In einem nicht so recht kontrovers werdenden Gespräch unterhalten sich Malte und Frédéric auf Spreeblick über den Geert Wilders Film “Fitna”.
Frédéric: Ich weiß es nicht. Auffällig finde ich an der Diskussion, dass einige Komponenten da komplett ausgeblendet werden: soziale, politische, psychologische und sonst noch so allerhand Komponenten: alles wird auf die religiöse Ebene heruntergebrochen. Und keiner kann erklären, warum ausgerechnet die religiöse Ebene ausschlaggebend sein soll. In der Logik könnte man ja auch behaupten, der 30jährige Krieg wäre einzig und allein auf Luther zurückzuführen. Wer sowas behauptet, gilt zu Recht als unzurechnungsfähig.
Es stimmt zwar, dass soziale, politische, psychologische Komponenten auch eine Rolle spielen. Aber was würde Frédéric zu einem Osama Bin Laden sagen? Würde er vielleicht sagen: “Also diesen Religionsquatsch sonderst Du ja bloß ab, weil Du noch nicht den passenden Therapeuten gefunden hast, warte, ich gebe Dir mal eine Nummer” ?!
Wenn man schon über ein Thema redet, bei dem es um den Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen geht, dann gehört da eigentlich auch hinein, dass man nicht versucht, alle in den eignen Wahrnehmungshorizont zu zwängen, in dem Religion belanglos und irrelevant ist. Aber solche Wahrnehmungen wie bei den beiden sind in der westlichen Welt häufig anzutreffen. Was wirklich zählt, bestimmen wir. Wenn wir es nicht mit Gewalt durchsetzen, weil die nicht akzeptabel ist, dann eben über die soziologisch-psychologische Schiene.
Da kann Mohammed Bouyeri, der Theo van Gogh ermordet hat, noch so lange behaupten, einfach seinen Propheten verteidigen zu wollen. Und es nochmal tun zu wollen, hätte er Gelegenheit. Der Seelenklempner hat eben noch nicht den passenden Defekt bei ihm gefunden. Wurde er vielleicht von Wilders- oder van Gogh-Änhängern gemobbt? Der Islam kann es ja nicht sein.
Wohl gemerkt muss man keineswegs auf die Wilders-/PI-These einschwenken, die da heißt, der Islam ist das Problem, gemäßigten Islam gibt es nicht, was dann bedeuten muss: Alle gläubigen Muslime sind das Problem. Aber das was Malte und Frédéric schreiben, ist etwas anderes. Sie wollen auch noch besser als die gewalttätigen, radikalen Muslime wissen, warum diese überhaupt gewalttätig sind. Sie sagen eigentlich: Der Islam kann nie ein Problem sein. Höchstens gleichauf mit der Bibel.
Malte: Das Trittbrett, auf dem da gefahren wird, ist aber ein ziemlich großes. Klar: wenn eine Idee in der Welt ist, muss man sich zu ihr verhalten, was dazu führen kann, dass sich Menschen dafür entscheiden, ihr zu folgen. Aber warum ist diese Idee in der Welt? Ist der Koran eine hinreichende Bedingung für die Idee des Terrorismus?
Ich habe nur Teile des Korans gelesen, aber ich unterstelle, dass da wie in der Bibel alles und nichts drin steht. Zudem ist er noch lyrischer und unverständlicher und von Flugzeugen steht da nichts.Frédéric: Es ist schon verwunderlich, dass Wilders nicht anders arbeitet als die Leute, die er angreift: Er nimmt Versatzstücke eines in sich komplett widersprüchlichen Werkes und leitet daraus seine Geisteshaltung ab. Wie kann man denn eine religiöse Schrift wörtlich nehmen? Wie kann man überhaupt ein Buch wörtlich nehmen? Das ist intellektuell ganz schön armselig.
Es ist Tatsache, nicht Erfindung irgendwelcher Islamophoben: Die gläubigen Muslime sehen den Koran als das Wort Gottes, nicht als irgendeine schwammige, interpretationsabhängige Sache, die man in der WG nochmal ausdiskutieren könnte. Malte und Frédéric sind entweder zu cool, die Tatsachen wahrzunehmen oder sie wollen ganz einfach das Kontrastprogramm zum hysterischen PI sein. Bei PI ist der Islam das Problem, jeder gläubige Moslem trägt mehr davon ins Land, mehr Moscheen als Zeichen der Eroberung. Bei Malte und Frédéric ist der Islam noch nicht mal unbedingt die Motivationsgrundlage radikaler Muslime. Wichtig ist zudem, dass “wie in der Bibel” “alles und nichts” drinsteht. Der eine bemerkt, im Koran stünde doch gar nichts von Flugzeugen, der andere meint, man könne sowieso kein Buch wörtlich nehmen. Die ganzen Religionsgelehrten, die sich damit auseinandersetzen und etwa zum richtigen Verständnis des Islam entsprechende Urteile abliefern, alles irrelevant. Aber von “intellektuell” faseln.
