Kein Sitzenbleiben mehr in Berlin. Kein Scherz.

Das berichtet die Welt.

Da bleibt einem ja die Spucke weg. Ist das die bildungspolitische Zukunftsvision Deutschlands und zugleich die Perspektive, die Rot-Rot für Deutschland eröffnet? Unterschiede vielleicht noch als kleinen Hinweis festhalten (bis zur 8. Klasse können die Noten schon abgeschafft werden), aber sonst jeden Schüler durchschleusen. Anscheinend auch die mit mehreren Fünfen oder sogar Sechsen…

Die Ehrenrunde soll dann nur noch stattfinden, wenn Eltern und Schüler den ausdrücklichen Wunsch haben.

Und wer hat schon den Wunsch? Neues Schuljahr, neues Glück heißt es da. Ob das für die Lehrer den Unterricht erträglicher macht? Jetzt mal ganz allgemein gesagt, könnten die schlechten Schüler dann ja jahrelang kaum mitarbeiten und warten, bis es interessanter wird, vielleicht noch ein klein bisschen Mühe für den Abschluss investieren. Ohne Sitzenbleiben gibt es doch eigentlich nix, wovon man sich noch unter Druck gesetzt fühlen müsste.

So gesehen könnte man das Ganze ja als freiwillige Veranstaltung sehen, ist es aber nicht. Die Schulpflicht bleibt schließlich bestehen. Man pfercht also Schüler in einer Zwangsveranstaltung zusammen, schafft dann aber die Druckmittel sukzessive ab, mit denen sie zur Mitarbeit und zum Lernen gezwungen werden sollen und in ihrer Leistung bewertet werden. Es wäre doch sehr erstaunlich, wenn bei so etwas noch irgendwas Produktives herauskäme. Die dann wohl mit entfallende Notwendigkeit für Migrantenkinder, richtig Deutsch zu lernen, kommt noch hinzu. Sollen die Lehrer halt noch ein paar Sprachen lernen. Jetzt wo sie sich um das Versetzen der Schüler keine Gedanken mehr machen müssen, können sie ja an ihren Türkisch-Defiziten arbeiten.

Lehrer, die sich da ihre Nerven nicht komplett kaputt machen wollen, versuchen doch nur noch, Dienst nach Pflicht zu schieben und Unterricht, soweit die Schüler das noch dulden und vielleicht etwas Spaß daran haben. Lehrer, sicher kein Traumberuf. Erst recht nicht in Berlin.

„Durch die Ausweitung der Regelung auf alle interessierte Schulen, wollen wir den Einrichtungen ermögliche, bereits Elemente der Gemeinschaftsschule zu übernehmen“, sagt Steffen Zillich, bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion.

Es sei erwiesen, dass die gesetzlich verordnete Ehrenrunde nicht dazu geführt hat, dass der betroffene Schüler seine Leistungen verbessert hat, sagt Zillich. Dem Land kosten die Sitzenbleiber jährlich 50 Millionen Euro. Dieses Geld könne in der Förderung verwendet werden.

So gesehen schaffen alle Maßnahmen, die gravierende Unterschiede feststellen bzw. sanktionieren, unnötige Kosten.
Lassen wir doch die Leute aus den Gefängnissen raus, das kostet auch nur Geld und bringt nix! Kommt wohl auch noch… Und schaffen wir Arbeitszeugnisse ab, schaffen wir bei der Gelegenheit auch die Lebensläufe und polizeilichen Führungszeugnisse ab. Das Bundeszentralregister beim Generalbundesanwalt kostet doch sicher nur unnötig Geld. Schaffen wir einfach alles ab, was Menschen irgendwie unterschiedlichen Bewertungen aussetzt.

Dann ist zwar die Nachfrage nach Bewertungen noch genauso vorhanden und die Arbeitgeber schauen halt verstärkt über Einstellungstests, was dahinter steckt, aber das kann Rot-Rot dann ja einfach auch verbieten. Wir erklären einfach alle für gleich, sie sind dann zwar noch so unterschiedlich wie zuvor, das merkt dann aber keiner mehr so schnell und gut. So ungefähr scheint man da zu ticken.

Ob die Pleitegeier das eingesparte Geld dann wirklich für Förderung ausgeben, muss man auch erst noch sehen.

6 Antworten zu “Kein Sitzenbleiben mehr in Berlin. Kein Scherz.”


  1. 1 Stefan Sedlaczek 12. April 2008 um 21:10

    Wer bewertet sollte selber bewertet werden.

    Bürokratische Vorschriften sind keine Lösungen.

    Noten zugeben ist schwierig.

    Wer gerecht ist, schaut genau hin.
    Wer gerecht sein will, sollte liebend genau hinschauen.
    Und verzeihen.

    Und besser wissen.
    Aber wirklich.

