
Klaus Zumwinkel ist für die SPD der Prototyp des raffgierigen Managers. Die Partei nimmt die Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung zum Anlass, die Debatte um überzogene Managergehälter neu anzuheizen. “Offensichtlich ist in den letzten Jahren von selbst ernannten Teilen der Wirtschaftselite eine Praxis eingerissen, die man nur unanständig nennen kann”, sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zum Fall des zurückgetretenen Post-Chefs Klaus Zumwinkel. Heil vermutet, dass Zumwinkel nur die “Spitze des Eisberges” ist. Gegen den Post-Chef wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Quelle
Was ist das für eine Rechtsauffassung, die durchschimmert, wenn Menschen an den Pranger gestellt werden, bevor überhaupt ihre Schuld belegt ist? Wenn der Vorwurf schon ausreicht, jemanden fertig zu machen?
Herr Zumwinkel ist wohl praktisch für ein Exempel, das man statuieren wollte, um das Problem der Kapitalverschiebung ins Ausland einzudämmen, wurde doch im Radio gleich die Empfehlung mitgeschickt, seine Steuervergehen möglichst bald selber anzuzeigen. Und die Politiker brauchen jemanden, auf den sie mit dem Finger zeigen können, damit nicht auf sie gezeigt wird. Herr Zumwinkel ist ein praktischer Sündenbock für viel komplexere gesellschaftliche Probleme.
Probleme, die dann und wann kurz auf den raffgierigen Manager an sich fokussiert werden, sei es ein Ackermann, der Esser oder die VW-Führung, um danach wieder zufrieden, weil moralisch befriedigt zur gesellschaftlichen Tagesordnung überzugehen.
Die Öffentlichkeit hat ohnehin längst alle Manager schuldig gesprochen. Was braucht es da eigentlich noch vorschnelle Scheiterhäufchen und mediale Hinrichtungen, geht es nicht in Wirklichkeit um populistische Ausschlachtung für parteitaktische Zwecke und das Ablenken von anderen Dingen?
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil meint, dass Zumwinkel nur die “Spitze des Eisberges” sei. Und selbstverständlich stehen die Leute, die andere auf Eisbergen sehen, nie selber auf einem. Was ist das außerdem für eine politische Debattenkultur, wenn es nur noch darum gehen soll, täglich irgendeine Sau durchs parteipolitische Dorf zu treiben?
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erinnerte die Manager an ihre Vorbildfunktion. Steuerhinterziehung sei kein Kavaliersdelikt, “nein, das ist strafrechtlich relevant.”
Ist es. Und falls jemand auf die Idee kommt, die Steuerhinterziehung wird hier nicht verteidigt, die Unschuldsvermutung steht auf dem Prüfstand und scheint hübsche Theorie zu sein. Denn eins ist auch klar und einleuchtend. Wenn man “Größere” wie den Zumwinkel kreuzigen kann, bevor die Schuld eindeutig geklärt ist, dann geht das mit jedermann. Entsprechende Kampagnen und Pressekodex-Verstöße werden ja häufiger mal der Bild-Zeitung vorgeworfen, aber nicht nur ihr.
Wer von Medien und Politikern angeprangert wird, ist mehr als erledigt, der kann sich im Prinzip ein anderes Land suchen. Und so eine vorverurteilende Art und Weise ist schon bei den Medien fragwürdigst, für einen Rechtsstaat und sein Personal aber in jedem Fall unangemessen.
10 Antworten bis hierher ↓
luclog // 16. Februar 2008 um 3:16
Wenn sich Ermittler auch nur in die Nähe einer solchen Person trauen, ist das dreifach abgesichert.
NUB // 16. Februar 2008 um 8:49
Es soll eine CD-ROM mit Beweismaterial geben, die darauf befindlichen belastenden Informationen sind evtl. von einem BND-Mann an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden.
Der Ablauf ist trotzdem wie beschrieben.
luclog // 16. Februar 2008 um 13:03
Ja, aber die Vorverurteilung durch die Öffentlichkeit ist berechtigt. Eine wirklich Bestrafung für den Schaden den er angerichtet hat wird es nicht geben. Und der Mann hat durch sein Verhalten, mal eben, die gesamte Politik und Wirtschaft beschädigt. Die Linkspartei kann sich freuen.
NUB // 16. Februar 2008 um 13:18
Wenn ein Einzelner durch sein Verhalten die gesamte Wirtschaft schädigen kann, und bei der reden wir u.a. über tausende mittelständischer Unternehmen, dann ist doch noch etwas anderes faul als das, was dem Herrn Zumwinkel anzulasten ist.
Außerdem musst Du Dir um die Politiker keine Sorgen machen, die verlassen das sinkende Schiff schneller als jede Ratte.
luclog // 17. Februar 2008 um 15:48
Hier eine Meinung im Managermagazin, die es ganz ähnlich sieht wie ich. Der Schaden ist einfach nicht kleinzureden. Und besonders schlimm empfinde ich jetzt die dämlichen Kommentare in den Libertären Blogs, die am liebsten die Steuerfahnder belangen würden. Natürlich würde es helfen immer alle Überbringer von Botschaften zu köpfen, aber leider immer auch nur temporär. Die Fahnder anzugreifen die etwas aufdecken, ist einfach nur erbärmlich.
Und da kommt jetzt noch was hinterher, das ist nur der erste Fall. Das hat Auswirkungen auf den gesamten Standort bis hin zur DAX Entwicklung, gerade in einem Moment wo die Börse sowieso wegen ihrer faulen Geschäfte unsicher dasteht. Das ist kein Spass. Solche Sachen gefährden die gesamte Gesellschaft in einem Maß, daß dagegen jede Firmenauflösung ein witziger Vorfall ist.
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,535556,00.html
NUB // 17. Februar 2008 um 18:36
Sehr originell: DDH:
gerade in einem Moment wo die Börse sowieso wegen ihrer faulen Geschäfte unsicher dasteht.
Wobei faule Geschäftspraktiken eines Unternehmens und private Steuerhinterziehung einer Führungsperson dann ja schon noch zweieierlei Schuhe sind. Aber eine Auswirkung auf die Börse hat so ein Vertrauensverlust natürlich auch.
NUB // 17. Februar 2008 um 19:45
Auch “ganz in Deinem Sinne” dürfte dieser Song sein, den die Freiheitsfabrik aus gegebenem Anlass wieder rauskramt:
Der Finanzbeamte
(Erzeugung eines Feindbildes hoch 3…)
NUB // 19. Februar 2008 um 11:26
In diesem Artikel hat Josef Joffe von der ZEIT noch eine Bilanz über Zumwinkels Wirken vor dem Steuerskandal gezogen.
Zählt man die verlorenen Jobs bei der PIN, multipliziert man sie mit dem Arbeitslosengeld für die Entlassenen und fügt schließlich die Schröpfung der Postkunden durch überhöhte Preise hinzu, bleibt unter dem Strich ein gesamtwirtschaftlicher Schaden übrig, gegen den Zumwinkels Steuerhinterziehung geradezu wie die berüchtigten Peanuts aussieht.
karinsmann // 8. Mai 2008 um 16:55
irgendwie habe ich den Eindruck, daß die Kommententare zu diesem post, nicht zu dem Sachverhalt passen, der hier vorgetragen wurde. Kann es sein, daß diese zu einem anderen post gehören sollten? Oder ist es eher so, daß ich den Inhalt des post nicht ganz verstanden habe?
NUB // 11. Mai 2008 um 7:51
Das ist in Blogs manchmal so. Da wird zwischen Metaebene und konkreten Fallbeispielen gewechselt.