Wenn man keine Ahnung davon hat, was ja nicht schlimm ist, kann man zumindest zulassen, dass Christen mit der Bibel und Moslems mit dem Koran etwas mehr anzufangen wissen und das eine oder andere halt dann doch irgendwie verbindlich finden. Diese autistische Projektion nervt einfach. Als hätten wir sechs Mrd. Malte und Frédéric-Klone auf der Welt. Was an “Gläubige gut, Ungläubige schlecht” lyrisch und unverständlich sein soll, erschließt sich einem wahrscheinlich auch nur, wenn man genauestens weiß, zu welcher Erkenntnis man kommen möchte, bevor man nach ihr sucht. Andererseits ist “lyrisch und unverständlich” ja bereits das Eingeständnis, in religiösen Fragen nicht gerade kompetent zu sein.
Frédéric: Der Koran ist weder hinreichende noch notwendige Bedingung für den Terrorismus. Das müssten sogar Europäer wissen, auch wenn sie noch nie nach Nordspanien oder Nordirland gefahren sind. Allerdings sind religiöse Inhalte, sobald sie in eine politische Ideologie einfließen, ein starkes Argument: diese scharfe Trennung zwischen richtig und falsch, der Bekehrungseifer, der feste Glaube, dass eine bessere Welt möglich sei, all das kann man mit Religion wunderbar begründen, und zwar gleichgültig, ob das nun aus dem Koran oder der Bibel abgeleitet wird.
Religion hat sich quer durch die Geschichte in Politik eingemischt, Politik betrieben. Und es heißt ja “andere Kulturen” und “andere Religionen” weil sie anders sind als das Programm, mit dem Malte und Frédéric möglicherweise im Religionsunterricht belästigt wurden. Das heißt, es darf da auch mal anders gedacht, anders gefühlt und anders geurteilt werden als es einem Malte und Frédéric in den Kram passt. Weil PI dann u.U. meint, daraus so einen Prototyp des Moslems bauen zu können, müssen Malte und Frédéric nicht so tun, als sei das alles eine Soße. Christ, Moslem, Hindu, Buddhist, alles bloß Folklore, ohne politischer Relevanz.
Malte: Dawkins sieht das anders. Ohne den Glauben hält er den Terrorismus für nicht möglich. Ich sehe den Konflikt zwischen Westen und islamischer Welt nicht als religiösen Konflikt, sondern als politischen. Und das ist das Bittere an Werken wie dem von Wilders – dass sich zwei Konfliktparteien auf einer Ebene treffen, auf der sie sich weder einigen noch Kompromisse schließen können. In dem Moment, in dem man sagt: Das Problem ist der Koran, lässt man sich auf ein paar hundert Jahre Auseinandersetzung ein. Wenn man erkennt, dass die Unterstützung des Westens für muslimische Diktatoren Antrieb ist, kann es eine Einigung geben. Osama bin Laden als Premierminister von Saudi-Arabien stelle ich mir annähernd so radikal vor wie Joschka Fischer als Außenminister. Und ja: das ist überzeichnet.
Joschka Fischer radikaler Außenminister? Bin Laden annähernd so radikal? Leute, die so einen Quatsch zusammensülzen, sollte man zwei Tage ununterbrochen Enthauptungsvideos der Islamisten schauen lassen, bis sie kotzen.
Und eine Lösung wäre es, den Bin Laden-Forderungen nachzukommen und die Diktatoren, die vom Westen unterstützt sind, durch islamistische zu ersetzen? Klar, nur wäre das keine Einigung, sondern Unterwerfung.
Schön, die die islamophob genannt werden, mögen es übertreiben, Wilders mag es übertreiben, gar fremdenfeindliche Bestrebungen mit seinem Konzept verbinden. Malte und Frédéric sind aber zwei Beispiele für Leute, die nicht nur in ihrer heilen Welt, in der man keine Feinde hat und über alles reden kann, in Ruhe gelassen werden wollen. Sie wollen der restlichen Welt ihre heile Welt aufprojizieren, einem religiösen Fanatiker nicht mal die Gelegenheit geben, Politik und Religion zu vermengen. Malte und Frédéric wollen die Fragen stellen, zu denen sie schon die richtigen Antworten parat haben.
Jungs, ich hab eine noch bessere Denkschablone für Euch als “In dem Moment, in dem man sagt: Das Problem ist der Koran, lässt man sich auf ein paar hundert Jahre Auseinandersetzung ein”:
In dem Moment, indem man sagt, es gibt gar kein Problem, hat man auch keine Auseinandersetzung mehr. Wie wäre das? Wenn man sich schon einbildet, immer alles unter Kontrolle zu haben, zu agieren und nicht zu reagieren und mit dem richtigen Denken und der richtigen Gesinnung den Gang der Welt in seinem Sinne positiv beeinflussen zu können, kann man die Realität ja auch gleich komplett verweigern.
