Da ist man mal mit den Linken einer Meinung. Und prompt bekommt man eine Glückwunschmail von einem BLOG, wie man sich da auf Kosten anderer und mit Beteiligung an Diffamierung einschleime.
Ich weiß ja nicht, auf welchem Planeten dieser Elfenbeinturm steht, von dem aus die funken, aber auf diesem ist es immer noch NORMAL, dass jemand mit Einwänden kommt, biologische Erklärungsmuster für gesellschaftliche Unterschiede könnten in Rassismus ausarten und dazu verwendet werden, Menschen auszugrenzen. Genauso wie die Idee, andere seien glücklicher, wenn sie einen Bildungsweg, auf dem sie sowieso scheitern müssten, gar nicht erst probierten.
In seinem Blog ist man Hausherr. Was man dort alles einfach so durchwinkt, ist im übrigen auch juristisch gesehen wie selber geschrieben.
Andere Kollegen aus dem liberalen oder konservativen Spektrum würden sofort sagen, dass es auch normal wäre, sich mitunter “Nazi” anhören zu müssen. Und nicht erst, wenn man wiederholt, besonders “originelle” “wissenschaftliche” Arbeiten thematisiert.
Anstatt inhaltlich auf Vorbehalte einzugehen, sie zu entkräften oder zu bestätigen, wird das einfach als Quatsch abgeschmettert und man stellt sich noch als Opfer einer Diffamierungskampagne dar, weil da Linke, oh Wunder, gänzlich anderer Ansicht sind. Nein, wie schrecklich! Auf einmal! Ganz was Neues!
Zugegeben, diese Linken, bei denen ich mich da anscheinend einschleime, wenn es nach einem gewissen R. geht, sind schnell mit “Neue Rechte” und so zu Gange. Aber ändert das etwas daran, dass man — im übrigen wiederholt — missverständliche Aussagen und fragwürdige Thesen verbreitet oder dies unwidersprochen in seinem BLOG zulässt? Warum sollen andere nicht das Recht haben, das zu kritisieren?
Es ist eine Unverfrorenheit, dann noch das Opfer und die beleidigte Leberwurst zu spielen. Dass man von Linken auch mal heftige Kritik wegstecken muss, ist normalerweise kein Grund rumzujammern. Bisweilen selber hart austeilen, sich dann aber ganz dünnhäutig geben, das haben wir gern.
Man könnte zumindest ein klein wenig darauf eingehen, dass ja so eine sozialdarwinistische Position, verträte man sie wirklich, abscheulich wäre. Stattdessen wird anscheinend eine Prinzipienlosigkeit zur Grundlage einer liberalen Gesprächskultur und einer ergebnisoffenen Debatte erklärt, wonach erst mal anything goes zu gelten habe. Sich bloß nicht festnageln lassen. Pudding kann man ja schließlich auch nicht an die Wand nageln.
Es ist natürlich auch reiner Zufall, dass die antideutschen Verwandten dieser Linken, bei denen ich mich laut R. einschleimen will, schon öfter mal was in diesem BLOG “missverstanden” haben (Stichworte Filbinger, Antideutsche Kritik, Tonkin II, Silvio Meier, liberale Anti-Antifa u.s.w.). Und das sind nun wirklich keine Freunde der Linken von shifting reality über netbitch bis Dean… Sowas von überhaupt nicht. Aber seine Ahnungslosigkeit bzgl. der Antideutschen hatte der Herr R. hier ja auch schon mal zur Schau gestellt.
Würde ich ständig jemandem negativ auffallen (mal kann das jedem passieren), was irgendwelche Gendebatten oder anderes angeht, dann würde ich mich auch mal zumindest ein paar Sekunden fragen, ob das vielleicht etwas an mir liegt. Aber nein wie schrecklich, jemand hat mich “braun” genannt, oh je!
Wenn man harte und grundsätzliche Kritik nicht vertragen kann, dann sollte man vielleicht auch nicht so tun, als wolle man diskutieren. Diskutieren innerhalb des Spektrums, das man selber vorgibt, kann schließlich jeder, Ihr Knalltüten. Da kann man auch Selbstgespräche führen.
Stimmt, das ist nicht der Modus operandi von Herrenmenschen. So streiten Muttersöhnchen.
Um dieser fast schon Kritikresistenz (”alle diffamieren uns immer nur”) noch ein “liberales” Sahnehäubchen zu verpassen, wird von anderen liberalen Bloggern dazu Stillhalten erwartet! Sonst bekommt man Post und fliegt von der Blogroll. Sehr liberal.
Da reicht es schon, sich ein einziges Mal auf die Seite der gemeinen Linken zu stellen, weil man deren Einwände zumindest nachvollziehbar findet, auch was Che2001, mit dem man sich auf BLOG im übrigen gegenseitig verlinkt, schon mal an Hoppe zu kritisieren hatte und an anderen, häufig libertären Diskussionsgrundlagen der BLOGs.
Bin ich jetzt also aus der “liberalen” BLOG-Gemeinschaft verstoßen… Schlimm, schlimm… Das ist doch wirklich lächerlichster Kindergarten!
Im Elfenbeinturm ist offenbar eine Krabbelgruppe am Werk… Der kleine R. will aus dem Kinderland abgeholt werden.
120 Antworten bis hierher ↓
Rayson // 6. Februar 2008 um 1:41
Deinen Begriff von Fairness hast du ja jetzt dokumentiert, indem du eine private Mail öffentlich machst. Wie richtig die Erkenntnis ist, dass du dich an einer Kampagne beteiligst, wird durch diesen Beitrag wenigstens eindeutig erkennbar. Sogar der antideutsche Schmutz wird wieder ausgegraben. Du wirst deine Gründe dafür haben.
Witzig aber, dass ausgerechnet derjenige, der anderen eine zu dünne Haut vorwirft, sich furchtbar darüber aufregt, wenn er eine E-Mail bekommt und in der Blogroll eines Blogs nicht mehr gelistet ist, über den er so furchtbar nette Lügen (z.B. den “der” Gendebatten, von denen in Wirklichkeit unsererseits nicht eine einzige geführt wurde) verbreitet.
Halb schwanger ist nicht.
luclog // 6. Februar 2008 um 1:46
Ich glaube hier ist was bei der Verlinkung schiefgelaufen.
NUB // 6. Februar 2008 um 1:51
@Rayson
Diskutiere es mit Momorulez weiter, ob bei Euch Gendebatten stattfinden. Der meinte sich mal gegen die bei Euch artikulierte Möglichkeit eines EDIT schwul machenden Virus im Mutterleib /EDIT (Schwulengen war nicht ganz richtig) wehren zu müssen. Und anderes mehr.
“der antideutsche Schmutz” zeigt doch schon, dass Du überhaupt nicht bereit bist, Dich mit Kritik zu befassen, die auf anderen Ansichten basiert. Nur solange das halbwegs in Deinem Koordinatensystem liegt, ist es für Dich ernstzunehmen. Dass Du davon keine Ahnung hast, ist jedenfalls klar.
Von Aufregen kann auch überhaupt keine Rede sein. Du hast mir schließlich eine böse Mail geschickt, nicht umgekehrt. Und veröffentlicht habe ich Deine Mail auch nicht, sondern nur sinngemäß etwas aus ihr wiedergegeben. Damit musstest Du rechnen. Oder soll ich so klammheimlich auch Deinen Link löschen und wiederum die Klappe halten?
Was will außerdem jemand über Fairness reden, der meint, seinen Ärger an jemandem auslassen zu müssen, der sich dafür gerade so anbietet, weil er “Verrat” geübt hat und mal den Linken zustimmt, mit denen Du dann ja munter weiter debattieren kannst, auch wenn sie Dir vorwerfen, braune Ideen zu verbreiten.
luclog // 6. Februar 2008 um 2:16
@ Rayson: Ich kann Dich beruhigen. Kein Aussenstehender versteht hier auch nur einen Zusammenhang. Geschweige denn, daß er auch nur erahnen kann wo hier Deine Private Mail stecken soll.
Rayson // 6. Februar 2008 um 2:27
@NUB
Wenn du die Behauptung mit den Gendebatten nicht durch eigene Erkenntnis stützen kannst, warum übernimmst du sie dann?
“Bei uns” in den Kommentaren wird übrigens sehr viel artikuliert (ein “Schwulengen” war bislang allerdings nicht darunter), aber so lange Rede und Gegenrede da in einem Gleichgewicht stehen, ist es unser Selbstverständnis, nicht zensierend einzugreifen (illegale Positionen und Beleidigungen mal außen vor).
Ich weiß nicht, was für dich Kritik ist. Ich jedenfalls verstehe unter Kritik nicht, dass man mich irgendwelchen zweifelhaften Gruppen zuordnet, sondern dass man mir sagt, aus welchen Gründen die von mir geäußerte Position unzutreffend ist.
Und auch nicht, dass man mir Aussagen unterstellt, für die man keine Quelle wird finden können.
Und veröffentlicht habe ich Deine Mail auch nicht, sondern nur sinngemäß etwas aus ihr wiedergegeben. Damit musstest Du rechnen.
Ja, das musste ich. Wenn das Bild, das von ich dir gewonnen hatte, richtig war. Hättest du anders reagiert, hätte ich mich korrigieren müssen.
Und bitte, dass du “Linken zustimmst”, das wäre doch wirklich nicht der Rede wert, wenn es um Sachaussagen ginge. Schließlich haben wir, wie du richtig bemerkst, bei uns auch den Che verlinkt, weil wir durchaus respektieren, dass andere Menschen die Welt anders sehen, und wenn der Unterschied auch noch so riesengroß ist wie z.B. zwischen Che und mir beispielweise. Die Frage ist nicht, wem du zustimmst, sondern bei was du zustimmst. Und wenn die Position dann die ist, dass man sich als “Neuer Rechter” diffamieren lassen muss, ohne dass einer auch nur einen sachlichen Grund dafür anführen kann, und wenn du auch noch kritiklos und ohne eigene Erfahrung einfach alle negativen Behauptungen übernimmst, dann hat das nichts mehr mit Diskussion zu tun, da geht es dann nur noch um Feindbilder.
Aber gut, dass wir das geklärt haben.
Rayson // 6. Februar 2008 um 2:29
@luclog
Das glaube ich dir sogar. Sieh es einfach als Zwiegespräch.
luclog // 6. Februar 2008 um 2:41
Nein, das ist ein Blog und ich wüsste jetzt schon gern wer Dich braun genannt hat und warum. Ich könnte dann ja gegebenenfalls ein abschließendes Urteil fällen. Der Verdacht ist jedenfalls erstmal im Raum.
