kommt in diesem Artikel von Matthias Küntzel gut zum Ausdruck. Mit Achsen mag es wenig zu tun haben, wie ein roter Faden zieht sich jedoch die wirtschaftliche Interessenlage durch die deutsche Außenpolitik. Hätten die Iraner statt Öl nur Sand und würden nicht so gern deutsche Waren importieren, Merkels Aussagen vor der Knesset könnten tatsächlich in eine entsprechend konsequente Außenpolitik gegossen werden.
So wie es sich tatsächlich gestaltet, ist man vorn auf der Bühne Partner der USA und Israels (die USA haben gerade ihren Geburtstag gefeiert und ihre neue Botschaft in Berlin eingeweiht, herzlichen Glückwunsch), hinter den Kulissen spielt man auch mit den bösen Jungs und freut sich, wenn diese woanders zündeln, nur nicht hier.
Außenpolitisch kein einmaliger Vorgang, auch die USA haben in ihrer jüngeren Geschichte viele befreundete diktatorische Regime und verdeckte Operationen vorzuweisen, inkl. Iran-Contra.
Hätten die Verlautbarungen, man habe in Deutschland etwas aus der deutschen Geschichte gelernt, aber außenpolitisch irgendeinen Realitätsbezug, man dürfte mit einem Regime, das Israel beseitigen will, nichts zu tun haben. Da reicht schon entsprechende Rhetorik und Propaganda seitens Iran, um festzustellen, dass man den USA und Israel klar in den Rücken fällt, wenn man sich vom Iran nicht distanziert. Macht man es etwas anders und baut mit den Mullahs sogar so etwas wie eine Partnerschaft auf, kann man zumindest mal attestieren, dass dieses Gedöns von wegen “aus der Geschichte gelernt” heutzutage nur noch eine realpolitische Bedeutung hat, nämlich sich die Frage zu stellen: Haben Amis und Israelis auch aus unserer Geschichte gelernt?
Die Interessenlage ist ziemlich klar. Mit Leuten, die
- auf Öl sitzen
- Terroristen unterstützen (befehligen?)
- die Bombe wollen
- Kunden sind
stellt man sich lieber einigermaßen gut. Natürlich auch, weil man in Wahrheit dann doch nicht so gerne mit Israel und den USA in einem Boot sitzen (und weltweit Islamisten zum Feind haben) möchte. Und in diesem Punkt entspricht die Politik der Bundesregierung wohl sogar dem Willen der Mehrheit des deutschen Volkes, das alles andere will als sich zum Diener der Amis und Israelis zu machen.
Wenn man sich für diese neue außenpolitische Souveränität seinerseits bei einer Diktatur andienen muss, warum nicht? Nach außen von deutsch-amerikanischer und deutsch-israelischer Freundschaft zu faseln ist dann im Grunde ziemlich heuchlerisch. Da aber sogar Akademiker auf den Gedanken kommen, ein religiös fanatisches Regime mit der Bombe als ausgleichende Kraft zu den USA im Nahen Osten schönzureden (gleiche Augenhöhe und so), soll man dann von Otto Normalverbraucher die Einsicht erwarten, dass solche Spielchen brandgefährlich sind und die Kriege erst herbeiführen könnten, die man — ebenso rhetorisch – stets abwenden und beenden will? Aber auch dazu gibt es wohl eine zynische Antwort: Solange da unten noch Leben ist, kann noch Handel betrieben werden, also lieber jetzt die Geschäfte machen.
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