Malte: Ich weiß nicht, ob ich es intellektuell armselig finde oder nicht doch eher menschlich. Ich schüre einen Konflikt, an den ich ernsthaft selber doch gar nicht glauben kann. Ist der Westen gefährdet durch den Islam? Herre oder Wilders oder Broder können doch keinen Moment selber glauben, dass wir in 20 Jahren in einem Kalifat leben. Alle drei sind auf ihre Art Kriegsgewinnler eines Krieges, der hier nicht so recht an Fahrt gewinnen will und bis jetzt fast ausschließlich muslimische Opfer gekostet hat.
Ohne Sorgen lebt es sich stressfreier. Dass die Welt da draußen mitunter garstig, ekelig, gewalttätig ist, jeden Tag Blut fließt, Menschen gefoltert und getötet werden, muss man ja nicht so an sich heranlassen. Im Iran hängen die auch nur so viele auf und steinigen, weil das mit Politik zu tun hat. Und mit den westlichen Diktatoren. Und diese Frauenrechte-Geschichten, die die Rechten da für ihre Zwecke verwenden, will alles nicht so an Fahrt gewinnen. Auch die Tatsache, dass in den meisten arabischen Ländern durchaus Religion auf Politik und Recht Einfluss nimmt, kann man ja einfach ausblenden.
Wer da als fast ausschließlich muslimische Opfer halluziniert wird, weiß auch keiner. Wilders hat ja Terroranschläge in seinem Film verarbeitet, die nicht fast ausschließlich muslimische Opfer forderten. Aber hätte Bin Laden eine Emailadresse, Frédéric hätte ihm schon die Telefonnummer eines guten Therapeuten gegeben.
Tja, ich weiß nicht, ob ich den Partypeople Malte und Frédéric, die von der gemeinen Welt und der mitunter perfiden politisch-ideologischen Wirkung von Religion nichts wissen wollen, ein böses Erwachen aus ihrem Traum wünschen soll. Oder ob ich sie nicht um diese positivistische Ignoranz und dieses soziale Sendungsbewusstsein beneiden sollte, mit dem sie einen Großteil der Welt einfach ausblenden und nur als Abklatsch ihrer eigenen Denke wahrnehmen können. Alles unter Kontrolle, Geert, kannst aufhören Stress zu machen.
20 Antworten bis hierher ↓
Frédéric // 5. April 2008 um 17:11
So richtig hab ich mich noch nicht daran gewöhnen können, auf Grund von Texten ständig in irgendwelchen Schubladen zu landen. Aber über “Partypeople” hab ich sehr gelacht: danke dafür.
Zu den Argumenten: Mir wird nicht klar, was Dir sauer aufstösst. Beispielsweise
steht nirgends.
auch nicht, im Gegenteil.
Das einzige, was ich tatsächlich verstanden habe, ist, dass Du Dich im Gegensatz zu mir für den Menschen Bin Laden zu interessieren scheinst, und dass es eine Tatsache ist, …
Genau deswegen gibt es ja im Koran keine unterschiedlichen Schulen, weil der Islam ja selbsterklärend ist: das wäre die Konsequenz. Ist aber nicht so, sorry.
Ich weigere mich in der Tat, den Koran so zu lesen, wie ihn Religionsgelehrte lesen, ich bin schließlich keiner. Bücher bestehen aus Zeichen, Zeichen sind deutbar. Das ist in der Bibel, im Koran oder im Telefonbuch immer das gleiche.
NUB // 5. April 2008 um 17:51
Frédéric:
Der Islam kann nie ein Problem sein.
steht nirgends.
Stimmt, habe ich so geschlussfolgert, weil sich Euer Text so anhörte. Die entsprechenden Stellen habe ich ja zitiert. Nach meinem Dafürhalten ist es richtig, Muslimen, die sich von Radikalen distanzieren, nicht aufgrund ihres Moslemseins dennoch Identität mit den Radikalen vorzuhalten.
Was die Radikalen warum tun — und was Wilders dokumentiert hat — ist aber deren Entscheidung, nicht Deine. Und hätten sie das nicht getan und sich nicht auf Religion berufen, die Islamgegner hätten kein Material. Wenn also jemand meint, wegen des Koran und für seinen Gott und Propheten Köpfe abschneiden zu müssen, dann hast Du nicht zu sagen: Nö, der macht das wegen x,y,z… Das ist der Punkt. Und da habe ich Dich und Euch auch nur stellvertretend für viele andere zitiert, die ähnlich an sowas herangehen. Zudem fand ich dieses Gerede um Bibel und Koran halt, pardon, schnöselhaft.
Aber über “Partypeople” hab ich sehr gelacht: danke dafür.
Bitte, gern.
Genau deswegen gibt es ja im Koran keine unterschiedlichen Schulen, weil der Islam ja selbsterklärend ist: das wäre die Konsequenz. Ist aber nicht so, sorry.
