Grünen praktizieren. Bei der Forschung wird über die Mrd. gefeilscht, die anderswo verschleudert werden.
Aber auch bei der aktuellen Wirtschaftskrise scheint man hier nicht gerade den Überblick zu haben. Merkel wollte, dass jedes Land seine eigenen Bankenprobleme löst. Zwar wäre es eindeutig richtiger, den Banken nicht neues Spielgeld in den Rachen zu werfen, ohne dies an Bedingungen und neue Kontrollinstrumente zu koppeln, andererseits hat Merkel die Dimension des Ganzen wohl nicht wirklich verstanden, sonst würde sie nicht auf dieser nationalstaatlichen Ebene rumeiern. Überhaupt wirken die Politiker, auch in den USA, wie Getriebene.
Von dem Eindruck ganz zu schweigen, den es auf viele Menschen macht, wenn für Soziales angeblich kein Geld da ist, dann aber zig Mrd. zur Rettung von Banken selbstverständlich da sind. Die Herausforderungen der Zukunft sind sehr schwer und bei dem Politikerpersonal, das so vorhanden ist, ist man nicht unbedingt geneigt, sehr optimistisch zu sein. Im Wesentlichen hat das etwas mit einer Politik zu tun, die nur bis zur nächsten Wahl denkt.
28 Antworten bis hierher ↓
jolly rogers // 8. Oktober 2008 um 23:02
NUB, zwar bin ich nicht ganz einer Meinung mit Dir, aber: was Du zum Thema schreibst, hat ungefähr 1500% mehr Substanz als als Gestammel deines talentfreien Kumpels aus Neukölln.
NUB // 8. Oktober 2008 um 23:25
Schön, Jolly, dass Dir der Beitrag gefällt. Ansonsten ist nicht jeder Beitrag in einem Blog gut oder schlecht und von immer gleichbleibender Qualität.
Zum Streit:
In die Auseinandersetzung mit und um Telegehirn, die jetzt richtig ernst ist, will ich mich im Weiteren nicht groß einmischen. Schon weil dies u.U. voraussetzen würde, mich mit Dingen gemein zu machen, die ich nicht getan habe oder nicht vertrete. Außerdem habe ich da im Weiteren keine Akteneinsicht.
Wenn irgendwelche Ergebnisse vorliegen und ich davon etwas mitbekomme, nehme ich die natürlich zur Kenntnis.
jolly rogers // 8. Oktober 2008 um 23:32
Versteh’ mich nicht falsch, NUB, mir ging es um den Inhalt Deiner Aussagen zur derzeitigen Finanzkrise.
NUB // 8. Oktober 2008 um 23:36
Aber Du hast Telegehirn in dem Zusammenhang genannt. Und ich finde dort auch einige Beiträge gut und lustig (jetzt mal die Blogkriegsachen außen vor), genauso wie bei Dir schon lustige Sachen standen. Aber die hast Du ja neulich weggelöscht und neu angefangen.
ramonschack // 8. Oktober 2008 um 23:43
NUB
De-Globalisierung wird bestimmt das Wort des Jahres.
Ist es nicht erstaunlich, vor einigen Jahren schien es so, von einigen befürwortet, von anderen gefürchtet, die Welt wachse zusammen.Und jetzt. Ich habe das Gefühl, die historischen Abläufe haben sich in jüngster Zeit beschleunigt.
Jolly Rogers
Hast Du den NPD-Artikel gelesen?
NUB // 8. Oktober 2008 um 23:48
Hallo Ramon,
vielleicht erleben wir ja beides zugleich: Eine stärkere Vernetzung der weltweiten Politik und auf wirtschaftlichem Gebiet eine Rückbesinnung auf regionale Stärken. Die Rolle Russlands bleibt auch spannend, es wird m.E. dabei bleiben, am Ende mit wirtschaftlicher Stärke auszufechten, wohin die Reise geht — was ja immer noch besser ist als über Kriege.
ramonschack // 8. Oktober 2008 um 23:53
Hallo NUB,
ich bin momentan etwas skeptisch gestimmt.Frei nach dem Motto, die Lage ist ernst aber nicht hoffnungslos.
