Sowas hat doch nichts mit Sport zu tun. Wie krank muss man sein, um Leben und Gesundheit so sinnlos auf’s Spiel zu setzen? Da ist vor allem dem Veranstalter ein Vorwurf zu machen, der das Ganze nicht abbrechen oder rechtzeitig absagen wollte, als von schlechtem Wetter zu hören war.
Umworben wurde das Ereignis mit den Worten
Das Motto: Die traumhafte Bergwelt der Tiroler Zugspitzarena im Laufschritt erleben. Bei allem Genuss werden die 16,1 km und über 2200 Höhenmeter aus jedem Trailrunner das Letzte herausholen. Der klassische Aufstieg über das Gatterl über die Grenze Tirol/Bayern gilt als eine der schönsten Wandertouren der Alpen überhaupt.
Werden wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend gewesen sein, den Lauf nicht abzusagen? Das Verschieben auf einen anderen Tag wäre ja auch möglich gewesen. Oder man dachte sich “Och, das heißt ja EXTREM-Lauf, also bekommt man EXTREM-Lauf…”
13 Antworten bis hierher ↓
califax // 17. Juli 2008 um 15:14
Das war in erster Linie Selbstmord. Wir leben halt in einer Gesellschaft, in der man als blöd gilt, wenn man sich bei solchen Sachen erstmal informiert, und die Dinge ernst nimmt.
Naivität und Ignoranz gilt als bewunderte Smartheit. Nuja.
Eigentlich weiß es jeder:
Hohe Berge sind lebensgefährlich.
Ein Bergaufstieg bei schlechtem Wetter ist ein Selbstmordkommando und nur für gut versicherte Profis mit bester Alpenausrüstung denkbar.
Es gibt speziell für Alpenaufstiege entwickelte Kleidung. Das fängt bei den Schuhen an und geht über die Hose bis zu Hemd und Hut. Zu dieser Kleidung gehören heutzutage auch eine Notdecke und ein Kompass.
Ohne Rucksack setigen nur lebensmüde Idioten in den Berg ein, weil man nämlich Wasser und Zucker benötigt. 2 Liter Wasser + süße Kekse oder 2 Liter süßer Tee sind üblich. Pro Mann.
Wenn es im Berg schneit, geht man sofort zurück oder in die nächste Hütte. Außerdem ruft man via Handy die Bergrettung.
Welche dieser Grundvoraussetzungen haben die Läufer mitgebracht?
Keine einzige.
Die Notärzte haben Wunder geleistet, sondern wären noch mehr Leute draufgegangen. Wäre das Wetter noch etwas ungünstiger und windiger geworden (durchaus möglich), wäre der Berg mit Leichen gepflastert gewesen, denn dann hätte mindestens die Hälfte das Ziel nicht mehr erreicht. Und mangels Ausrüstung, mangels Wasser und mangels Energiereserven für die Körperheizung hätten die Leute, die auf der Strecke bleiben, dies auf keinen Fall überlebt.
Im Grunde war dieser Ausgang der Idiotie also ein echter Glücksfall.
Man sollte nicht von den zwei Toten sprechen sondern davon, daß fast alle den versuchten Selbstmord überlebt haben.
NUB // 17. Juli 2008 um 17:17
Hallo califax,
Im Grunde war dieser Ausgang der Idiotie also ein echter Glücksfall.
Man sollte nicht von den zwei Toten sprechen sondern davon, daß fast alle den versuchten Selbstmord überlebt haben.
Das ist korrekt, es hätte deutlich mehr Tote geben können.
Wir leben halt in einer Gesellschaft, in der man als blöd gilt, wenn man sich bei solchen Sachen erstmal informiert, und die Dinge ernst nimmt.
Wir leben auch in einer Gesellschaft, in der ein Extrem zunächst mal alles Menschen(Un-)mögliche beinhaltet und in der erst aus Fehlern gelernt wird, wenn diese eben tödlich waren.
Wenn es im Berg schneit, geht man sofort zurück oder in die nächste Hütte. Außerdem ruft man via Handy die Bergrettung.
Welche dieser Grundvoraussetzungen haben die Läufer mitgebracht?
Keine einzige.
Sicherlich, naiv und ahnungslos. Die Eigenverantwortung kann man da auch nicht aufheben. Trotzdem ist es am Veranstalter so einer Geschichte, sich entsprechend über das Wetter zu informieren. Der Veranstalter muss wissen, dass das Wetter in großer Höhe schnell kippen kann, gibt es die kleinsten Anzeichen für so etwas, muss die Order lauten: NEIN, alles zurück, keiner läuft! Es hatte schon geregnet, als der Lauf anfing.
califax // 17. Juli 2008 um 17:29
Tjo, ich hätte den Lauf ganz unabhängig vom Wetter schon beim Anblick der Teilnehmer abgesagt – durch Massendisqualifikation.