Rayson // 6. Februar 2008 um 2:55
@luclog
Im Raum ist nur das, was du selbst dort sehen willst.
Weißt du, der eine reagiert auf solche Anschuldigungen, und der andere macht sich einfach ein Bild aus dem Vorhandenen. Ich stehe zu dem, was ich bei “B.L.O.G.” von mir gebe, und wenn irgendwelche Leute das “braun” finden, dann finden die das eben so.
Ich kann mich schließlich nicht für jedes verrückte Koordinatensystem zuständig fühlen.
Allerdings, diese Einschränkung muss ich noch machen: Zu dem, was ich nicht von mir gebe, stehe ich nicht. Wenn irgendwelche Leute das von mir Nichtgesagte als Anlass nehmen, mich zum “Braunen” zu ernennen, dann akzeptiere ich das von nun an als höhere Einsicht.
Aber in einem muss ich dich enttäuschen: NUB ist in seiner Rezeption der Diskussion etwas hinterher. “Die Linken” haben mittlerweile festgestellt, dass ich doch nur ein vertrauensseliger “Neoliberaler” bin.
luclog // 6. Februar 2008 um 3:10
Ah, jetzt ist der Link da. Spalten statt versöhnen ist das altbekannt Motto von einem gewissen Destruktivus. Ganz einfach, man kann diesen Leuten nicht trauen. Heute ist der eine Liberale ein Nazi, Morgen ein anderer. Ich bin da sehr vorsichtig dieser Momo hatte mich doch auch schon mal als Nazi enttarnt. So gesehen eine mir ekelhafte Person. Und es ist immer das gleiche Muster die anderen Liberalen sagen in einem solchen Fall nichts um für kurze Zeit ihre Nichtnazireputation zu erhalten. Wird aber nichts nutzen, ein falsches Wort zur rechten Zeit, und man wird genauso abgebürstet. Der Nazifalle kann man hierzulande nur entkommen mit einem stramm linksextremen Weltbild. Und selbst da ist es schwerer als der Laie glaubt.
Das muss man aber gelassen sehen, das gehört bei Linken zum eigentlichen Selbstbild. Das ist der ewige Widerstand gegen die Lehrer/Mutter/Chef Naziwelt des Aufräumens. Erst in diesem Widerstand ergibt das Linke Leben einen Sinn. Das lustige dabei ist nur, daß mittlerweile auch Lehrer/Mutter/Chef/ meist eigentlich stramme Linke sind.
Rayson // 6. Februar 2008 um 3:19
@luclog
Danke.
Aber verstehe ich das richtig? Du widersprichst NUB?
luclog // 6. Februar 2008 um 3:36
@ Rayson
Nun den eigentlichen Ursprung der Diskussion habe ich nun immer noch nicht entdeckt. Also was bei Dir da jetzt als “braune Soße” so sozialdarwinistisch hervorquillt.
Rayson // 6. Februar 2008 um 3:40
@luclog
http://www.bissige-liberale.com/2008/02/03/gluecklich-wer-chancen-auch-nutzen-kann/
luclog // 6. Februar 2008 um 3:43
Hihi
Rayson // 6. Februar 2008 um 3:51
Sag bloß, du bist schon so schnell durch die Verästelungen…
luclog // 6. Februar 2008 um 4:19
Naja. Der Artikel ist nicht gerade ein Ruhmesblatt. Das ist zu kurz gedacht. Der Hauptpunkt der heutigen Bildungsinstitutionen ist nicht Menschen einem Beruf zuzuführen, sondern sie möglichst lange vom Markt fern zu halten. Ob das nun eher positiv oder negativ zu sehen ist, da bin ich mir unschlüssig. Ausserdem ist Dieter Bohlen den ich heute im Fernsehen gesehen habe, mit Kerner den ich gleich mit als Beispiel hinzunehme, der beste Gegenbeweis. Leute die hingegen Musik studiert haben, spielen wenn es hoch kommt bei Stefan Raab in der Hintergrundkapelle. Das mit dem Studium wird arg überschätzt. Wichtig ist immer noch zu allererst Herkunft ( Wenn es nicht um Popkultur geht).
Falls das Studium auch wieder ein Herkunftsnachweis würde, dann würde es auch wieder wichtig. Als es noch ein Herkunftsnachweis war, war es im übrigen eine einfache und billige Veranstaltung. Und trotzdem gab es gerade in diesen Generationen massenhaft Genies. In den großen Generationen der 60er Jahre gibt es z.B. keine Genies mehr. Aber wir haben jede Menge Clowns. Alles nicht so einfach. Aber der Faschismus war eindeutig kein Freund der alten Eliten, die Du hier bevorzugen möchtest.
Rayson // 6. Februar 2008 um 4:28
@luclog
Der Artikel selbst wurde in der Diskussion (und wozu sonst sollte die da sein?) dann ja auch relativiert. Nicht zuletzt meine Wenigkeit hat sich gegen die These ausgesprochen. Aber Kollege NUB meint ja, das wäre “mein Blog”, und deswegen wären das auch alles “meine” Thesen.
Meine Position wird hoffentlich in der Debatte mit Ben Czerny deutlich und sollte mit der Bevorzugung “alter Eliten” erkennbar nichts zu tun haben.
Und, auch das sei gesagt, SteffenH selbst vertritt deutlich moderatere Positionen als die, die er provokativ sozusagen “zur Diskussion freischaltet”. Damit muss nicht jeder zurechtkommen, aber die Fairness würde es gebieten, das anzuerkennen.
NUB // 6. Februar 2008 um 8:55
Rayson,
Ex-Kollege NUB hat auf shifting reality oder in Deinem Blog kein einziges Mal irgendwo geschrieben, das sei alles Raysons schuld und Rayson sei ein Brauner. Oder BLOG generell braun. Sich da aber immer so komplett aus allem rauszuwinden, finde ich halt wenig sympathisch. Kein Medium kann sagen: Das steht halt irgendwie so bei mir zum Diskutieren, aber ich hab damit rein gar nichts zu tun. Ich finde sowas albern, tut mir Leid.
Dass ich mich da an einer Kampagne beteilige, ist ein absichtlich diffus gehaltener Vorwurf Deinerseits, um selber gegen Kritiker zu Felde zu schreiten und diese in derselben Art in einen Sack zu stecken, wie Du Dich behandelt siehst.
Aber das ist einfach eine Stil- und Geschmacksfrage. Ich hätte den ganzen Beitrag so nicht reingestellt. Mit persönlichem Attackieren hat das wenig zu tun, damit, was man nach außen als Liberale für ein Bild abgeben will, umso mehr.
Wenn ich der Ansicht bin, BLOG liefert wiederholt kein vorteilhaftes Bild, dann sollen sich die Autoren ruhig alle auf den Schlips getreten fühlen. Aber das ist bloß meine Meinung. Macht weiter Euer Ding, niemand hier will Euch das untersagen — und gut.
luclog,
Erstens musst Du beachten, wer hier wen von der Blogroll wirft und eine Mail schreibt. Zweitens ist es etwas zu einfach, jede Kritik, auch sehr harte, sofort wegzuwischen mit dem Argument “Das kommt ja bloß aus der gutmenschelnden linken Ecke”, “Gähn, die schreien sofort Nazi. Normalzustand.”. Um sowas zu betreiben, braucht man schließlich keine Sekunde nachzudenken, da kann man auch ein Rote-Socken-Skript installieren.
Viel ehrlicher und weniger Lagerdenken ist es, die Kritik jeweils zu überprüfen und im Einzelfall als unbegründet abzuschmettern oder sich darüber Gedanken zu machen.
Ich behalte mir jedenfalls vor, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin, das Liberale so zubereiten, auch mal einen liberalen Koch oder sein Blog (=Beiträge + Kommentare) zu kritisieren. Und wenn er das nicht verträgt und beleidigt die Teller hinwirft, bitte.
Wie sollte denn so etwas wie Selbstkritik bei “uns” überhaupt stattfinden, wenn man jede Kritik einfach abperlen lässt? Das öffnet doch Tür und Tor für jeden Mist.
stefanolix // 6. Februar 2008 um 10:47
@NUB: Bitte schau Dir noch mal den ganzen Thread bei Netbitch an, so lang ist der ja nicht. Und dann vergleiche das mit dem Original-Artikel von SteffenH. Der Kern seines Artikels, den Netbitch dort aufgreift, ist im Konjunktiv geschrieben. Und jetzt schau Dir an, was daraus gemacht wurde.
Libero // 6. Februar 2008 um 11:00
@NUB
ich verstehe nicht ganz, wieso sich Rayson eigentlich so sehr gegen den Vorwurf wehrt. Neue Rechte heisst ja nicht Nazi. So sehr Freunde waren beide Gruppen nicht.
Wenn ich Rayson der letzten Wochen so lese, fallen mir Empfindlichkeiten und Befindlichkeiten auf, die ich nicht mal als politische Meinung, sondern eher als Ressentiments bewerten würde. Seit wann werden Liberale von Ressentiments geleitet? Es ist vielleicht eine Frage des Alters und des Alterns, das will ich nicht ausschließen. Liberal ist er vielleicht noch in wirtschaftlicher Hinsicht.
Allerdings hat mehr wirtschaftliche Freiheit nur dann einen positiven Effekt, wenn Sie mit Maß und Selbstbeherrschung gebraucht wird. Maßlos wird Freiheit dann genutzt, wenn sie, siehe die Blasen der Vermögenswerte und Schuldtitel, zur Zerstörung von Vertrauen führt. Für einen maßvollen Menschen war das vorauszusehen und die Artikel, die es voraussahen, sind zahlreich. Siehe Forbes und Fortune, teilweise vor 2005.
Mehr Freiheit und weniger Gängelung bedeutet mehr Vertrauen und nicht weniger Vertrauen in den maßvollen Umgang mit der Freiheit schaffen. Mißtrauen, denn Gängelung und staatliche Neugierde ist ja nicht anderes, durch mehr Freiheit und Vertrauen verdrängen. Vertrauen und Freiheit sind Zwillinge.
Was man sieht und was nicht sieht. Die real existierenden Liberalen sehen sehr viel nicht, zum Beispiel den Zusammenhang zwischen Begriffen wie Freiheit und Vertrauen und Maß.
Da sah Ludwig Erhard, das sah Marion Dönhoff in ihren 12 Thesen gegen die Maßlosigkeit. Die real existierenden Liberalen sehen es nicht, die eher gegen das Bestehende, die Gängelung und das Mißtrauen, aber nicht für das Kommende sind.
Muß man nicht über deren Selbsteinschätzung, liberal zu sein, schallend lachen?
Es ist kein Trost, das das Denken der gegenwärtigen Linken und Konservativen………..