Wir werden sehen. Es gibt aber viele unberechenbare Risikofaktoren. Momentan haben die politischen Gespenster der Vergangenheit Hochkonjunktur. Leider.
NUB // 8. Oktober 2008 um 23:57
Vielleicht sind die Gespenster der Vergangenheit generell nicht totzukriegen, weil es irgendwie nix wirklich politisch Neues mehr gibt. So wie in der Kunst. Der Vertrauensverlust droht zu einem Image- bzw. Gesichtsverlust des gesamten Kapitalismus bzw. der gesamten freien Wirtschaft zu werden, mit weitreichenden politischen Implikationen, die (ganz im Sinne alter Gespenster) eventuell das Kind mit dem Bade ausschütten, sollte die Krise sehr lang andauern.
Darum wäre es ja so wichtig, ein klares Signal zu setzen, dass mit Großbanken und Großkonzernen anders (kritischer) umzugehen ist als etwa mit einem Mittelständler.
ramonschack // 8. Oktober 2008 um 23:59
“Darum wäre es ja so wichtig, ein klares Signal zu setzen, dass mit Großbanken und Großkonzernen anders (kritischer) umzugehen ist als etwa mit einem Mittelständler.”
Das sehe ich ähnlich. Ich habe es auch immer abgelehnt, den Markt wie ein Gott anzubeten. Obwohl ich ein Anhänger des Liberalismus bin.
Skeptisch bin ich aufgrund der Verführbarkeit der Massen.
ramonschack // 9. Oktober 2008 um 0:01
Übrigens, wenn es nichts mehr Neues gibt, in der Politik, sollte man etwas erfinden.Oder?
NUB // 9. Oktober 2008 um 0:08
Skeptisch bin ich aufgrund der Verführbarkeit der Massen.
Auf jeden Fall. Und erschwerend kommt hinzu, wie der gesellschaftliche Frieden an unseren Wohlstand geknüpft ist. Wäre dieser Wohlstand grundlegend in Frage gestellt, selbstverständlich ist er ja nicht, könnte schneller die zivilisierte und rechtsstaatliche Ordnung wegbrechen als uns bewusst ist. Es haben wohl die meisten noch etwas zu verlieren. Der Teil, der quasi nichts mehr zu verlieren hat, ist politisch verführbar.
Diesen Zusammenhang hat die Linke besser erkannt als das bürgerliche Lager, was allerdings im Wesentlichen daran liegt, dass sie sich den Umstand selber zu Nutze macht.
Und zu großes Vertrauen in den Staat hat ja historisch gesehen mal nicht gut abgeschnitten, gleich wie groß der Irrtum des grenzenlosen Vertrauens in die Privatwirtschaft sein mag. Genau genommen hat der Markt ja klar gemacht, wer mit welcher Wirtschaftsweise gegen die Wand fährt. Ein Staat, der eine Planwirtschaft betreibt, Mist baut und nichts merkt, fährt sofort die ganze Volkswirtschaft gegen die Wand. Es bleibt dabei: Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer. Aber Wirtschaft kann nicht so dermaßen von riskanten Casino-Spielen abhängig sein.
Also punktuell, gezielt mehr Regulierung und Aufsicht: Ja. Wenn es nicht anders geht auch Verstaatlichung. Genereller Trend zur Verstaatlichung bzw. mehr Staat: Nein.
Übrigens, wenn es nichts mehr Neues gibt, in der Politik, sollte man etwas erfinden.Oder?
Ja, das wär’s!
jolly rogers // 9. Oktober 2008 um 0:17
Obrigens, NUB. Ernst wird es jetzt für die Leute, die sich für cleverer halten als sie in Wirklichkeit sind.
luclog // 9. Oktober 2008 um 12:08
Ah, Finanzkrise jetzt auch hier. Gleich mal verlinken.