Unmittelbar vor dem Lauf wurden die Läufer noch über den Wetterumschwung informiert.
Spätestens an dieser Stelle hätte man m.E. abbrechen sollen, da die Teilnehmer offensichtlich nicht in der geistigen Verfassung waren, das Risiko richtig einzuschätzen..
NUB // 17. Juli 2008 um 17:42
Ja, es gibt auch so etwas wie Unzurechnungsfähigkeit.
Luclog :: Man lernt nie aus :: July :: 2008 // 18. Juli 2008 um 14:41
[...] aber bitte in Watte und ohne das irgendetwas passiert. Denn es ist mittlerweile völlig egal was und wie etwas passiert: Schuld sind immer die anderen. Das Erwachsenen Menschnen eigenverantwortliche Wesen [...]
luclog // 18. Juli 2008 um 14:56
Jetzt wird der Veranstalter wegen Totschlags verklagt.
NUB // 18. Juli 2008 um 16:28
Was ja nicht heißt, dass er auch wegen Totschlags verurteilt wird.
Ganz so leicht ist das wirklich nicht, Du schreibst in Dein Blog sinngemäß, Erwachsene sind für sich verantwortlich und schluss.
Das Beispiel mit dem Autorennen ist gar nicht so schlecht.
kompliziert wenn man also einen Blöden findet der in ein Rennnauto steigt und dann einen Unfall baut bei dem er umkommt ist das nun fahrlässige Tötung durch den Veranstalter, so gesehen wäre das auch interessant für die Formel-Eins, und eigentlich für alle Sportarten bei denen etwas passieren kann, schreibst Du.
Dass etwas passieren kann ist ja doch was anderes wie “Der Veranstalter weiß von einer Gefahr, unternimmt aber nichts”. Beim Autorennen z.B.: Er weiß, dass die eine Kurve keine Sicherheitsvorkehrungen enthält.
Bei dem Lauf kann man zwar sagen, der Veranstalter sei ja nicht der Wettergott, aber dass schlechtes Wetter anfing, bemerkte er. An Deinen Ausführungen ist durchaus etwas dran, es ist nämlich vor allen Dingen wahr, dass sich zu viele Leute auf andere verlassen oder meinen, sich auf andere verlassen zu können. Und das führt dann mitunter zu enttäuschenden Ergebnissen. Derartige Unfälle eignen sich aber m.E. nicht als Beispiel für eine Vollkaskomentalität.
Da passen eher Beispiele, bei denen Menschen wirtschaftliche Nachteile erleiden, aber nicht ihr Leben verlieren.
Kylie // 18. Juli 2008 um 16:49
Oh, Ihr seid aber wahre Kenner der Szene, oder? Ws ist doch immer wieder faszinierend beim Shwarz-Weiß-malen, dass man ohne jegliche Farbe auskommt.
Zu diesem tragischen Ereignis sollen und müssen sicherlich diejenigen zu Wort kommen, in deren Augen Bergläufe von vorneherein als suspekt gelten.
In einer sehr interessanten, und vor allem bis in die (dann doch eskalierte) Schlussphase unaufgeregt sachbezogenen Diskussion findet Ihr vielleicht ein paar Tupfer in rot, gelb, grün, violett…kommt halt drauf an, wie man’s drehen (und sehen) will http://forum.runnersworld.de/forum/wettkaempfe-und-lauf-veranstaltungen/39847-tote-beim-zugspitz-extremberglauf.html
Gruß
Manu
Läuferin, extremlos
NUB // 18. Juli 2008 um 17:05
Hallo Manu,
danke für Deinen Beitrag und Link. Auch dort ist man z.T. der hier vertretenen Ansicht:
Alpi schreibt:
Bei dieser katastrophalen Wetterprognose hätte der Lauf nie stattfinden dürfen. Schon gar nicht auf den Gipfel. Ich war beim Start, den Läufern wurde mit keinem Wort nahe gelegt (ORF Meldung) den letzten Streckenabschnitt auszulassen. Es wurde auch nicht gewarnt. Es wurde durchgesagt, dass der Lauf auf den Gipfel möglich ist. Ich dachte nur, die sind vollkommen hohl in der Birne!
Das ist hochalpines Gelände. Alles was man über Sicherheit in den Bergen lernt wurde sträflichst vernachlässigt.