Eigentlich lohnt sich überhaupt keine Auseinandersetzung mit all diesen Menschen von Gestern, die in einer Welt des Gestern leben.
T. Albert // 6. Februar 2008 um 11:05
“KAmpagne” find ich super!
Rayson. für wie wichtig hältst Du Dich?
Wir sind übrigens an keiner Kampagne, keiner Gruppe, keiner Partei, keinem Institut beteiligt. Nur mal so. Wir haben mit keiner institutionellen Zzusammenhängen zu tun, keiner linken Lobby, nix. Wir haben unsern Spass ganz zweckfrei demokratisch. DAs macht manchmal aggressiv.
Libero // 6. Februar 2008 um 11:12
@Luclog
Als es noch ein Herkunftsnachweis war, war es im übrigen eine einfache und billige Veranstaltung. Und trotzdem gab es gerade in diesen Generationen massenhaft Genies. In den großen Generationen der 60er Jahre gibt es z.B. keine Genies mehr.
Möglicherweise gibt es Einflußfaktoren, die du schlicht und einfach übersehen hast.
NUB // 6. Februar 2008 um 11:17
Libero
Ich verstehe auch nicht, weshalb er da so das Sensibelchen geben muss. Selbst im Bundestag fetzen die sich manchmal heftig.
Aber wie schon gesagt: Ich bin hier ja auch wirklich in keiner Partei oder Koalition, so dass ich bei jedem Thema einer Personengruppe A gefälligst Recht geben muss und B kopfschüttelnd zurückweisen muss. Und ich weiß auch nicht, was jetzt das hier mit Netbitch zu tun haben soll, auf die stefanolix da zu sprechen kommt.
Als ob ich bei Netbitch geschrieben hätte: ‘Ja, geil, greif Dir die braunen Typen, Feuer frei!’
Mir gefällt weder der arrogante Habitus, alle Kritiker seien ja im Prinzip nur dämlich, noch dieses unheimlich Sensible, aber immer nur wenn man selber mal etwas Druck bekommt.
Maßlos wird Freiheit dann genutzt, wenn sie, siehe die Blasen der Vermögenswerte und Schuldtitel, zur Zerstörung von Vertrauen führt. Für einen maßvollen Menschen war das vorauszusehen und die Artikel, die es voraussahen, sind zahlreich.
Politik hat — mindestent mal in einer demokratischen Gesellschaft — immer auch etwas mit Überzeugungsarbeit und Vertrauenschaffen zu tun. Auch die Arbeit für mehr Freiheit und weniger Gängelung.
Wer meint, wie Konzepte und Praktiken auf die Leute wirken, sei irrelevant, der bewegt sich nicht im Rahmen politischer Debatten, sondern im Rahmen sektiererischer Aktivitäten, quasi Scientology style.
Eigentlich lohnt sich überhaupt keine Auseinandersetzung mit all diesen Menschen von Gestern, die in einer Welt des Gestern leben.
Zutreffend ist, dass keiner die Welt von früher wieder hervorkramen kann. Mit den Menschen, die da sind, müssen wir uns aber begnügen. Es wird keine anderen geben.
Libero // 6. Februar 2008 um 11:44
@NUB
findest du es nicht auch eigenartig, daß sich die Liberalen wundern, daß die Linken Aufwind haben?
Was man sieht und was man nicht sieht. Was sehen sich selbst Liberale nennende Menschen nicht?
Es ist durch Maßlosigkeit Vermögen und Vertrauen zerstört wurden, das im übrigen die einzige Währung ist, nicht etwas Dollar oder Euro. Es gibt nur die Währung Vertrauen in einer freien Gesellschaft.
Es muß eigentlich viel passieren, wenn Menschen vom Staat und staatsausbauende politischen Parteien mehr erwarten.
Das ist doch eigentlich das Ungeheuerliche. Die meisten haben entweder persönlich oder über Freunde/Bekannte widerwärtige Erfahrungen mit dem Finanzamt, dem Sozialamt, dem Arbeitsamt, der Schule gesammelt. Erfahrungen, die ein erhebliches Mißtrauen aufbauen. Das lernt du, wenn du mit solchen dummen Organisationen zutun hast oder gar in ihnen dein Brot verdienst. Es ist schierer Wahnsinn. Ein Tollhaus des Denkens, aber nicht Normalität.
Wenn Menschen unter die Fittiche eines solchen Staates flüchten, dem sie eigentlich mißtrauen, wie groß ist dann erst dann das Mißtrauen gegenüber denen, vor denen sie flüchten?
Ein anderes Beispiel. Man hört und liest, die Mitarbeiter sind das Kapital eines Unternehmens. Wie geht man mit diesem Kapital um? Das schafft kognitive Dissonanzen, außer natürlich bei den sich selbst Liberale nennenden Menschen, die so gar nicht verstehen, was um sie herum so eigentlich passiert. War da was?
Was man sieht und was man nicht sieht.
Vielleicht sollten die sich selbst Liberale nennenden Menschen diesen richtigen Ausspruch von Bastiat einmal auf ihr eigenes Denken, ihre eigenen Wahrnehmungen anwenden und sich auf die Suche nach dem machen, was sie selbst nicht sehen. Das könnte spannend werden.
Möglicherweise müßte ich dann die sich selbst Liberalen nennende Menschen Liberale nennen. Ohne wenn und aber. Ich wünsche es mir.
Libero // 6. Februar 2008 um 11:52
Mit den Menschen, die da sind, müssen wir uns aber begnügen. Es wird keine anderen geben.
1. Das gilt erst recht für die, die weniger Gängelung fordern. Im übrigen zu Recht.
2. Mit jeder Generation gibt es andere Menschen. Die Generation nach mir weiss, daß sie so etwas wie ein Rentenalter nicht erleben wird. Vielleicht nicht alle, aber doch die meisten, die arbeiten, wissen, daß sie bis an ihr Lebensende arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
NUB // 6. Februar 2008 um 11:59
Libero,
ja mag sein, aber hier geht es eher darum, wie Liberale sich und ihre Freunde und Kollegen aus dem liberalen Spektrum kritisieren und sich auch mal selber hinterfragen. Und wie sie auf andere wirken.
Oder ob man sich nur noch in seine Trutzburg zurückzieht und mit dem Glaubensbekenntnis verbarrikadiert, das Liberale an sich zu vertreten und vor sich herzutragen, während die Kritiker ja nur kritisierten, weil sie von der reinen Lehre abwichen.
Das erinnert mitunter ja nicht nur an Sekten, sondern auch an die Römer aus Asterix und Obelix, die so hübsche Schildformationen bilden, bevor die Gallier sie aufmischen.
Libero // 6. Februar 2008 um 12:13
@NUB
Naja, ein Usability Lab fehlt nicht nur den Liberalen. Das Ignorieren des Satzes von Bastiat, was man sieht und was man nicht sieht (oder sehen will) gilt für alle gegenwärtigen politischen Strömungen.
luclog // 6. Februar 2008 um 16:00
@ NUB
Um “fang den Nazi” zu spielen braucht man nichtmal einen roten Socken Script. Es gibt eigentlich keine Gruppierung die sich nicht über den späten Antifaschismus gegen Hitler immunisiert. Eigentlich steht überall ein antifaschistischer Hausaltar.
Und es ist sehr leicht, wie man auch an diesem Fall sieht, einen Faschismus Vorwurf zu kreieren. Hier in diesem Fall wurde eine im Kern nichtmal elitäre Argumentation genommen um daraus auf einen faschistischen Hintergrund zu schließen. Dabei ist schon der Übertrag, von elitär auf faschistisch, so wie hier verwandt historisch nicht korrekt. Das ist ein Motiv aus der 68er Antipädagogik, das sich irgendwie eingeschliffen hat. Der Faschismus war aber ein Aufstand gegen die Eliten und ist in seiner biologistisch geprägten Gleicheitsauffassung und seinem Hinzielen auf die Masse, dem Kommunismus und Sozialismus in diesem Punkt viel ähnlicher. Beim Faschismus kommt nur der Punkt Rasse oder Volk als emotionales Bindemittel hinzu. Der Faschismus ist aber im Kern eine egalitäre Ideologie und keine elitäre. Der Faschismus will einen kommunistischen Volkskörper, der dann genau wie im Kommunismus durch eine revolutionäre Elite geführt wird. Letztlich wird aber im Kommunismus wie im Faschismus die Individuelle Freiheit verneint, und der Mensch dem großen Volksziel untergeordnet. Und selbst wenn die Kommunisten diesen Punkt vordergründig mit dem Begriff Internationalismus verneint haben, haben sie ihn letztlich auch immer in allen ihren sozialistischen Umsetzungsversuchen mit eingebaut ( Siehe Russland, siehe China), so wie die Faschisten letztlich auch immer einen Internationalismus in ihre Ideologie eingefügt haben.
Zum Thema Blogroll: Ich hatte BLOG nie auf der Blogroll, weil schon alleine der Name mir einfach zu Parteinah erscheint. Und andererseits ist es doch lustig, das genau die Leute die ich hier gegen den Nazivorwurf verteidige, sich andereseits bei jedem Nazivorwurf gegen andere Blogs sich genauso haben von den Linken instrumentalisieren lassen. Und diesen Vorwurf auch immer sofort bereitwillig aufgriffen um andere Blogs in die Naziecke zu drängen und sich selbst zu immunisieren. Was wie man sieht nichts genutzt hat. Was eigentlich von vornherein klar war. Wenn Blogs die sich als politisch geben, die einfachen Instrumente der Ausgrenzung und Marginalisierung über Spaltung nicht erkennen, sind sie einfach politisch unreif. Die Linke hat das in ihrer Tradition, die Liberalen haben scheinbar weder Geschichtsbewusstsein noch Tradition, und auch keinerlei ernstzunehmenden politischen Willen.
Libero // 6. Februar 2008 um 17:39
Den Faschismusvorwurf finde ich absurd, da es der neuen Rechten nicht um die Etablierung der neuen, sondern der alten Eliten geht, die sich Jahre nach 1945 wieder neu etabliert hat.
Der Faschismus war aber ein Aufstand gegen die Eliten und ist in seiner biologistisch geprägten Gleicheitsauffassung und seinem Hinzielen auf die Masse, dem Kommunismus und Sozialismus in diesem Punkt viel ähnlicher.
akzeptiert bis auf die Gleichheitsauffassung.
Beim Faschismus kommt nur der Punkt Rasse oder Volk als emotionales Bindemittel hinzu. Der Faschismus ist aber im Kern eine egalitäre Ideologie und keine elitäre.