Ja, und welche Ansichten vertreten die etablierten Schulen des Islam zur Glaubensfreiheit, auch den Glauben abzulegen, von Moslem->Christ zu wechseln, nicht nur umgekehrt z.B.? Zur Infragestellung oder Quellenkritik beim Koran, so wie sie bei der Bibel praktiziert wird? Zwar sind diese Schulen nicht gleichzusetzen mit Terror, Ehrenmorden u.s.w., aber es herrscht ein sehr konservatives Milieu vor, das die Grundannahmen, beispielsweise auch, dass Polytheisten und Atheisten eher kein Respekt entgegen zu bringen ist, bereits vorbereiten, auf diesen aufbauend(!) können sich dann auch noch härtere und gewalttätige “Sekten” etablieren… Mit der Möglichkeit der Körperstrafen, der Todesstrafe bei Ehebruch (Steinigung), größerer Wertschätzung dem Mann gegenüber wird ein Wertesystem an die Hand gegeben, auf dem aufbauend schlecht eine in Ansätzen liberale und zwischen den Geschlechtern gleichberechtigte Ordnung aufgebaut werden kann; auch der Umgang mit Homosexuellen wächst auf diesem “Humus”. Und das läuft da in islamischen Gesellschaften im Regelfall nicht wie beim Papst und dem Verbot der Verhütungsmittel: Alle Schäfchen akzeptieren, machen aber das Gegenteil. Ich sage das KANN Terrorismus, Gewalttätigkeit, Extremismus hervorbringen, muss nicht immer.
Ich denke einfach, ohne wie gesagt gleich überall Terroristen und andere Mörder zu sehen, dass gläubige Muslime ihren Glauben sehr ernst nehmen, viel ernster als die meisten Christen, vor allem ernster als die Taufscheinchristen. Und die Trennung zwischen Politik und Religion, die Ihr da anführt, existiert für viele Muslime jedenfalls nicht in der Form.
Das ist kein Konzept aus deren Gesellschaften; die Muslime pilgern auch nicht nach Berlin, sondern nach Mekka. Und in Saudi Arabien u.a. Ländern spielt durchaus die Scharia eine wichtige Rolle. Da sind einfach ganz deutlich, unübersehbar massive Unterschiede in Gebrauch und Konzeption von dem, was Religion genannt wird. Auch Muslime, die ich kenne, die keine Radikalen sind, sagten mir: Der Islam ist eine Lebensweise.
Bücher bestehen aus Zeichen, Zeichen sind deutbar. Das ist in der Bibel, im Koran oder im Telefonbuch immer das gleiche.
Da bin ich ja aufgeschlossen, wie man das Telefonbuch anders interpretieren kann, dass der Islam ganz überwiegend recht konservativ-reaktionär interpretiert wird, widerlege mir das erst mal.
luclog // 6. April 2008 um 11:25
Interessanterweise wird dieses PC-Gefasel selbst in den Spreeblick-Kommentaren nicht mehr so einfach hingenommen. Naja, es gibt aber scheinbar immer noch genug Ewig-Gestrige die sowas noch goutieren.
NUB // 6. April 2008 um 12:50
Der Drang vieler Leute, ein gutes Gefühl zu haben, zu wissen, dass alles im Großen und Ganzen in Ordnung ist und man auch keine Feinde hat, die einen hassen, ist bisweilen größer als das Bedürfnis, die Geschehnisse wirklich zu verstehen.
Daran hat sich noch nichts geändert, obwohl die Medien seit Jahren voll sind von Meldungen, die die “heile Welt” erschüttern. Insofern ist es auch nur konsequent, Bush und die Medien als Schuldige auszumachen. Und die Rechtspopulisten. Dass da im Kern aber kein wünschenswertes Konzept für ein vernünftiges Zusammenleben der Religionen, sondern schlicht der Wunsch in Ruhe gelassen zu werden dahinter steht, sind natürlich die wenigsten bereit einzusehen oder können es gar nicht bei sich erkennen. Dieses Denken ist wie auf der Titanic fahren und behaupten “Es gibt keine Eisberge, das sind Mythen.”
luclog // 6. April 2008 um 14:49
Schickes Beispiel. Noch besser und wirkungsvoller ist aber der Term Verschwörungstheorie. Eigentlich ist es ja gut und vernünftig Verschwörungstheorien als Hort des Wahnsinns zu kennzeichnen. Aber heutzutage ist das zum rethorischem Mittel verkommen. Mittlerweile wird so alles was nicht der momentan den Hauptströmung, dem immer dummen “Commonsense” entspricht, meist mit diesem Begriff abgekanzelt. Man sagt also, noch besser: “Es gibt keine Eisberge, diese Angst ist nur unter Verschwörungstheoretikern verbreitet”. Und wer will schon als ängstlich oder als Irrer – also Verschwörungstheoretiker gelten?
luclog // 6. April 2008 um 15:36
Und nochmal zurück zum Anfang:
Frederic erscheint mir aber auch ansonsten nicht sonderlich pfiffig. Er fängt ja damit an, daß er sich wundert in Schubladen gesteckt wird. Und das ist nun wirklich das was immer passiert und was alle einschließlich er selbst machen. Was er eigentlich ablehnt ist von anderen Bewertet zu werden. Er möchte sich nicht daran gewöhnen, das andere ihn irgendwie bewerten, obwohl er selber gerne bewertet und dafür einige unappetitliche Schubladen immer parat hat.