Ansonsten kann ich abgesehen von Schlimm und schade auch nur dieselben Richtungen erkennen, die sich hier herauskristallisieren. Man argumentiert gegen den Veranstalter oder dafür, dass doch der einzelne Sportler für sich verantwortlich ist.
Kylie // 18. Juli 2008 um 18:40
Hallo NUB,
hier nun abschließend zu einer Meinung zu gelangen, war und ist mir nicht möglich. Ich kann viele Argumente nachvollziehen, in beide Richtungen, hüte mich aber vor einseitigen Schuldzuweisungen, basierend auf gelesenen Pressemitteilungen- tendiere allerdings schon auch zu leichtem Unverständnis, den Gipfel als Ziel “freizugeben”.
Aber weißt Du, solche Titel, wie Deine Überschrift, wenn auch mit Fragezeichen, lenken meiner Meinung nach eine Diskussion über Ursachen und mögliche Schlussfolgerungen leicht auf BILD-Niveau – wenn bestimmt auch nicht von Dir beabsichtigt. Es ist nicht so einfach, und allein schon das Wort “Mord” (mit wie vielen Fragezeichen auch immer) in diesem Zusammenhang sowieso nicht zutreffend.
Gruß von
Manu
NUB // 18. Juli 2008 um 18:54
Manu,
es ist bei Blogs mitunter üblich, drastische und überspitzte Überschriften zu verwenden, ‘Sport ist Mord’ ist, wie Du sicher weißt, auch eine Redensart der weniger sportbegeisterten Leute.
Ich denke nicht, dass eine Verurteilung wegen Totschlags erfolgen könnte, eine gewisse Fahrlässigkeit wird aber wohl juristisch nachzuweisen sein.
luclog // 19. Juli 2008 um 16:03
@ NUB
Dass etwas passieren kann ist ja doch was anderes wie “Der Veranstalter weiß von einer Gefahr, unternimmt aber nichts”. Beim Autorennen z.B.: Er weiß, dass die eine Kurve keine Sicherheitsvorkehrungen enthält.
Naja, erstmal fiel mir am stärksten der Totschlag auf und das fand ich dann besonders wegen der sprachlichen Verzerrung interessant.
Aber auch bei der Formel-Eins weiß der Veranstalter von der Gefahr für Fahrer, Streckenposten und Zuschauer. Und er unternimmt auch nichts, meistens braucht es Jahre bis bestimmte Gefahrenstellen entschärft sind. Wenn man wirklich konsequent sein wollte, müßte man solche “Sportarten” wegen der Gefahr schlicht verbieten. Und um es wirklich “sicher” zu machen, müßtte man wohl das Tempo stark drosseln was aber nicht im Sinne der Formel 1 liegt.
Deine Entscheidung fällt einfach im Nachhinein. Du sagst, er wußte von der Gefahr. Und das ist einfach bei vielen Anlässen so, daß eine Gefahr besteht und sie dennoch akzeptiert wird. Wenn dann aber etwas passiert, und ein Rennauto in die Zuschauermenge kracht, und es dann mehrere Tote gibt, dann sagt man der Veranstalter hätte es wissen müssten. Und ich sage: Alle hätten es wissen können, daß sowas passieren kann. Immer wenn ich in ein Flugzeug oder ein Auto steige ist mir bekannt das etwas passieren kann. Auch wenn ganz unextrem in den Bergen unterwegs bin, kann etwas passieren. Und wenn ich mich in der Nähe von Fahrzeugen befinde die mit 600 kmh vorbeifahren ist es gefährlich (Das kann man sogar hören).
Sich gegen alle Eventualitäten absichern zu wollen dahinter steckt eine Vollkasko-Mentalität, die sich mehr und mehr verbreitet und die immer mit dem Finger auf den anderen zeigt, während keiner mehr für sein tun Konsequenzen in Kauf nehmen will.
Das waren kein keine kleinen Kinder, oder ein Haufen Hühner der da hoch gescheucht wurde, sondern Erwachsene Menschen, und die waren so blöd sich falsch anzuziehen, zu Rennen wo es nicht angebracht ist,und bei schlechtem Wetter sich nicht unterzustellen. Das sind alle Sachen die eigentlich schon 5 Jährige Kinder im Kopf haben können.
Das einzige was man dem Veranstalter vorwerfen kann ist, daß er genauso irre ist wie seine gesamte Mannschaft von Sportsfreunden, und gegen organisierten Irrsinn ist einfach noch kein Kraut gewachsen.
NUB // 19. Juli 2008 um 16:12
Na ja, man wird sehen, dass Totschlag daraus gemacht werden kann, glaube ich ja wie gesagt auch nicht.