Das Egalitäre war nur ein Mittel, alle gegen die alten Eliten zu mobilisieren. Aber nicht mit dem Ziel einer egalitären Gesellschaft. Die faschistische Nachkriegszeit wäre sehr elitär gewesen. Nur eben eine andere Form von Elite, die sich auf eine andere Form der Auslese berufen hätte.
luclog // 6. Februar 2008 um 18:02
@ Libero
“War nur ein Mittel” ist äußerst schwach. Letztlich gesehen ist so jeder Gedanke immer nur ein Mittel, oder man kann es jeder Bewegung unterstellen. Besonders ist so jede politische Idee, immer auch “Mittel”. Wenn ich bei der Vermutungsursachen bei Einzelnen gelandet bin, kann ich auch noch weiter zur Tiefenpsychologie gehen, und alles auf frühkindliche Erlebnisse zurückverfolgen. Das ist diese Schmetterlingslogik aus der Chaosforschung. Wenn man da anlangt, kann man wirklich garnichts mehr begründen, oder auch nur diskutieren. Nein, das Egalitäre war beim Faschismus nicht nur ein Mittel, es gehört zur Ideologie, und bezieht sich darauf, daß der Faschist sich als Teil eines Volkskörpers begreift.
Was die “Neue Rechte” angeht bin ich überfragt. Ich kenne weder eine Person noch ein Programm noch eine Partei auf die ein solches Profil passt. Wer oder was ist damit gemeint?
Libero // 6. Februar 2008 um 18:36
@luclog
Ich gebe das Kompliment “äußerst schwach” gerne zurück. Eine politische Struktur, die nach dem Führerprinzip arbeitet, egalitär zu nennen, ist doch sehr unter dem Niveau, das ich von Ihnen gewohnt bin. Egalitär ist das Mäntelchen, aber mehr auch nicht. Wie bei all diesen angeblich egalitären Bewegungen.
Die neue Rechte ist ein Verlegenheitsbegriff, wie es schon die konservative Revolution der Weimarer Republik war. Vielleicht ist es sinnvoller, von einer Elite zu sprechen, die versucht, sich als Kaste abzuheben und für die meisten unterhalb der Kaste undurchlässig zu werden.
Gegen eine Elite ist ja nichts zu sagen, wenn sie nach unten in beiden Richtungen durchlässig ist.
luclog // 6. Februar 2008 um 18:58
@ Libero
Wenn Du so dünnhäutig bist, können wir uns nicht unterhalten. Punktum. “Äußerst schwach” bezog sich auf das dargestellte Argument. Kein Grund gleich mein Niveau zu beweinen.
momorulez // 6. Februar 2008 um 19:09
@Libero + Lucolog:
Das ist doch so alles nicht richtig, Jungs (o Schreck, ich und luclog, ich wage es einfach mal). Natürlich war der Faschismus ein Aufstand gegen “Eliten”, aber zum einen, um neue zu etablieren, nämlich jene der Führungsschicht von NSDAP/SS etc.. Die, höchstgradig hierarchisch organisiert, dann zwar alles durchdringen sollten, diese Organisationen, hier eine klare Analogie zu KPDSU und SED, aber im Falle eines Führer-Prinzips von “egalitär” zu reden, das finde ich schon mutig.
Man muß zudem schon auch klar machen, um welche “Elite” es sich jeweils handelte. Die konservativen Revolutionäre sahen sich doch auch als solche und waren einfach gegen gegen andere Eliten. Die Nazis waren denen zu verpöbelt, aber das wurde dann ja auch zum Problem, weil die die deshalb nicht ernst nahmen und als “kleineres Übel” betrachteten, sozusagen, gegenüber der Weimarer Demokratie.
Und die Nazis sahen sich bzw. die Arier als die Elite unter den Völkern/Rassen dieser Erde, sozusagen. Und daß nun Juden, Sinti etc. gegeüber irgendeine sonderlich egalitäre Haltung eingenommen wurde, das ist mir auch nicht bekannt. Außer eben, daß man die alle über einen Kamm scherte.
Wenn man jetzt annimmt, daß es möglich ist, aktuell eine liberal-rechtsextreme Fusion zu vollbringen – womit ich aktuell niemand unterstellen will, er würde das tun- , dann sind’s zudem genau die gleichen Eliten, gegen die auch die Nazis anrannten. Die haben ja nicht Hugenberg enteignet, oder Krupp, sondern sind gegen Parteien und Verbände vorgegangen. Agitation gegen’s Militär ist mir übrigens auf dem Sektor aktueller Liberaler oder Rechtsextremer auch noch nicht aufgefallen. Feindbild sind Partei-Apparatschiks, Gewerkschaftsführer und die alles dominierende und unterjochende, linke “Intelligenz” an Universitäten und in den Medien. Na sowas. Der Unterschied um’s Ganze ist dann freilich das Verhältnis zum Staat, klar.
Mit anderen Worten: Was ihr schreibt, ist viel zu unspezifisch, umd damit irgendwas erklären zu können, glaube ich … und richtig íst das auch alles nicht,
luclog // 6. Februar 2008 um 19:10
Aber das mit der “Neuen Rechten” interessiert mich doch. Ich hab den Begriff auch schon öfter gehört. Es ist also ein Verlegenheitsbegriff für eine Elite. Wenn dem so ist: Aus welcher Verlegenheit befreit er denjeneigen der diesen Begriff nutzt? Und die eigentliche Frage ist für mich immer noch offen: Wer oder was wird damit bezeichnet? Gibt es irgendjemanden der sich als neuen Rechten bezeichnet? Oder, der als neuer Rechter zu bezeichnen ist? Ich hätte gerne ein Beispiel, da ich mir unter einem neuen Rechten nichts vorstellen kann. Wenn es sich um eine Elite handelt, müssten sich darunter doch auch ein paar bekannte Namen befinden.
Libero // 6. Februar 2008 um 19:32
@luclog
ich bin nicht sonderlich dünnhäutig.
Meistens schätzen sie sich selbst als konservativ ein. Als Treffpunkt der neuen Rechten würde ich das Institut für Staatspolitik oder den Studienzentrum Weikersheim nennen wollen. Die Gesellschaft für freie Publizistik ist schon eher NPD-nah. Das heißt natürlich nicht, daß jeder, der bei den Erstgenannten erscheint, deshalb schon ein neuer Rechter ist. Vielleicht ist es besser, von Menschen zu reden, die die Restaurierung alter Eliten befürworten.
@momorulez
Hin- und wieder ist man aus entfernt familiären Gründen gezwungen, sich mit solchen Organisationen und ihrem Nachwuchs zu beschäftigen. Verstehe, daß mein Interesse nicht primär auf die exakte Wahrnehmung dieser alten Eliten gerichtet wahr. Mein Kenntnisstand ist auch nicht mehr aktuell, das sich das Interesse des Nachwuchses wandelte.
NUB // 6. Februar 2008 um 19:42
Der Ansatz, eine Aussage könne nur falsch und verlogen sein, weil sie z.B. von Linken kommt, ist kaum besser als der Ansatz mancher Linker, alles außerhalb ihrer Kreise könne ja nur rechts oder rechtsextrem sein. Das sind beides Strategien zur Vermeidung von Diskussion, zur Vermeidung einer inhaltlichen Auseinandersetzung. Man bleibt oberflächlich, macht es sich bequem.
Und es stimmt ja auch nicht, dass eine Aussage etwa nicht faschistoid sein kann, weil der, der sie äußert, kein Nazi ist. Jeder kann alles Mögliche sagen. Es ist auch nicht jeder, der etwas Antiamerikanisches oder Antisemitisches zum Besten gibt, deshalb gleich insgesamt einer extremistischen Richtung zuzuordnen. Aber man kann Aussagen dahingehend überprüfen, was sie alles meinen könnten und was nicht. Und darüber reden, welche Ideen dahinterstehen. Das ist natürlich mühsamer als so Pauschalurteile…
luclog
Die Geschichte des Faschismus wollte ich jetzt hier eigentlich nicht durchsprechen, aber trotzdem dazu ein paar Anmerkungen:
Die wesentlichste Komponente des Faschismus ist die rassistische und militaristische Komponente, wie Libero erwähnt hat unbedingt in Kombination mit einem Führerkult und Führerstaat. Der Begriff egalitär bezeichnet normalerweise Bestrebungen, Menschen an sich, Bürgern, *allen* gleiche Rechte, Möglichkeiten u.s.w. zu geben, es bezeichnet nicht so etwas wie Gleichschaltung und Rassengesetze oder Nationalismus (’Deutsche wehrt Euch’ und soziale Wohltaten für Arier…).
Da die Nazis (und auch die Originalfaschisten aus Italien) keineswegs bestrebt waren, allen Menschen in ihrem Machtbereich gleiche Rechte oder gar gleiche soziale Bedingungen zu liefern, sondern ausdrücklich immer jemanden ausgrenzen und für minderwertig erachten mussten, dann sogar darauf aus waren, andere zu versklaven oder zu vernichten, ist der Begriff egalitär dafür unangebracht.
Der einzige Punkt, wo es da Überschneidungen mit Teilen der Linken gab, das war beim Führerkult, der heute (natürlich nicht exakt in der Form des Naziführers) noch in Nordkorea anzutreffen ist und bei der Ablehnung wirtschaftlicher Freiheit in Verbindung mit individueller Freiheit. Wobei die Betonung der sozialistischen Komponente der Nazis auch nicht überzubewerten ist. Einige Industrielle haben die NSDAP-Bewegung schon früh und kontinuierlich gefördert und wenn es den Nazis nützlich war, wurden natürlich auch viele kapitalistische Konzepte geduldet. Löhne und Preise waren wiederum staatlich gelenkt bzw. überwacht. Willkürwirtschaft ist da vielleicht passender als Sozialismus, also mal dies und mal jenes befürworten, wie es gerade passt.
Für die Nazis sollte eben die Gleichheit der Menschen nicht durch irgendeine Sozialrevolution hergestellt werden, sondern dadurch, dass man die Andersartigen umbringt. Die Säuberungen des Stalinismus basierten wohl auch nicht auf rassistischer Welteroberung einer arischen Herrenrasse, sondern dienten dem unbedingten Machterhalt Stalins, der überall Feinde und Widersacher vermutete… Links und Rechts da so pauschal gleichzusetzen, wäre plump.
luclog // 6. Februar 2008 um 19:49
@ Libero
Du kennst also auch keinen. Die sind dann sicher ähnlich gefährlich und dubios wie die Illuminaten. Das macht die Sache nicht einfacher.
luclog // 6. Februar 2008 um 19:58
@ NUB und Rayson
Ihr verlinkt aber alle weiter auf Ches Warlog, der wahrscheinlich am Boden liegt und sich kringelt vor lachen. Ähnlich wie Momo. Da ist euch einfach nicht zu helfen.