Dann fängt er mit der internettypischen Zerlegung von Fremdtexten in Einzelbestandteile an. Daran erkennt man immer sofort eine mangelhafte und eigentlich nicht gewollte Auseinandersetzung mit irgendwelchen Argumenten.
Dann folgt noch ein Hinweis das er sich weigert sich so mit der Realität auseinanderzusetzen wie sie sich darstellt. Der Koran ist für ihn irgendetwas was er sich weigert als Text oder überhaupt als Realität wahrzunehmen. Alles ist deutbar. Ich stimme ihm da in gewisser Weise sogar zu, nur sind die Dinge nicht deutbar von Menschen deren Kernpunkt der Realitätswahrnehmung in idealistischer Ignoranz der Realität begründet ist. Mit solchen Leuten kann man sich über gar nichts unterhalten, da ist alles interpretierbar und dialektisch verklärt, eine Realität existiert erst weit hinter der ideologischen Zielausrichtung. Und selbst bei der Ideologie wird man, falls man nachhakt, auf nichts als ein nachgeplappertes Weltbild stoßen das sich letztlich genauso selbstbefriedigend ist, wie der Anfang des Textes schon aufzeigt: Seine Rede ist etwas besonderes und man kann sie nicht in Schubladen stecken. Ich wundere mich dann immer warum ich gerade die Leute die so daherkommen als besonders unoriginell und angepasst empfinde.
Am schlimmsten finde ich aber, daß er in seinem Ursprungstext aus einer humanistisch Lehrerinnengerechten Mittelstufensicht Gerd Wilders kritisiert ohne auch nur einen Hauch von Ahnung von der Materie zu haben. Es ist wirklich schockierend, daß immer noch Leute herumlaufen die glauben was im Koran steht sei nicht so gemeint und hätte auch keinen Zusammenhang mit den Taten derer die sich darauf berufen. Die sowas auch noch hinschreiben. Schaurig.
Frédéric // 6. April 2008 um 15:42
Warum denn nicht? Der Koran ist doch viel zuwidersprüchlich und literarisch, um daraus eindeutige Handlungsanleitungen zu ziehen. Deswegen taugt er ganz gut zur Begründung (für ziemlich viel), aber nicht als Grund oder gar als Ursache.
Redest Du jetzt über den Glauben oder über Gesellschaften? Über Gesellschaften, finde ich. Darüber muss man reden, ganz klar. Aber das kann man auch ohne die Koran-Keule. Die “unübersehbar massiven Unterschiede im Gebrauch von Religion” sehe ich aber nicht. Religion taugt als Machtbasis, auch das. Daraus leitet sich nicht automatisch ein Verhalten der Mächtigen ab.
Die eigentliche Kapitulation ist ja: Anzufangen zu denken wie man glaubt, der andere denke. Ohne mich.
NUB // 6. April 2008 um 16:06
Frédéric
NUB: Wenn also jemand meint, wegen des Koran und für seinen Gott und Propheten Köpfe abschneiden zu müssen, dann hast Du nicht zu sagen: Nö, der macht das wegen x,y,z…
Warum denn nicht? Der Koran ist doch viel zuwidersprüchlich und literarisch, um daraus eindeutige Handlungsanleitungen zu ziehen.
Das kann doch ein islamischer Extremist anders sehen als Du. Und ein streng gläubiger Moslem kann doch den Koran ohne Dich zu fragen sehr wörtlich nehmen. Das ist ja der Kern dessen, was mich an Eurem Beitrag stört. Du projizierst Deine hermeneutischen und kognitiven sowie auch kulturellen Prämissen auf Leute, die tatsächlich völlig anders ticken.
Und bei jedem strengen Katholiken würde Dir das sofort auffallen und Du würdest akzeptieren, dass der anders denkt als Du, ganz selbstverständlich. Aber sobald es um den Islam geht, wird entweder auf Leugnung und Ignoranz geschaltet oder auf Hysterie-Modus, etwas anderes geht anscheinend nicht. Du bist Vertreter der Fraktion, die den Islam verschwommen, lyrisch, unklar, unbekannt, fremd belassen will, gar nicht darauf aus ist, Verbindliches und Klares zu erkennen, eine Struktur. Halt wie die Christen, bloß ein grünes Buch. Ich bin kein PI-Fan, aber ein PC-Fan eben auch nicht.
Und wollte ich 120%ig politisch korrekt sein, ich würde das alles so schreiben wie Du in Eurem Beitrag!
Redest Du jetzt über den Glauben oder über Gesellschaften? Über Gesellschaften, finde ich.
Die islamischen Gesellschaften sind stärker durch Religion beeinflusst, in allen Lebensbereichen, auch im Recht als die der nichtislamischen Länder. Zwar unterschiedlich stark, in Tunesien und Marokko weniger als in Saudi Arabien, der Iran ist nochmal ein Spezialfall, die Türkei auch u.s.w. Aber überall wo gläubige Muslime die Mehrheit bilden, geht von den Religionsgelehrten ein großer Einfluss aus. Und die sind es ja, die die Interpretationen für die Gesellschaften übernehmen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Madhhab
Nochmal: So einen immensen Einfluss auf alle Lebensbereiche gibt es heutzutage nicht (mehr) im Christentum/der Kirche.
