Eigentlich würde doch jeder annehmen, dass die wichtigsten Prinzipien der weiblichen Emanzipation längst Wirklichkeit seien. Frau kann einem eigenen Beruf nachgehen, Frau kann eine eigene Karriere hinlegen, unabhängig vom Mann, von dem sie, so das Konzept, weder finanziell noch sonstwie abhängig sein sollte. Ursula von der Leyen will sogar, dass die Männer viel intensiver bei der Kindererziehung und in der Familie mitarbeiten, ein Kinderwagen schiebender Mann ganz selbstverständlich u.s.w. u.s.f.
Dann gibt es doch immer wieder Ereignisse, die diese Errungenschaften komplett in Frage stellen. Z.B. sowas.
Verona Pooths Mann hat finanzielle Probleme, seine Firma insolvent, Betrugsvorwürfe. Plötzlich färbt das auf Verona Pooth ab, angeblich ist sie auf Partys nicht mehr so gern gesehen wie zuvor, was RTLII, wie im verlinkten Artikel erwähnt, auch so sieht und daher die Zusammenarbeit bei einer Sendung einstellt. Mit dem unverbindlichen Hinweis, einer anderweitigen Zusammenarbeit stünde nichts im Weg.
Es ist vielleicht ohnehin eine abgedroschene, mittlerweile unrealistische Forderung und konservativ, Promis sollten Vorbilder sein.
Das Problem ist die dabei angewandte Willkür. Wäre die aktuelle Freundin von Boris Becker oder Franz Beckenbauer wegen irgendeines Vergehens angeklagt, würde das auch abfärben? Oder sind die Freundinnen dieser Herren nur Anhängsel, die auf der Weihnachtsfeier, in der Besenkammer und anderweitig als Sexgespielinnen eine Rolle spielen? Da muss keiner Vorbild sein, Becker und Beckenbauer sind nicht gesellschaftlich tot. Jetzt kann man sagen: Nee, in unserer Gesellschaft sind sexuelle Dinge Privatsache, Betrug ist aber juristisch relevant. Also doch nicht dasselbe.
Da gibt es aber noch mehr. Daum hat gekokst, war zeitweise sogar als Bundestrainer im Gespräch. Friedman war wieder im TV zu sehen, nachdem diese Sache mit den Prostituierten und dem Koks war.
Steuerhinterziehung kommt bei Promis auch öfters mal vor.
Irgendwer entscheidet aber, ob Du noch tragbar bist oder nicht. Und das sind entweder die Medien, die Politik oder andere Promis. Beziehungen spielen auch eine Rolle. Es ist jedenfalls weder der gesunde Menschenverstand, noch ein irgendwie nachvollziehbarer moralischer Standard. Jedenfalls nicht bei Taten unterhalb von Schwerverbrechen.
Dieter Bohlen noch ganz vergessen. Der soll seine kurzzeitige Frau Verona, damals noch Feldbusch ja mal geschlagen haben (weil sie nicht gut kocht) und ist bei DSDS und anderweitig heute voll dabei, es gibt keine Anzeichen für irgendeine gesellschaftliche Exklusion. Vielleicht ist Verona nur über die Bohlen-Geschichte bekannt geworden und wäre sonst nie wirklich prominent und keine Werbeträgerin geworden. Nun ist sie es aber. Verona dann noch über den Mann zu definieren, der gerade an ihrer Seite ist, passt nicht zu den ganzen anderen moralischen Fragwürdigkeiten im Promibereich. Drogen, Medikamentenmissbrauch etc. pp.
Auch in den Knast müssen Promis ab und zu mal. Und sind meist trotzdem noch gefragt. Und wenn es nur darum geht, sich über sie lustig zu machen oder sie zu bemitleiden.
Vielleicht sollte Verona Schluss machen und zu Dieter Bohlen zurückkehren, um wieder gefragt zu sein. Irgendwas werden sich ein paar PR-Strategen schon einfallen lassen.
2 Antworten bis hierher ↓
luclog // 9. April 2008 um 20:19
Wahrscheinlich wird ihr von der Kulturpresse ihr Auftreten gegen die Emanzipationsbewegung nicht verziehen. Ansonsten ist es aber immer so, daß der Stern von Prominenten immer so strahlt, wie sie gerade in den Schlagzeilen sind. Das könnte Bohlen mit irgendeiner Nummer die er fabriziert auch so ergehen. Das geht ganz schnell. Wichtig ist immer nur was gerade in den Schlagzeilen ist. Über die Jahre hinweg sind die Menschen dann vergesslich und jubeln selbst einem Terroristen zu wenn er ihnen nur lang genug als Freiheitskämpfer verkauft worden ist.
NUB // 9. April 2008 um 20:34
Ja, es heißt ja auch immer, dass jede Person von der Bild hochgejubelt oder abgeschossen werden kann. Bloß, dass da noch einige andere Medien beteiligt sind, nicht nur die Bild. Das Herausheben der Bild- “Blöd-”Zeitung (gegenüber den ach so intelligenten sonstigen Medien) bzw. der Springerpresse ist ja auch so eine politisch motivierte und als Objektivität getarnte Herangehensweise. Zwar ist die Kritik an den Recherchen und präsentierten Fakten in der Bild durchaus zutreffend, aber in Wahrheit gilt das Gleiche für alle andere Medien genauso. Auch, dass sie jemanden hochjubeln und niedermachen können, inkl. TV.