GayWest hat ein Beispiel abgeliefert, wie man einen Beitrag möglichst nicht versteht oder böswillig verdreht. Wichtig ist: Am Ende muss herauskommen, dass der mit der anderen Meinung im Grunde auch nur homophob ist!
Zumindest auf ein paar sachlichere Bestandteile des Geschreibsels soll eingegangen werden:
Wenn eine bestehende Situation nämlich auf der Diskriminierung einer Gruppe beruht, bedeutet Neutralität die Unterstützung für die Aufrechterhaltung der Diskriminierung.
Aha. In den USA werden also alle Schwulen diskriminiert. Von Kentucky bis Washington, von Chicago bis San Francisco, jeder Schwule, der in einem amerikanischen Geschäft arbeiten muss, ist: OPFER.
Schon hier versteht GayWest nicht, dass dies nur eine politische MEINUNG ist, die nicht jeder Amerikaner teilen muss.
NUB allerdings ist solch profanen Fragen längst entwichen und sieht schon die Rückkehr einer modernen Variante der Rassentrennung, wenn die Homos nicht endlich gestoppt werden:
Wo kämen wir hin, gäbe es Fastfood-Ketten für Homos, andere für christliche Heteros, vielleicht bald wieder die einen Restaurants für die Schwarzen und Latinos, die anderen für Weiße? Hier die Moslems, dort die Nichtmoslems? An der Ecke ein Schuhgeschäft nur für Grüne, dort eines für CSU-Anhänger. Ließe sich mit anderen Geschäften endlos fortsetzen.
Ja, wo kämen wir hin? Vielleicht in eine liberale, pluralistische, ausdifferenzierte Gesellschaft, in der wir ja auch längst leben… Schließlich gibt es Buchläden für Frauen, Cafés für Schwule, Gotteshäuser für Moslems, Restaurants für Veganer, Hotels für Nichtraucher, Modegeschäfte für Freunde des indischen Tuchs, usw. usf. Wo um alles in der Welt ist das Problem?
Wo das Problem ist? Das Problem ist, dass die aufgezählten Beispiele rein gar nichts mit politischen Aussagen zu tun haben. Nur ein Geschäft FÜR jemanden zu eröffnen, ist etwas anderes als eine bestimmte Lobby zu unterstützen, die eine bestimmte Politik für ALLE Firmen im Land anstrebt.
Was wäre, würde sich McDonalds mit der AFA zusammenschließen und die NGLCC daraufhin zum Boykott gegen McDonalds aufrufen? GayWest wären bestimmt sofort dabei!
Leider hat GayWest auch nicht begriffen, dass die AFA was anderes ist als McDonalds, demnach muss die AFA natürlich nicht neutral sein, aber was soll’s.
Was ich dabei, um das nochmal zu wiederholen, bedenklich finde, ist die Herangehensweise nicht mehr jemanden überzeugen, sondern nur noch bekämpfen zu wollen, nicht mit Argumenten, sondern mit Lobby, Druck u.s.w. zu arbeiten (und mit Diffamierung), in dieses Schema passt auch der Boykottaufruf der AFA. Das ist in der Tat ein Kulturkampf.
Auch an der Reaktion von GayWest kann man ablesen, dass da keinerlei Spaß verstanden wird, jede Seite denkt, die andere wolle ihr die Butter vom Brot nehmen.
Die Zersplitterung der Gesellschaft in viele Grüppchen und Interessenvertreter, ohne Gesamtzusammenhänge ist aber nichts, was jeder gut finden muss. Das muss man auch der AFA entgegen halten, die die Homosexuellen diskriminiert.
Woran es bei GayWest jedoch mangelt, das ist vor allen Dingen Verständnis, wie die USA als Gesellschaft funktionieren.
Ob es Euch passt oder nicht, Ihr könnt den Überbringer der Botschaft ruhig steinigen, aber in den USA ist eine intolerante Meinung nun mal genauso eine durch die Meinungsfreiheit geschützte Meinung wie eine tolerante und eine christliche so wie eine nichtchristliche. Das sind Tatsachen, das habe ich mir nicht ausgedacht.
Ich habe übrigens bei allen Lobbys Bedenken. So auch bei der AFA. Lobbys im Allgemeinen sind nichts anderes als der Versuch, demokratische Spielregeln zu bypassen und in der Tat — auch die AFA und die Fundamentalisten wollen das — der Gesellschaft etwas aufzuzwingen.
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