Luclog :: Die Finanzkrise :: October :: 2008 // 9. Oktober 2008 um 12:09
[...] kaufen, wo wir doch jetzt alle wissen das Häuser keine Werte darstellen.? Wollen sie damit Gold kaufen, wo wir doch alle wissen das der Goldpreis völlig überhöht ist? Wollen sie [...]
luclog // 9. Oktober 2008 um 12:18
Ich denke auch alles ist klar. Wir machen auf Nullwachstum, deregulieren was das Zeug hält. Gleichzeitg aber Planwirtschaft. Und ansonsten werden mal wieder ein paar Arbeitskräfte freigesetzt. Dann erklären wir Deutschland zum Erlebnisspark und holen uns zwecks Wirtschaftrettung noch ein paar Arbeitskräfte aus Indien. Und fertig ist der europäische Weg.
NUB // 9. Oktober 2008 um 13:04
Hallo luclog,
schön, dass Du mal wieder ein bisschen Zeit hast.
Schlägt die Krise auf die Gesamtwirtschaft durch, wonach es im Moment aussieht und was ja dann das Nullwachstum zur Folge hat, verlieren genug Leute ihren Job. Da braucht man wohl keine Inder mehr zu holen, das Heer an Arbeitskräften dürfte dann groß genug sein.
In Deinem Beitrag weist Du zu Recht darauf hin, dass das Gold jetzt gerade keinen attraktiven Einkaufspreis hat.
Vielleicht gibt es ja noch andere nachhaltige Werte. Die ganz Mutigen (bzw. Unbelehrbaren) spekulieren in der Krise weiter rum und zocken. Quasi die Spielsüchtigen des Casinos.
luclog // 9. Oktober 2008 um 15:06
@ NUB
Was gestern richtig war kann doch nicht heute falsch sein. Computerinder sind wichtig. Das rettet die deutsche Industrie, die ansonsten eigentlich gar nicht mehr produzieren kann, da ja hier die Ingenieure mit indischer Hochschulreife fehlen. Harhar.
luclog // 9. Oktober 2008 um 15:14
Ausserdem brauchen wir sofortige Lohnsenkungen bei gleichzeitig mehr Konsum und das verknüpfen wir mit einer privaten Altersvorsorge über Aktien. Für die Altersvorsorge knappst der Geringverdiener dann einfach was von den 7 Euro Mindestlohn ab. Darauf dann ein dreifaches Victory im Josef Ackermann Style.
classless // 9. Oktober 2008 um 15:24
@ramonschack
“De-Globalisierung wird bestimmt das Wort des Jahres.”
Könnte sein – schon, weil man dann nicht “Nationalismus” sagen muß…
NUB // 9. Oktober 2008 um 15:26
@luclog
Und den Managern noch mal das Gehalt erhöhen, damit die überhaupt noch motiviert sind. Zudem ist das gut für den Konsumklimaindex.
classless Kulla » Blog Archive » Diese miese fiese Krise! // 9. Oktober 2008 um 16:44
[...] Einhergehend mit der steten Steigerung der Energiepreise könnte eine Art De-Globalisierung einsetze… Aber mal ehrlich: Haben Sie schon irgendwelche Auswirkungen dieser Krise zu spüren bekommen? [...]
ramonschack // 9. Oktober 2008 um 16:57
classless
oder Provinzialismus!
classless // 9. Oktober 2008 um 17:23
@ramonschack
Werden denn schon Regionalwährungen ausgegeben?
Michel // 9. Oktober 2008 um 19:02
“De-Globalisierung”
Ähm, ihr wisst schon wie die Weltwirtschaftskrise so verlaufen ist?
Libero // 9. Oktober 2008 um 21:42
Signifikant abnormal
http://www.heise.de/tr/artikel/print/116863
via jo@chim
ramonschack // 9. Oktober 2008 um 23:05
classless
Man hat ja schon Pferde kotzen sehen!
jolly rogers // 9. Oktober 2008 um 23:17
“Ausserdem brauchen wir sofortige Lohnsenkungen bei gleichzeitig mehr Konsum und das verknüpfen wir mit einer privaten Altersvorsorge über Aktien. Für die Altersvorsorge knappst der Geringverdiener dann einfach was von den 7 Euro Mindestlohn ab. Darauf dann ein dreifaches Victory im Josef Ackermann Style.”
Endgeil!
luclog // 10. Oktober 2008 um 13:01
Oh, freut mich das es Dir gefällt.