Fakt ist:
- Ein Homosexueller/eine Lesbe muss in allen mehrheitlich islamischen Ländern entweder um sein/ihr Leben fürchten oder wird zumindest massivst angefeindet, unterdrückt, verfolgt
- Öffentlich zu bekennen, vom muslimischen Glauben Abstand zu nehmen, wird in den meisten mehrheitlich islamischen Ländern als Verbrechen betrachtet und wenn nicht staatlich, dann doch privat verfolgt, weil Religion NICHT Privatsache ist, sondern eine Frage von Anständig vs. Unanständig, Treue vs. Verrat
- Gotteslästerung, Kritik am Islam, am Propheten (wie man bei den Karikaturenstreitigkeiten sehen konnte) wird nicht toleriert. Kritik am Christentum oder beleidigende Karikaturen würden heutzutage nicht dutzende Tote nach sich ziehen. Klar wird da Politik mit Religion vermengt, aber das ist ja gerade schon so von den Geistlichen vorgegeben und wird als vorbildlich vorgelebt.
Warum gibt es kein einziges mehrheitlich islamisches Land auf der Welt, wo das ganz anders ist, liberaler, so ähnlich wie bei uns? Es muss nicht genauso sein wie bei uns. Das verlangt niemand. Aber Toleranz in den genannten Punkten gibt es nirgendwo auf der Welt von gläubigen Muslimen, also haben die doch ganz überwiegend einen Konsens, was geht und was nicht geht. Darum reden sie ja auch immer von Umma.
Du denkst Dir Politik und Religion fälschlicherweise als getrennt, obwohl das in der Form in keinem islamischen Land wirklich passiert, oberflächlich, aber immer weniger, geschieht es in der Türkei. Was dort der Staat nicht an religiöser Disziplinierung leistet, wird aber privat übernommen.
Und so etwas ist nicht einfach das abweichende Verhalten irgendeines Verrückten. Das ist ein normales Verhalten, bei dem es darum geht, Ehre und Islam zu verteidigen. Das ist nicht gesellschaftlich geächtet, sondern akzeptiert! Das ist ein Unterschied. Und diese gesellschaftlichen Unterschiede sind nicht unabhängig von Religion zu denken, sondern mit Religion verwoben. Weil es überhaupt nicht denkbar ist, in diesen Gesellschaften ein Leben ganz abseits von und ohne der Religion zu etablieren. Nochmal: Es gibt da keinerlei Respekt gegenüber Atheismus wie bei uns. Du bist irgendwie nicht bereit das wahrzuhaben.
Da braucht man nicht anzufangen zu denken wie andere denken. Es ist offensichtlich, dass ein anderes Denken vorherrscht.
NUB // 6. April 2008 um 16:54
@luclog
Das eigentliche Problem ist da vor allem das Bestreben, auf Biegen und Brechen zu der Erkenntnis zu kommen: Den Islam gibt es nicht. Oh, es stimmt ja sogar, es gibt da unterschiedliche Richtungen, unterschiedliche Schulen, unterschiedliche Strömungen, verschiedene Gruppen, nicht alle gleich stark islamistisch etc. Aber eben nicht unendlich viele, nicht so verschwommen, lyrisch, unbegreiflich, wie es manch einer gern hätte. Mit einigen Hauptströmungen und wie in jeder anderen Religion mit den Dogmen der Geistlichen hat man das was in der Welt unter Islam läuft eben doch erfasst und die ganz überwiegende Zahl der Gläubigen und wovon sie ausgehen. Aber genau das will die Fraktion, zu der ich auch die beiden zähle, um jeden Preis verhindern.
Sie sind nicht interessiert an Erkenntnis, an Klarheit, an Verstehen, sondern daran, alles im Nebel zu belassen. Weswegen sie sich mit der eigentlichen Materie auch gar nicht befassen wollen. Und diese Geisteshaltung, die ich für von Grund auf verwerflich halte, für unehrlich, ja für Selbstbetrug, habe ich anhand des verlinkten Beispiels veranschaulicht.
Was mich allerdings auch nicht nötigt, Wilders Politik toll zu finden oder irgendwelche Kampagnen oder Provokationen politisch zu unterstützen, um den Moslem zum Austicken zu bringen. Mir geht es um Verstehen, Kritik, auch darum, die Verleugnung der Wirklichkeit zu bekämpfen, nicht um eine politische Agenda der Islambekämpfung. Bisweilen würde etwas angewandte Scharia den einen oder anderen Ignoranten vielleicht doch überzeugen, dass diese Religion recht verbindlich sein kann.
Nichts läge mir ferner als Malte und Frédéric vor irgendeiner Islamisierung zu bewahren.
