Charles Darwin Archiv komplett online

Darwin’s private papers online (BBC)

Er und seine Thesen haben im politisch-sozialen und kulturellen Bereich anders als in der Naturwissenschaft scheinbar etwas Anrüchiges, etwas oft ungesehen Anrüchiges.

Allein schon der Begriff Darwinismus ruft im Bereich der politischen Auseinandersetzungen Assoziationen wie Sozialdarwinismus, Rassenkunde und Drittes Reich hervor, missbrauchten doch Rassenkundler und besonders die Pseudowissenschaftler der Nazis Naturwissenschaft gezielt für ihre Propagandazwecke und verflochten dies u.a. mit Darwin, der natürlich vom Denken seiner Zeit nicht völlig frei war.

Unverrückbar scheint Darwin mit Survival of the fittest und seiner oft verkürzten Übersetzung “Überleben des Stärksten” verbunden, von wo aus es nur noch ein Schritt zum viel beklagten und häufig bekämpften “Recht des Stärkeren” zu sein scheint. Von der eigentlichen und ursprünglichen Beobachtung der Natur und ihrer Gesetzmäßigkeiten, die tatsächlich eine Anpassung der Lebewesen an die Regeln der Natur erfordern, ist diese Übertragung auf die menschliche Gesellschaft so weit entfernt wie es nur geht. Ist doch selbstverständlich richtig, dass der Mensch sich in seiner Willkür und auch in seinem Bemühen, sich über Natur hinweg zu setzen, von dieser entfernt und menschliche Gesellschaft daher in großen Teilen eigenen und anderen Regeln folgt.

Die politische Instrumentalisierung haftet der Naturwissenschaft zumindest in der Betrachtung vieler linker Zeitgenossen bis heute negativ an. Und manchmal gibt es durchaus Indizien, die dafür sprechen, dass Erkenntnisse nicht um der Erkenntnisse Willen, sondern um ihrer Nutzbarmachung interessant sind. Bloß gilt das für andere Wissenschaften nicht minder.

Ob die Klimawandelpanik und ihre Wirkung auf andere Wissenschaften oder Terrorismus in der Geschichtswissenschaft, Psychologie, Soziologie, die Weltwirtschaft in den Wirtschaftswissenschaften, ob die Konjunkturprognosen nach den Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft, vieles hat direkte Querverbindungen zu Politik und welche Politik aus der Erkenntnis heraus empfehlenswert ist. Die Pfeiffer-Studie zu den Kindermorden im Osten, die hier auch schon mal Thema war, geschichtliche Erkenntnisse zu den 68ern, zur DDR, zur UdSSR, überall stecken politische Verwertbarkeit und politische Motivation mit drin oder ergeben sich.

Es wäre daher in der Tat tiefste Fortschrittsfeindlichkeit und selektives Misstrauen, nur gegenüber den Naturwissenschaften als kritischer Bedenkenträger und Mahner aufzutreten und sie, wie bei Darwin, in eine Schmuddelecke zu verlegen. Dass man sich dann speziell bei Darwin mit religiösen Extremisten in einem Boot befindet, kommt noch erschwerend hinzu.

Wie in vielen anderen Fällen ist es empfehlenswert, sich die Aussagen wirklich anzusehen, nicht nur die Aussagen derer, die über jemanden reden oder sogar über jemanden reden, der darüber redet. Einfacher gesagt: Primärquellen.

3 Antworten zu “Charles Darwin Archiv komplett online”


  1. 1 luclog 23. April 2008 um 19:18

    Aber auch die Lektüre von Primärquellen führt einen in einen immer tieferen Dschungel von Argumenten. Und letztlich kann man sowieso nur einen Teil überblicken da einen die pure Masse des Vorhandenen schon erschlägt.

  2. 2 NUB 23. April 2008 um 19:26

    Siehst Du eine Alternative? Wenn man sich permanent nur auf Informationen verlässt, die andere für einen vorgekaut haben, ist dies das Nachplappern, das Du vielfach auch in Deinem Blog anprangerst bzw. beklagst.

  3. 3 luclog 24. April 2008 um 10:22

    So war das nicht gemeint. Natürlich ist es wichtig sich Primärquellen anzusehen. Wenn die Leute mehr Marx oder einige andere ideologische Vordenker im Original lesen würden, würden das vielleicht vieles verhindern. Sicher würden sich einige mit Grausen abwenden, und vielleicht dann doch wieder dem eigenen Denken vertrauen.

    Man muss aber auch sehen, daß mittlerweile die schiere Masse an Quellen den Einzelnen schier überfordert. Und hier jetzt zu selektieren ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Und man kann sich auch darin verlieren.

    Der Punkt auf den ich eigentlich hinweisen möchte ist, daß das eigenen Denken oftmals unterschätzt wird. Ich fände es besser wenn die Menschen sich selbst mehr Gedanken machen und sich nicht andauernd auf “Geistesgrößen” beziehen würden die vor 200 Jahren gelebt haben.

Eine Antwort hinterlassen