Spalten statt versöhnen.
che2001, am Februar 4th, 2008 um 14:19 Said:
Ja, auch von mir warme Zustimmung und Dank an NUB. Was für mich die Sache so entsetzlich macht ist die Tatsache, dass die Argumentationsmuster bei den BLOGs ja teilweise wirklich analog zu dem Diskurs der Sozialdarwinisten des Kaiserreichs ist, wo am Ende dann die Rassenhygiene bei rausgekommen ist. Ich habe zu diesem Thema geforscht, ich kenne mich da wirklich aus.
NUB // 6. Februar 2008 um 20:03
Zitat momorulez:
Feindbild sind Partei-Apparatschiks, Gewerkschaftsführer und die alles dominierende und unterjochende, linke “Intelligenz” an Universitäten und in den Medien. Na sowas. Der Unterschied um’s Ganze ist dann freilich das Verhältnis zum Staat, klar.
Also ich finde, darüber sollten alle mal nachdenken…. Ob sie nicht auch manchmal so ein bisschen Feindbilder verinnerlichen; so dass eben nicht nur Linke Feindbilder haben und überall Rechte sehen wollen…
Mit diesem Lagerdenken, an dem eben alle schuld sind (pauschalisiere das jetzt einfach mal…) und nicht nur die Linken(!), vermeidet man aber permanent die inhaltliche Debatte und zieht sich auf Allianzen, Denkverbote, Sündenböcke und eben Kollektivdenken zurück, wonach man als Linker immer zu anderen Linken und als Liberaler stets zu anderen Liberalen halten müsse, egal welchen Unsinn sie verzapfen… Und wenn einer aus einer anderen Richtung etwas Negatives sagt, dann ab in die Tonne damit! Oder eben einen Schuldigen aus den “eigenen” Reihen finden, der ein “Verräter” des Kindergartens ist.
Ich würde ganz gerne sehen, dass Leute, die ernsthaft über Politik debattieren wollen, ein bisschen von diesem Schwachsinn abrücken! Oder es gleich sein lassen.
NUB // 6. Februar 2008 um 20:04
luclog
Ihr verlinkt aber alle weiter auf Ches Warlog, der wahrscheinlich am Boden liegt und sich kringelt vor lachen. Ähnlich wie Momo. Da ist euch einfach nicht zu helfen.
Spalten statt versöhnen.
Ich hab Dir dazu auch eine Email geschrieben. Auch zu dieser Idee der Fädenzieher im Hintergrund…
Das ist alles so die gleiche Debattenkultur. Irgendeiner muss immer den Schwarzen Peter haben.
Ich meine: Wird das nicht auf die Dauer auch etwas langweilig??
Libero // 6. Februar 2008 um 20:07
@Luclog
hrrrmm, ich wollte bewußt keinen Namen nennen, um nicht die Falschen in dieses blog zu lenken. Des Götzen Kubit schek oder den weißen mann der Karl und Heinz gerufen wird.
NUB // 6. Februar 2008 um 20:12
Lass die ruhig antanzen. Die kriegen auch auf’s Brot geschmiert, was sie sind…. Wo wir gerade schon dabei sind…
NUB // 6. Februar 2008 um 20:21
Che2001 hat übrigens auch ein bisschen die Netbitch zurückgepfiffen, indem er ihr mitteilte, von reaktionär könne man reden, mit Neue Rechte habe es aber nix zu tun… Also auch wenn möglich immer das ganze Bild machen und nicht selber vorschnell draufhauen, während man anderen genau das vorwirft.
Libero // 6. Februar 2008 um 20:27
@NUB
zumal die neuen Rechten anti-liberal sind. Aber diesen Ansichten würden sie ebenfalls zustimmen.
Wenn man sich ansieht, wer zu solchen Treffen oder in solchen Publikationen zusammenkommt, ist das schon eine merkwürdige Melange.
luclog // 6. Februar 2008 um 22:00
@ Libero
Tjaja, die sind so bekannt und wichtig, das sogar ich mir die Namen ergoogeln muß ich habe dann auch gleich einen Wikiartikel zur Neuen Rechten gefunden. Die alte Linke und die neue Linke hat Wikipedia voll im Griff, das ist mal amtlich und an allen Artikeln die irgendwas politisches berühren gut zu erkennen. Was sagt also Wiki: Der Begriff stammt aus den 60ern, ist also klar erkenntlich eine Linke Chimäre die schon seit Anno Tobak durch die linken Verschwörungshirne geistert. Nun wird der Begriff alle 5 Jahre eine anderen unliebsamen Personen angeheftet, deren Bekanntheitsgrad und Wirksamkeit dann auch ungefähr bei Null liegt.
@ NUB
Ich habe die Post schon gesehen und muss darauf wohl etwas ausführlicher Antworten: Ich finde das alles nicht so einfach weil man dazu eigentlich die verschiedensten Standpunkte einnehmen kann: Je nach dem was man erreichen will.
NUB // 6. Februar 2008 um 22:03
luclog,
Du kannst mir ja unter anderem auch mitteilen, was Du erreichen willst. Oder was Du für erreichenswert halten würdest.
momorulez // 6. Februar 2008 um 22:24
@Luclog:
so als jemand. der mit dem bösen Che bloggt und das gerne und aus Überzeugung tut, gebe ich Dir sogar 2 Antworten. Eine wurde mir von einem guten Freund gerade gemailt:
“Die Neue Rechte ist eine politische Richtung, der es darum geht, eine politische Hegemonie über gesellschaftliche Diskurse herzustellen, etwa, indem linke oder liberale Inhalte mit einer neuen, rechten Sinngebung versehen werden, Beispiele: Ethnopluralismus im multikulturellen Denken, Völker werden als unveränderbar wesensverschieden Begriffen, kein Rassismus im Sinne von besser-schlechter, sondern Andersartigkeit, Neonazis werden als Konservative, technokratische Neocons als Liberale bezeichnet, für Gender, Homosexualität, Verhaltensmuster werden biologistische Begründungen gesucht.
– Armin Mohler – Studienzentrum Weikersheim – Junge Freiheit – Eigentümlich frei – Mut – Criticon – Nation und Europa – Pia Skjärsgaard – Theo van Gogh – Alain de Benoist – Andreas Molau – Hans Eysenck – Arthur Jensen – Eibl Eibesfeldt – Neue Anthropologie – Bernd Rabehl – Alexander von Stahl”
Jetzt meine:
Du hast völlig recht, daß das eher eine bestimmte Positionen rekonstruierender Sammmelbgeriff ist, nicht sowas wie die Linkspartei oder die Hayek-Gesellschaft. Ich würde das immer in Abgrenzung zur Alten Rechten verwenden, zu der ich die NPD oder einst Wehrsportgruppe Hoffmann und so zähle.
In einer schwächeren Variante sehe ich auch Schäuble da auf der Alten Rechten verortet, den ich hier aber ganz explizit weder mit der NPD noch den anderen, eben genannten in irgendeiner Form gleichsetzen möchte, oder früher Franz-Josef Strauß. Das würden Andere wohl bestreiten und da eher kosnervativ sagen. Die braunen Einsprengsel, die sich auch in der Linkspartei finden, berühmt sind ja die Lafontaine-Reden geworden, würde ich auch der Alten Rechten zuschlagen.
Die Neue Recht gibt sich pro-israelitisch und implementiert einen radikalen Ungleichheitsdiskurs im pro-westlichen Paradigma. Sie unterfüttert kulturalistische Positionen mit wirtschaftsliberalen Diskursen. “Kulturalismus” behauptet a.) eine Höher- und Niederwertigkeit von verschiedenen Kulturen und b.) die Annahme, Personen seien Kulturträger so, wie einst behauptet wurde, “Menschenrassen ” hätten spezifische Eigenschaften. Sie behaupten in manchen Fällen ein sich-tradieren dieser kulturellen Eigenschaften über Fortpflanzung. Sie lösen moralische (Menschenrechte) oder politische (Demokratie) Fragen wahlweise in kulturellen oder ökonomischen Kategorien auf.
Sie verfechten das Recht des Stärkeren an Märkten und jene, die dabei hinten überfallen, sind vermeindlich selbst schuld und ansonsten schnurz (darauf hob Netbitch ab). Ineins damit haben sie ein außerordentlich verächtliches Verhältnis zu Unterschichten, die haben sich in ihre Rolle als Bodensatz zu fügen, den man halt zum produzieren braucht, sollen aber ansonsten die Klappe halten, sind minderwertig (auch dieses eine entscheidende Differenz zur Alten Rechten). Rechte erwirbt man über Besitz, nicht einfach so, weil es einen gibt. Sie operieren mit Biologismen und ziemlich kruden Varianten eines naturwissenschaftlichen Positivismus, der eine Naturgegebenheit von Lebensformen und auch Marktmechanismen behauptet.
In politischen Parteien sind mir zumindest bisher solche nicht aufgefallen; in der deutschen Publizistik würde ich den Großteil der Achgut-Autoren dort verorten. Wobei ich z.B. Broder da als Gallionsfigur irgendwie sogar in Ordnung finde, so einen muß es auch geben. Prototypen sind für mich Leute wie Mark Steyn, wie ich insgesamt das für eine Eingemeindung rechter us-amerikanischer Argumentationsmuster halte. PI ist die Vulgärvariante. Auch bei einem Milton Friedman finden sich Elemente dessen, aber der ist da facettenreicher, da finden sich auch klassisch-liberale Positionen.
Strategisch operiert die Neue Rechte vor allem mit Umkehrfiguren: Die wahren Faschisten sind die Antifaschisten, die wahren Rassisten die Neger und Araber usw., und sie agieren als unterdrückte Mehrheit, die vonden Partikularinteressen von Schwulenlobbys etc. unterdrückt würden. Was klare Analogien zu der Weimarer Republik wie auch zur Alten Rechten aufweist.
Zur Klarstellung: Weder wirtschaftliberale Positionen noch eine prowestliche Orientierung, die auf Menschenrechte oder Demokratie setzt, noch, und da schon gar nicht,, eine proisraelitische Einstellung ist an sich Merkmal der Neuen Rechten. Pro-israelitisch bin auch.
Der Begründungsmodus macht’s: Also das Zurückweisen eines Begriffs formaler Gleichheit bei einer gleichzeitigen Zurückweisung materialer Vielfalt kommt da immer vor.
Formale Gleichheit setzt gerade nicht auf Gleichmacherei, sondern auf eine prinzipielle und unhintergehbare Gleichwertigkeit von Personen in all den unzähligen Varianten des So-oder-So-Seins. Die eisten wirtschaftsliberalen Positionen teilen diee Prämissen über das Prinzip der Vertragsfreiheit etc.