Frédéric // 8. April 2008 um 8:11
Ich arbeite ungern mit persönlichen Unterstellungen, da sind wir wohl auch methodisch verschieden. Deswegen kann das schon sein, dass ein Extremist das anders sieht als ich, aber erstens werde ich den Teufel tun und mir seine Sicht aneignen, und zweitens interessiert er mich nicht persönlich, der Extremist, sondern als Phänomen. Fakt ist, dass der pseudoreligiöse, politisch motivierte Fundamentalismus erst seit Ende der 70er wieder auflebt, als alles schon dachte, der Islam wäre auf dem Weg der Säkularisierung. Interessanterweise beschränkte sich der Fundamentalismus als Phänomen bei weitem nicht nur auf den Islam, auch in Israel treten zum ersten Mal religiöse Gruppen ins politische Leben ein, in den USA wird mit Reagan ein Präsident gewählt, der wie keiner zuvor um die Stimmen bibeltreuer Christen geworben hat, die Freikirchenbewegung kommt ins Rollen und in der katholischen Kirche setzt mit der Wahl Wojtilas die Rückbesinnung auf alte Werte ein. Und, na klar, die islamische Revolution in Teheran, das wohl wichtigste Datum in dem Zusammenhang.
Ich will die Entwicklungsstränge gar nicht aufzählen, auch nicht nach Indien verweisen, wo sich ein fundamentaler Hinduismus entabliert hat, und auch nicht über den unglaublichen Erfolg der Freikirchenbewegung in Afrika und Südamerika sprechen: Es ist aber für meine Begriffe ziemlich klar, dass antimoderne, also fundamentalistische Bewegungen nicht spezifisch islamisch sind. Deswegen kann ich Deinen Schlüssen in keiner Hinsicht folgen.
NUB // 8. April 2008 um 12:00
Das ist ja das Ulkige bei Euch. Ihr äußert Euch zu einem Film, der sich mit dem Islam und seiner politischen Wirkung, v.a. der terroristischen Art befasst, ohne auf den Gegenstand des Films überhaupt eingehen zu wollen. Es ist mit “Interessanterweise beschränkte sich der Fundamentalismus als Phänomen bei weitem nicht nur auf den Islam” getan. Also doch alles irgendwie eine Soße.
Es ist aber für meine Begriffe ziemlich klar, dass antimoderne, also fundamentalistische Bewegungen nicht spezifisch islamisch sind.
‘Fitna’ befasst sich aber mit dem Islam und Ihr habt ‘Fitna’ sogar im Titel Eures Blogbeitrages stehen. Und nicht: Hinduismus und Christentum. Bei dem Ihr sicherlich inhaltlich genauso punkten würdet. Nämlich gar nicht.
Das ist doch wie zum Optiker zu gehen und eine Brille zu wollen, die aber bitte Gläser hat, mit denen man unscharf sieht. Oder wie einen Film über Tulpen zu drehen, in dem aber bitte nur Rosen vorkommen. Die Vermeidung des Sachgegenstandes, getarnt als Objektivität ist ja gerade mein Kritikpunkt an Euren Äußerungen.
Deswegen kann das schon sein, dass ein Extremist das anders sieht als ich, aber erstens werde ich den Teufel tun und mir seine Sicht aneignen, und zweitens interessiert er mich nicht persönlich, der Extremist, sondern als Phänomen.
Indem man etwas beschreibt wie es ist, eignet man es sich an? Was ist das denn für ein Quatsch?! Der Extremist macht das Phänomen des Extremismus, ohne Extremist kein Extremismus. Er ist der Akteur, nicht die Umstände sind Akteur. Selbstverständlich muss man verstehen, was der Extremist denkt und woran er glaubt, um seine Motive zu verstehen.
Wie würdest Du Dich dann mit Äußerungen des Papstes befassen? Auch so, dass die erst mal durch die Brille Deiner Wahrnehmung geschleust werden und was dann noch übrig bleibt, fast nichts, darf zugelassen werden? Da haben wir methodisch tatsächlich größte Differenzen.
Frédéric // 8. April 2008 um 13:06
Soll ich jetzt wirklich den Unterschied zwischen Aufhänger und Inhalt… oder zwischen medialer Psychologisierung und… ach nee, lieber nicht.
NUB // 8. April 2008 um 13:11
doch, lieber doch. Um den Kern der Sache einen 10 km-Bogen zu machen, ist nicht hilfreich. Es versteht auch niemand, was Du dann eigentlich aussagen willst. Im Zweifelsfall sagst Du gar nichts aus.
luclog // 9. April 2008 um 19:58
Wann war das nochmal als alle dachten der Islam wäre auf dem Weg der Säkularisierung? In Israel treten erstmals religiöse Gruppen ins politische Leben ein? Ich werde das Gefühl einfach nicht los, daß es hier einfach einwenig an der Grundlage fehlt, die eigentlich dafür benötigt würde um Kommentare zum Zeitgeschehen abzugeben.
luclog // 9. April 2008 um 20:09
@ NUB
Ich lese gerade: “Die Vermeidung des Sachgegenstandes, getarnt als Objektivität” Da ist Dir wirklich ein herausragend gute Formulierung gelungen. Wärst Du bekannter, würde das sicher in den allgemeinen Zitatenschatz eingehen. Oder ist das gar geklaut?