    Und nicht urteilen.

  2. 2 NUB 12. April 2008 um 21:14

    Geurteilt und bewertet wird immer. Das lässt sich nur hinauszögern, aber normalerweise nicht vermeiden.

    Die Abschaffung der Schulpflicht und/oder private Schulen wären ein anderes Konzept. Was da auf dem Tisch liegt, ist das alte System mit weniger Bewertungs-/Aussiebungsmöglichkeiten. Die Qualität der Schulen wird dadurch nicht erhöht, nur weniger anhand von Leistungen ablesbar.

  3. 3 luclog 13. April 2008 um 11:05

    Irgendwie muss doch auch gelobt werden.

  4. 4 NUB 13. April 2008 um 11:25

    Vor ein paar Jahren war noch von Schuluniformen die Rede. Jetzt das.

  5. 5 luclog 13. April 2008 um 17:15

    Naja bei mir wechselt das auch je nach Stimmung. Mal finde ich daß, das gesamte Schulsystem völlig überzogen ist. Andererseits finde ich, wenn man schon so ein System betreibt, sollten die Kinder auch Bewertungen ihrer Leistungen bekommen.

    Was ich Übertrieben finde ist wie wichtig die Gesellschaft diese Bewertungen von Lehrern für den späteren Lebensweg nimmt. Man muss ja auch sehen, daß vieles was auf die Schulische Leistung Einfluss nimmt völlig ausserhalb der wirklichen Befähigung liegt und sich auch stark, je nach dem wie sich der Schüler beschäftigt, ändern kann.

    Wieviel Nachhilfe bekommt ein Schüler? Wird er vielleicht in einem Internat individuell betreut? Lassen sich die Eltern gerade mal Scheiden? Ist das Kind in einem Jahr dem Online Spiel verfallen?Kommen die Noten nur durch Anpassung und Fleiß oder ist ein Kind intelligent?

    Das ist wie bei den IQ Tests die die am besten Abschneiden ist die Gruppe der Psychlologen die den Aufbau der Tests am besten kennt.
    Ein Kind das gezielt auf Tests lernt schägt alle anderen, aber welchen Aussage macht das über die wirkliche Befähigung im späteren Leben. Joschka Fischer hat es gerade mal zum Taxifahrer geschafft und die Zeugnisse möchte ich lieber nicht sehen, und heutzutage ist er ein gefragter Ratgeber für hochkomplizierte gesellschaftliche Fragen.

    Das ist alles nicht so einfach. Und die Schule wird in der Bewertung oft überzogen wahrgenommen. Andererseits kümmert sich die Schule viel zu wenig um die Vermittlung der wirklichen Grundfertigkeiten, wie Sprache und Mathematik.

    Auch denken ich, daß das ganze System in Deutschland mit Inhalten vollgestopft wird die viel zu viel Zeit beanspruchen und oft Sinnlos sind. Da gibt es dann zwei Sorten Schüler die einen beschäftigen sich irgendwann privat damit und sind völlig gelangweilt bis verärgert über die stumpfsinnige Behandlung des Themas und die anderen finde es langweilig und fühlen sich überfordert.

    Dadurch, daß es jetzt elektronische Intelligenztest Trainer wie Kawaschimas Gehinjoggig gibt, erwarte ich einen unglaublichen Sprung bei dem Abschneiden von Prüflingen in Intelligenztests. Es ist wohl ein Anstieg bei den Testgenies zu erwarten.

    Und wie ist es eigentlich mit denen die vor Nervosität mit solchen Tests überhaupt nicht klarkommen? Sicher sind die bei Tests nicht so belastbar, aber das sagt sicher nichts über deren Intelligenz.

  6. 6 NUB 13. April 2008 um 17:31

    Das Problem der Nervosität haben viele Schüler bei Prüfungen. Wenn die Prüfungen nicht mehr über die Versetzung entscheiden, kann man ihnen aber auch fern bleiben.

    Mehr Wettbewerb und unterschiedliche Konzepte im Bildungswesen wären durchaus eine Bereicherung. Auch um der Unterschiedlichkeit der Begabungen, die Du ins Spiel bringst, gerecht zu werden. Genau das geschieht aber nicht. Es wird an problembehafteten Konzepten so lange herumgedoktort, bis sie überhaupt nicht mehr funktionieren.

    Es ist wie bei vielem in der Politik hierzulande, statt klare Konzepte durchzusetzen und umzusetzen, wird ein bisschen was hiervon, ein bisschen davon gemischt und damit auch noch ein Monopol begründet.

    So wie bei der Zwei-Klassen-Medizin wird es wohl künftig eine Zwei-Klassen-Bildung geben. Oder man besteht darauf, dass alle völlig ineffektive staatliche Schulen aufsuchen und dort ihre Zeit mit Unfug machen vergeuden.

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