Demokratie ist in dieser, meiner Gegenposition nix, was irgendwie kulturimmanent wäre, sondern ein Verfahren, daß diese unhintergehbare und prinzipielle Gleichheit im Recht aller auf freie Entfaltungsmöglichkeiten gewissermaßen zum Ausdruck bringt. Diese Denkfigur habe ich übrigens immer als Schnittmenge zwischen moderat-linken und liberalen Positionen gesehen, das ist eine Position der Begründung von Bürgerrecthten, wie sie z.B. der friedlichen Revolution in der DDR zugrunde lag.
NUB,. sorry für dieses Gruundsatzreferat, aber mal ganu unabhängig davon, ob man dem jetzt zustimmt oder nicht, ob man rechts so oder anders definiert, es macht zumindest klarer, wie bestimmte Begriffe verwendetet werden.
NUB // 7. Februar 2008 um 0:59
Dazu auch eine Antwort meinerseits, jetzt in einem eigenen Beitrag.
Libero // 7. Februar 2008 um 9:10
@luclog
ich weiss nicht, ob ein Maßstab für die Wirksamkeit der Neuen Rechte die allgemeine Bekanntheit ist? Es ist doch nicht immer das nur wirksam, was an der Oberfläche erkennbar ist.
Kultur und Gesellschaft « shifting reality // 7. Februar 2008 um 10:20
[...] noch mal rüber, wenn ich mir schon die Finger wund schreibe. Bei NUB ist die Diskussion entbrannt, um was es sich denn nun handelt, wenn Netbitch, Che oder ich von der “Neue Rechten” schreiben. Ich habe versucht, [...]
NUB // 7. Februar 2008 um 21:00
Nachtrag: Ob nun Nativismus oder nicht. Allein schon das da wäre Grund genug gewesen, auf Distanz zu gehen. Seit wann ist “Der hat mir den Aufnäher abgerissen!” ein Notwehr-Argument, tödliche Gewalt anzuwenden? Ein “Streit unter Jugendlichen”…
Dann könnte auch “Der hat mein Blog beleidigt” zu “einer Messerstecherei führen”, bei der “jemand sinnlos zu Tode kommen MUSSTE”. So ein rechte Gewalt verharmlosendes Pfusch-Geschreibsel.
David // 8. Februar 2008 um 1:28
“Seit wann ist “Der hat mir den Aufnäher abgerissen!” ein Notwehr-Argument, tödliche Gewalt anzuwenden? Ein “Streit unter Jugendlichen”…”
Kommt wohl in jedem Fall auf die konkrete Situation an. Von Deiner Warte aus: Wo beginnen denn die echten Notwehr-Argumente? Nach deutscher Rechtslage kann (Modalverb) das Erwähnte ja durchaus eins sein. Inwiefern würdest Du die Rechtslage ändern? Und würdest Du?
NUB // 8. Februar 2008 um 1:31
David
Von Deiner Warte aus: Wo beginnen denn die echten Notwehr-Argumente?
Wo der, der Notwehr übt, in Leib und Leben gefährdet ist.
Nach deutscher Rechtslage kann (Modalverb) das Erwähnte ja durchaus eins sein.
Unter Garantie nein. Es würde wohl kaum ein Richter es akzeptieren, wenn eine Sachbeschädigung für Mord und Totschlag begründend herhalten soll. Und Beleidigungen natürlich genauso wenig.
David // 8. Februar 2008 um 1:39
Überleg Dir das mit der Garantie noch mal.
“Das Recht hat dem Unrecht nicht zu weichen” und “der Angegriffene ist berechtigt, das Mittel zu wählen, das den Angriff mit Sicherheit beendet”.
Und ich sagte: Es kann. Nicht es muß. Über den konkreten Fall kann ich eigentlich gar nichts sagen.
David // 8. Februar 2008 um 1:41
Voraussetzung wäre selbstverständlich. daß der Angriff noch im Gange ist.
David // 8. Februar 2008 um 1:43
Das ist dazu ganz interessant.
luclog // 8. Februar 2008 um 2:47
Das Abreißen de Aufnähers und die Tat liegen weit auseinander. Ich denke das war ein korrektes Urteil.
David // 8. Februar 2008 um 2:59
Klar, das liegt weit auseinander. Aber wo liegt die Grenze? Man ist nicht gehalten, sich irgendwas vom Körper reißen zu lassen, weil es einem anderen nicht gefällt. Ist das erst einmal passiert, dann kann man es nicht mehr ändern. Aber ist es gerade im Geschehen, dann kann man sich auch dagegen zur Wehr setzen. Was natürlich nicht gleich heißen muß, den anderen totzuschlagen. Aber auch nicht das Gegenteil. Je nach Situation.
Wie gesagt geht es mir damit auch gar nicht um den konkreten Fall, dessen nähere Umstände ich nicht kenne, sondern darum, daß ich eine mir eine Situation wie von NUB geschildert auch durchaus als Notwehrsituation vorstellen kann.
luclog // 8. Februar 2008 um 3:07
http://de.wikipedia.org/wiki/Silvio_Meier
Nach erneutem Lesen der Fallbeschreibung bei Wikipedia die nun wirklich nicht neutral ist kann aber zumindest von Mord keine Rede sein. Es handelt sich scheinbar um zwei Gruppen, die zweimal am gleichen Abend aufeinander treffen. Beim ersten Aufeinandertreffen wird einem von der ersten Gruppe die Kleidung beschädigt und hier war die erste Gruppe scheinbar noch in der Oberhand, beim zweiten Aufeinandertreffen greift die zweite Gruppe nun zu härteren Mitteln. Erscheint mir eher wie Eskalation. Ist aber aus der Quellenlage nicht zu beurteilen, und seriöse Quellen sind zu dem Fall nicht mehr vorhanden.
NUB // 8. Februar 2008 um 8:10
Wenn es nicht Mord ist, dann ist es eben Totschlag. Die entsprechenden Urteile des Gerichts kannst Du ja auch herausfinden.
Das so zu drehen, da sind halt so Jugendgruppen aufeinandergeprallt und am Ende ist da halt zufällig dieser Meier tot liegen geblieben, solche Aussagen, die sich so anhören, unterstütze ich einfach auch nicht. Ist alles so eine Stil- und Geschmacksfrage.
Zumal sich ja derjenige, der da meint, die Sache beurteilen zu können, weder von diesen Antifas u.s.w. irgendeine Ahnung hat, noch von der Situation an dem Abend. Dafür zu wissen, dass der, der mit dem Messer einen anderen ersticht, juristisch der Täter ist und sonst nichts, wenn nur Streit und Aufnäherabreißen vorliegen, brauche ich aber auch keine weitere Untersuchung. Und wer da rumrelativiert, der verharmlost natürlich im Endeffekt auch rechte Gewalt, schon weil er in diesem Fall dem getöteten Silvio Meier einfach aufgrund seiner politischen Orientierung und Biographie oder wegen des Streits und Aufnähers eine gewisse Mitschuld gibt. Solange sich solche Streits und Schlägereien nur auf Streit und Schlagen, nicht auf erstechen ausdehnen, könnte ich da noch dabei sein. Aber so auf keinen Fall.
Davon abgesehen halte ich so etwas wie Neutralität ohnehin für fragwürdig, wenn es um Neonazis und Linke u.s.w. geht, schon weil ich gar nicht glaube, dass irgendwer Neutralität wirklich hinbekommen kann. Man kann sich sachlich und möglichst objektiv ansehen, was vorliegt. In Bewertungen gegen Neonazis Partei gegen sie zu ergreifen, diese also auch ungleich zu behandeln, was Bloggermeinungen betrifft, ist für mich völlig in Ordnung. Es ist ja kein Blogger das Gericht.
Libero // 8. Februar 2008 um 8:29
Nach der Statistik verläuft ein rechter Übergriff typischerweise so: Zwei bis drei Rechtsextreme im Alter von 15 bis 24 Jahren sind am Wochenende abends in ihrem Wohnbezirk unterwegs und trinken Alkohol. Dabei treffen sie zufällig auf einen einzelnen Gleichaltrigen, den sie zwar nicht kennen, wegen seines Äußeren aber für einen Linken oder einen Ausländer halten. Sie schlagen und treten auf ihr Opfer ein. “Man will sein Umfeld, sein Revier verteidigen und den Feind angreifen”, erklärte Verfassungsschutz-Chefin Schmid. Dabei gebe es einen Trend zu mehr Einzeltätern.
Jeder fünfte Fall rechter Gewalt im Zeitraum trug sich in Lichtenberg zu, insbesondere im Weitlingkiez nahe dem Bahnhof Lichtenberg
Kann ich nur bestätigen. S-Bahnhof Nöldnerplatz ab22 Uhr. Die Grenzen zwischen links und rechts. Da wird so ziemlich jeder angemacht, der nicht wie ein Rechter aussieht. Eigentlich siehst du ziemlich links aus, luclog, so irgendwie. Wie und warum wissen die zwar nicht, aber unwissen wird da schnell durch bestimmtes Wissen ersetzt. Ich war um die Zeit mal mit einem schwäbelnden Deutschen türkischer Herkunft unterwegs, dem ein heimisches Reisebüro das Hotel im falschen Stadtteil gegeben hatte. Netter Junge, gebildet, ausgezeichnetes Deutsch, ausgezeichnete Laufbahn. Nur leider erkennbar orientalischer Herkunft. Gott sei Dank hatten sie ihn erst entdeckt, als der Zug schon anfuhr. Die hätte fast die Scheiben eingetreten. Dem jungen Mann standen die Haare zu Berge. Der wäre im Krankenhaus gelandet. Und ich auch. Mit so einem Unarischen unterwegs. Ein arischer Deutscher wüßte, das das nicht geht.
Die sind immer auf Zoff und Gewalttätigkeit aus. Manchmal laufen sie auch als Einzelkämpfer durch die Gegend. Hochgepumpt mit Teste bis es überschwappt. Der Unterschied ist, die Linken greifen nur Nazis an, die Nazis alles, was nicht so aussieht wie sie selbst.