NUB // 9. April 2008 um 20:25
@luclog
Danke, wenn es geklaut ist, dann unbewusst, Zitate kennzeichne ich üblicherweise. Ich fürchte nur, Bekanntheit hin oder her, Frédéric weiß immer noch nicht, was ich ihm vorhalte. Oder er will nicht. Ich vermute ja bei der Vermeidung im Grunde eine Vermeidungsstrategie, aber ich will es nicht unterstellen, weil unterstellen ja gemein wäre. Es sei denn, es geht um Unterstellungen gegenüber Islamkritikern…
NUB // 9. April 2008 um 20:52
@Frédéric (und Malte):
Gefährliches Video, könnte Euer zurechtgezimmertes Weltbild ankratzen… Obwohl Blinde sehend machen kann es dann doch nicht.
Zumal: Ist ja nur Proll-TV, alles Mythos. Hat auch mit dem Islam nix zu tun, Christen, Hindus, Buddhisten, Proll-TV… alles relativ…
Frédéric // 14. April 2008 um 8:22
Ach, Kinners. Da war ja jetzt alles dabei: Diffamierung des Gesprächspartners (ihr dürft meinethalben auch Gegner sagen), Vorwegnahme der Zukunft, um eine bedrohte Gegenwart zu zeichnen, Kompetenzrumgeschiebe, und so weiter. Wie man eben miteinander spricht.
Das Problem ist: Uns interessieren nicht die gleichen Fragen. Deswegen gehen Deine passenden Antworten bei mir ins Leere, deswegen gehen meine Antworten hier ins Leere. Ich habe Wilders Film in erster Linbie als Inszenierung wahrgenommen, und zwar als Inszenierung einer Inszenierung. Was macht Wilders da? Er verarbeitet Bilder, die auf allen Kanälen gesendet worden sind. Diese Inszenierung könnt ihr hier gerne weiterführen und fortspinnen, ist auch Kunst. Aber nicht mehr.
Mich interessiert der Islam nicht: euch wohl. Das ist wohl der herausragende Unterschied. Mich interessieren die Differenzen, die ich in der medialen Berichterstattung (die hier ja nahtlos ihre Fortsetzung findet) und den Erfahrungen, die ich persönlich mit dem Islam gemacht habe. Ihr mögt an das Dokumentarische in Wilders Film appelieren, da kommen wir nicht zusammen: mich interessiert einzig und allein die Erzählstrategie.
In dem Sinne haben wir uns missverstanden: Du unseren Artikel, ich den Deinen. Das kannst Du als Aufhänger für Kritik nehmen, meinethalben auch für Beleidigungen aller Art; das macht den Ansatz nicht überflüssig. Im Gegenteil. Ich sags gern nochmal: die ganze Diskussion gehört entschleunigt.
NUB // 14. April 2008 um 12:52
Frédéric
na, die Gefahr beim Entschleunigen zu belanglosem Milchbubigerede überzugehen, ist doch recht groß.
Ich weiß aber auch nicht, was es da groß misszuverstehen gibt. Und mit Diffamieren hat es auch nichts zu tun, mit methodischen Unterschieden sehr wohl.
Mich interessiert der Islam nicht: euch wohl.
Das ist wohl der herausragende Unterschied. Mich interessieren die Differenzen, die ich in der medialen Berichterstattung (die hier ja nahtlos ihre Fortsetzung findet) und den Erfahrungen, die ich persönlich mit dem Islam gemacht habe.
Irgendwie widerspricht sich da einer. Dich interessiert der Islam nicht, aber Du hast Erfahrungen mit ihm gemacht? Oder meinst Du Erfahrungen mit Muslimen? Die habe ich auch gemacht. Auch positive. Wir reden aber über Politik, wenn wir über Wilders reden, nicht über unser Leben.
Ihr mögt an das Dokumentarische in Wilders Film appelieren, da kommen wir nicht zusammen: mich interessiert einzig und allein die Erzählstrategie.
Na gut, wenn Du es darauf reduzieren willst, bitte. Ich finde halt bloß, dass das alles, was Dich nicht interessiert, den Teil, der Dich interessiert, weit überwiegt.
Frédéric // 14. April 2008 um 15:16
Dass Du nicht weißt, was es da misszuverstehen gibt, ist mir auch aufgefallen. Klar haben wir belangloser, lockerer, mit nur drei vier Thesen über ein Thema geschrieben: wie das sonst halt keiner macht, wenn es um den Islam geht. Da schreiben die Medien eher wie Du da oben. Das gibts schon zu oft, das interessiert mich nicht.
Mich interessiert der Islam tatsächlich nicht: seine Inszenierung hierzulande allerdings, die interessiert mich sehr. Seine Verwendung, seine Instrumentalisierung. Deine Konjunktiv-Sätze da oben, sowas: “Was würde Fred wohl zu Bin Laden sagen?”. Und die Tatsachen, die Du setzt. Das finde ich spannend, deswegen diskutier ich hier ja noch, obwohl neben mir die Arbeit schreit.