NUB // 8. Februar 2008 um 8:43
Vielleicht muss man da wirklich erst mal entsprechende Erfahrungen am eigenen Leib machen, um zu wissen, wer mehr dazu tendiert, Unschuldige und Schwächere anzugreifen…
So vom Wohnzimmer aus und am Schreibtisch zu beurteilen, dass Linksradikale und Rechtsradikale ja irgendwie alle dasselbe seien, das ist so eine Sache… Deswegen haben ja auch die Kritiker, die BLOG zuriefen, bei dieser Sache besser zu schweigen, einfach Recht.
che2001 // 8. Februar 2008 um 10:32
Freunde von mir hatten ja zähneknirschend von der Wohnung mit angesehen, wie Neonazis Schwarzafrikaner reihenweise zusammenschlugen, während die Polizei grinsend danebenstand. Sie waren selber radikale Linke und haben dann ihren bürgerlichen Nachbarn deeskaliert, der die Nazis mit einer Büchse mit Zielfernrohr und Zweibeinstativ abknallen wollte. Ich fühlte mich in dieser Zeit ausgesprochen wohl, wenn ich meine kurdisch-irakischen Freunde in der Nähe hatte, denn vor denen hatten die Nazis Angst. Und ich fand es ausgesprochen maßvoll, wenn die Antifa auf Nazi-Schläger dadurch reagierte, dass sie ein Überzahl eigener Leute einfach zum Ort des Geschehens mobilisierte, die durch ihre pure Präsenz die Nazis zumAbzug brachte, mehr passierte durch uns zumeist ja gar nicht. Auf der anderen Seite wurde ein Bundeswehrsoldat, der auf Sieg-Heil-Gegröhle “Schnauze, Ihr Nazis!” gebrüllt hatte für diesen Spruch erschlagen.
NUB // 8. Februar 2008 um 10:44
Auf der anderen Seite wurde ein Bundeswehrsoldat, der auf Sieg-Heil-Gegröhle “Schnauze, Ihr Nazis!” gebrüllt hatte für diesen Spruch erschlagen.
Freunde von mir hatten ja zähneknirschend von der Wohnung mit angesehen, wie Neonazis Schwarzafrikaner reihenweise zusammenschlugen, während die Polizei grinsend danebenstand.
Und womöglich werden solche Taten dann noch Wirtschaftsstandort-erhaltend als nicht politisch motiviert zu den Akten gelegt.
Ich bin ja an sich auch nicht für Nachtreten und hätte dieses Fass jetzt zugelassen, aber jetzt hat sich das alles schon so entwickelt. Da sage ich dann halt mal jedem entsprechend die Meinung… Auch rückwirkend.
Wenn diese ganzen Linke-Szene-Dinge nicht so “unser” Ding sind, kann man sich da ja einfach raushalten. Aber das Andenken von jemandem bespucken, bin ich ebenfalls nicht dabei. Ich schaue es mir fünf mal an, dass bei BLOG unglücklich formuliert wird, zehn mal, fünfzehn mal, aber irgendwann bekommt da halt doch mal jemand was gesagt… Und wenn er dann keine Kritik vertragen kann, in Selbstgerechtigkeit und weinerlichem Selbstmitleid badend das Opfer spielen muss bzw. noch einen Sündenbock braucht, der ja eine Kampagne gegen ihn betreibt, hat er es nicht besser verdient.
Libero // 8. Februar 2008 um 11:02
Vollbesetzter S-Bahnzug. Du bist mit einem behinderten Kind unterwegs. Vier Sitze. Warschauer Strasse. Etwa 1995. Die auf den beiden anderen Sitzen steigen aus. “Deutsche ” steigen ein. In dem Augenblick macht St. Sozialgeräusche. Sie werden aufmerksam, setze sich zu dir, Bierdosen in der Hand, aus denen Bier auf deine Hose und deine Haare gegossen werden. Ich bin kein Held, jedenfalls nicht alleine gegen Übermacht. Hilfe? Wer? alle sahen betont weg. Sie waren nicht die einzigen “Deutschen” im Waggon. Es war eine “nationale” Demo im Anzug, von der ich nichts wusste.
Wie ist es ausgegangen?
Ich habe als Erster gebrüllt. Das hat den Wortführer verdattert. Das hätte aber nicht gereicht, die schaukelten sich auf. Der Zug fuhr in Ostkreuz ein, BGS riss die Türen auf, so ein baumlanger Kerl stellte sich auf und “RAUS”. Dann wurde die Herde eingefangen und zu den bereits Wartenden geführt. Brav wie die Lämmer trieben sie sie vor sich her. Aber mir schlotterten die Knie. Wenn die mich verfolgt hätten, wäre das eine Hetzjagd geworden.
Inzwischen bin ich sehr vorausschauend, wenn ich mit gefährdeten Personen unterwegs bin. Leider nicht immer. Vor ein paar Wochen waren Leipziger da, die Südkreuz aus dem RE stiegen und zur alten Försterei von Eisern Union wollten. Weit vor dem Spiel. Bereits mit netten Bierpegeln. Schaukelten sich auf. Kein BGS weit und breit. Ich war froh, wie ich draussen war. Die warteten nur auf den Zündfunken. Hemmungen hatten die keine mehr. Was wird im Polizeibericht gestanden haben? Keine besonderen Vorkommnisse.
Wenn ich mit dem Rad im schönen Brandenburg unterwegs bin, ist es auch sinnvoll, vorausschauend und wachsam zu fahren. Meistens hört man sie vorher. Ihre Musik ist ja selten auf Zimmerlautstärke. Ihr Gröllen auch nicht. Was daran Deutsch sein soll, frage ich mich.
NUB // 8. Februar 2008 um 11:25
Es gibt auch Einschüchterung und Gefühle der Bedrohung, weil man weiß, dass die Überdeutschen nur auf eine Gelegenheit warten, sich jemanden zu schnappen, gerade, wenn sie in der Überzahl sind und kein Ordnungshüter weit und breit. Alles Dinge, die anscheinend im Elfenbeinturm auf dem Planeten Liberalala völlig unbekannt sind.
NUB // 8. Februar 2008 um 11:28
Und dann so Standard-Floskeln wie “Ich als Liberaler … dies und das…” — replace(’Ich als Liberaler’, ‘Ich als Muttersöhnchen, das keine Ahnung vom wirklichen Leben hat’).
che2001 // 8. Februar 2008 um 11:29
Da finde ich meinen Vater ja interessant, der den NS selber erlebt hat (mit 16 Hauptsturmführer in einer SS-Division, heute eher links stehend und z.B. sehr philosemitisch). Er meint immer, die Neonazis wären überhaupt keine Nazis, die richtigen Nazis wären extrem organisiert, extrem elitär und extrem ordentlich gewesen, Leute wie die heutigen Faschoskins wären als “asoziale Jugendliche” nach Moringen oder Dachau gekommen.
Libero // 8. Februar 2008 um 11:36
Ich kenne die Deutschen. Wenn man fest, klar und bestimmt auftritt, dann respektieren sie das. Wenn man weich ist oder verzweifelt, bringen sie einen um
B. Beitz in der Süddeutsche
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/246/155838/
Das ist etwas dran. Aber in einem anderen Sinne. Es gilt allgemein für autoritär heranwachsende Menschen, wie zum Beispiel die hormonumnebelten jungen Immigranten, die schon dein Blick so aggressiv macht, das sie sich in Gewalt hineinsteigern. Eigentlich ein Zeichen von persönlicher Schwäche, egal, wieviel Muckis das verdecken. Massiv oder dieser Albaner sind solche Beispiele.
Das bedeutet nun nicht, daß ich linken Positionen viel abgewinnen kann, ich bin konservativ. Wenn so eine Gegendemo gegen die Mannen des Herrn Vo igt an meinem S-Bahnhof aussteigt… Einmal standen wir uns gegenüber Ich mit dem Rad, Ströbele auch mit dem Rad. Glücklich über seine Begleitung schien er mir auch nicht.
Was mich stört, ist die Neigung der Linken, aggressives Verhalten von Immigranten der Immigration und nicht der autoritären Umgebung zuzurechen. Das ist die gleiche autoritäre Glasglocke wie bei den Neonazis. Unfreie unsichere Menschen, die durch Gewalt auch nicht diese Schwäche überwinden können
NUB // 8. Februar 2008 um 11:37
Na ja, prügelnde und mordende SA-Raufbolde waren ja v.a. anfangs eher für’s Grobe zuständig, undiszipliniert im Auftreten und nicht nach Dachau gekommen, der “Volkszorn” der Reichskristallnacht ist auch so ein Beispiel für einen mordenden Mob; im straff organisierten NS-Staat waren das Unrecht und die Willkür dann aber wirklich bürokratisch und organisatorisch effektiv durchdacht und die Befehlsketten funktionierten. Dem Elitären wurde Rechnung getragen, indem man im NS-Staat Karriere machen konnte, sich hochdienen und hochmorden konnte. Leute für’s Grobe gab es aber weiterhin, das Ordentliche war dann bei den Handlangern Fassade… Ob man heutige asoziale Jugendliche nach der Machtergreifung in schicke Uniformen zwängen und disziplinieren könnte, ist eine andere Frage.
Libero // 8. Februar 2008 um 11:40
@che
Geblieben ist die Sehnsucht nach Unterordnung unter den autoritären Zuchtmeister. Früher war das der allgemeine Erziehungsstil, nicht nur des Elternhauses, logisch, das die damaligen Nazis, auch nicht alle, “geordneter” waren. Wenn man die Exzesse mit Alkohol und Gewalt übersieht. Aber auch nur dann.
che2001 // 8. Februar 2008 um 12:43
Ich gebe Euch da völlig Recht, nur fand ich diese Wahrnehmungsweise des alten Herrn ganz witzig, ich stellte mir dabei nämlich vor, dass man das Neonazis mal ins Gesicht sagt.
@Was mich stört ist die Neigung der Linken usw: Das ist schon wieder eine Pauschalisierung, die ich nicht mitmache. Z.B. haben wir ein Jahrzehnt lang solche Sachen gemacht wie an die Schulen gehen, antirassistische Aufklärungsarbeit dort betrieben, ehrenamtliche Flüchtlingssozialarbeit in den Asylbewerbersammelunterkünften, Kinderbetreuung (auch bei Illegalisierten, die trotz Leben im Untergrund sowas wie improvisierten Schulunterricht und auch Erziehung zum Umgang mit Deutschen bekamen). Das alles ist Bestandteil autonomer Antiraarbeit, die körperliche Auseinandersetzung mit den Nazis auf der Straße ist nur ein ganz kleiner Teil davon.
NUB // 8. Februar 2008 um 12:49
Das verbreitete Unwissen um die Ausdifferenziertheit der Linken und ihre Aktivitäten wird mit der teils im Untergrund, teils einfach privat stattfindenden Aktivität zu tun haben, die zu Öffentlichkeit entweder gar kein Verhältnis hat oder kritisch auf Distanz geht. Dass weite Teile der Öffentlichkeit dann keine Ahnung haben, ist ja kein Wunder.
libero // 8. Februar 2008 um 13:36
@Che
wenn ich das Verhalten von jungen Immigranten gegenüber Linken anspreche, kommt diese Reflexreaktion immer wieder.
che2001 // 8. Februar 2008 um 13:46
@libero: Ich kenne die so nicht, sehe das ganze aber auch aus dem Binnenhorizont des altersmäßig abgeklärteren Teils der Flüchtlingssoliszene.
libero // 8. Februar 2008 um 14:30
@che
Manche Immigranten glauben ja, Deutsche in Deutschland hätten keine Erfahrung mit der Immigration. Als ich Anfang 63 als Schulkind nach Deutschland kam, war ich auch Immigrant. Ein Deutscher mit nichtdeutscher Kindheitssprache. Man spricht DEUTSCH wurde mir entgegengedonnert. So brutal, daß ich mich weigerte, auch nur noch ein Wort Spanisch zu sprechen. Mein Vater, “Volksdeutscher” zweiter Klasse, mit Schulsprache Polnisch zog es nach 1945 vor, ins Ausland zu gehen, um nicht wie seine Eltern als Polacke beschimpft zu werden. Autoritäre Erziehung? Mein Vater war Jg 21. Libero ist ja auch nicht nett gemeint. Es kennzeichnet den Außenstehenden, der ohne Bindungen. Fanden die Mitschüler halt witzig. Ist ja auch netter als das spöttische Tropentoni.
luclog // 8. Februar 2008 um 14:51
So wie ich mich erinnere (lange her) war meine einzig gefährlich Situation auch ein Zusammentreffen mit einem Nazi der auf Gewalt aus war. Ich könnte mich also auch sehr gut einreihen und sagen Nazis sind so. Was sicher auch so ist. Das was heutzutage noch so unter dem Label Nazi rumläuft ist ein sehr Gewalt affine Kultur und erscheint mir eher wie eine Hooligan Szene ohne Fussball. Aber ich sehe da keine politische Wirkung. Eher eine politische Antiwirkung. Die eigentlichen Probleme sind ganz anders gestrickt, auch wenn im Jahre 2008 Leute immer noch mit mit der politischen Landkarte von 1920 durch die Welt laufen.
libero // 8. Februar 2008 um 15:02
@luclog
autoritäres desolates Umfeld + übersteigertes Selbstwertgefühl trotz mangelhafter Leistung + falsches Männerbild + Lust auf Verletzen und Kränken
Das sind die Zutaten, aus denen nicht nur der verlorene Haufen der NeoNanichts gebraut wird
Setz dich mal in eine Berufschulklasse für weniger anspruchsvolle Berufe. Ich habe Kollegen, die da gelandet sind. 1/3 der Schüler bereiten ihnen, sich und anderen Schülern die Hölle auf Erden. Wenn du das Einfachste von denen forderst, versagen sie und überbrüllen ihr Versagen.
Das ist nicht nur politisch destruktiv. Das ist destruktiv für das Zusammenleben und für die Wirtschaft.
Was willst du mit Kerlen, die so drauf sind in welchem Beruf anfangen?
che2001 // 8. Februar 2008 um 15:10
Siehst Du Libero, das ist eine Information, die mir einfach gefehlt und dann Deine Argumentation konzise werden lässt. Den eigenen Hintergrund kann das Gegenüber ja nicht mitdenken.
Klaus // 8. Februar 2008 um 16:55
@ Libero
Einer meiner Lehrer am TG meinte: lieber 6 Stunden bei uns Gymnasiasten als 1 Stunde bei den Berufsschülern, und dabei war der Lehrer eine ganz linke Socke
Zurück zu meinem Lieblingsthema: glaubt ihr ernsthaft, dass bei diesem 1/3 man keine Aussagen über deren Intelligenz und deren genetische Komponente machen kann?
@momorulez
“politische Hegemonie über gesellschaftliche Diskurse herzustellen” … welche politische Gruppe strebt dies nicht an?
luclog // 8. Februar 2008 um 17:15
@ Libero
Das kann man auch sehr gut umdrehen. Meine Position dazu und die kann man in meinen Blog mit Hintergründen nachlesen, sieht etwas anders aus. Es gibt keine Massenarbeit mehr, und es wird auf längere Sicht auch keine Massenarbeiter mehr geben. Alle Ideologischen Konstrukte des 1900 Jahrhunderts die sich auf den Massenarbeit und Massenarbeiter beziehen sind somit hinfällig. Die Vorstellungswelt der gegenwärtigen sozialen Theorie lebt aber immer noch wie fast alle Wissenschaft im 1900 Jahrhundert. Das ist ein Effekt der Zitatkultur, in der eine zukunftsorientierte Diskussion völlig unmöglich ist, schon wegen der mangelnden Autorität der Beteiligten die heutzutage ja durch die Medien allzu anfassbar geworden sind. Mahr wichtig ist was Uropa gesagt hat der nichtmal elektrischen Strom kannte. Nur ganz wenige brechen aus diesem Raster aus und Gründen ihre Urteile auf konkreten Beobachtungen des Zeitgeschehens. Aber alles was der Form nicht genügt ist auch im Diskurs eigentlich nicht vorhanden. Und diejenigen die formal brillieren, schaffen es meist nur auf alten Unfug neuen Unfug zu setzen.
Ich versuche immer jede Sache auf den Kern zu reduzieren. Also die Dinge erstmal durch Reduktion zu entfächern, bevor ich sie dann wieder zusammensetze und dadurch oftmals in der Sache zu völlig anderen Schlüssen komme. Manchmal steht das wichtige dann geradezu zwischen den Zeilen oder am Rande.
Und ohne mich in eine Berufsschulklasse zu setzen, vernachlässigst Du hier offensichtlich, die andere Seite zu sehen. Selbst wenn alle dieser Schüler sich auf das Beste anpassen würden, gebe es nicht mehr Arbeitsplätze und auch nicht mehr Karrieren. Von einem bestimmten Startpunkt aus kann man sich strecken wie man will. Letztlich besteht in unsere schon weitestgehend modernen Gesellschaft ein Problem, welches wiederum ein Problem der Masse ist. Die Masse wird einfach nicht gebraucht. Dies wird im Moment noch durch Umverteilungsmaßnahmen, Beschäftigungsprogramme und eine moderne Massenunterhaltungsindustrie kaschiert.
Die Rabauken in der Schule sind zwar oft dumm, aber nicht so dumm, als daß sie nicht erkennen würden, daß sie sich in der schulischen Anforderungsumgebung anstrengen können wie sie wollen – sie werden das Anforderungsprofil, das für einen Berufsweg nötig ist, so oder so nicht erreichen. Sie können also eigentlich auch lange vorher abbrechen und sich im Karateclub auf ihre Türsteher Karriere vorbereiten. Die Schule und auch das Studium hat eigentlich mittlerweile den Hauptzweck Menschen aus der Arbeitswelt fernzuhalten.
Das eigentliche Problem der Moderne ist somit die Sinngebung für die Masse der Menschen. Arbeit, Familie, einfacher Status reicht für diesen Sinn. Aber die Gesellschaft presst mehr und mehr Menschen in die Rolle eines gesellschaftlichen lebenslangen Therapieempfängers. Da wird es dann dem Einzelnen eben egal wann und wo seine Therapie beginnt. Die Fremdbestimmheit und die dadurch resultierende Entwertung führt dann eben zu Aggression. Und diese Aggression wird dann eben da abgeleitet wo man irgend kann. Letztlich ist es aber für das Individuum egal, es gibt zwar Auswege, aber diese sind seltene Glücksfälle, die nichts mit den Sozialangeboten der staatlichen Stellen zu tun haben. Die Institutionen welche Menschen betreuen haben nicht das Ziel irgendetwas zu verbessern im Vordergrund steht immer nur die eigene Legitimation und Machtausweitung. Die Parameter aber die das Leben des Einzelnen verbessern (Als Beispiel würde ich hier das elektrische Licht nennen) liegen völlig ausserhalb von institutioneller Planung.
NUB // 8. Februar 2008 um 18:24
@Klaus
Zurück zu meinem Lieblingsthema: glaubt ihr ernsthaft, dass bei diesem 1/3 man keine Aussagen über deren Intelligenz und deren genetische Komponente machen kann?
Weshalb soll man über die genetische Komponente eine Aussage machen können? Weil man genügend darüber weiß und Dumm vs. Schlau-Gene identifizieren könnte? Quellenbeleg, wo diese Idee her ist? Oder nur missverständlich ausgedrückt?
Nimmt man an, dass Intelligenz einen genetisch vererbten Faktor enthält, dann ist das aber witzlos, solange man die genetischen Zusammenhänge nicht genau kennt und darstellen kann. Erst recht blödsinnig ist aber die Schlussfolgerung, dann würden Intelligente ja immer nur intelligente Kinder haben bzw. Dumme nie intelligente Kinder u.s.w. Ja wenn die Genetik so einfach wäre, dann könnte ja auch jeder Dumme Biochemiker werden. Das ist doch alles Quatsch und kann im Endeffekt politisch, und in diesem Bereich bewegen wir uns, nur dazu dienen, die variablen und gesellschaftlichen Komponenten rund um die Intelligenz auszublenden, mit dem Hinweis auf etwas Festes, Angeborenes.
Das erinnert alles auch stark an die Klimawandeldebatten. Seriöse Wissenschaftler gehen zwar überwiegend von einem menschgemachten Faktor aus, können aber nicht sagen: “Dieser Wirbelsturm ist jetzt menschgemacht.” — Ähnlich verhält es sich mit den Genen. Einige erwecken den Eindruck sagen zu können: “Da war ein Dumm-Gen am Werk!”
luclog // 8. Februar 2008 um 19:04
Wenn man über Herzmuskelschwäche eine genetische Aussage machen kann dann sicher auch über Intelligenz. Ich glaube aber das die Streuung ganz allgemein nicht so groß ist. Der Unterschied der über Herkunft, Zugang und Spezialisierung (Beschäftigung, die man hinterher Begabung nennt) entsteht ist viel größer.
luclog // 8. Februar 2008 um 19:20
Und ausserdem hab ich da auch mal was zu geschrieben:
Rettet die Ungleichheit
NUB // 8. Februar 2008 um 19:35
luclog
Intelligenz ist aber sicherlich komplexer und schwieriger nachzuvollziehen als ein genetischer Anteil an Herzmuskelschwäche. Bei der Herzmuskelschwäche kann man nach auffälligen Genen suchen und eine Kontrollgruppe von Patienten mit Gesunden vergleichen.
Grob gesagt: Wenn dann bestimmte Korrelationen auftauchen, so dass die Patienten zu einem gewissen Anteil, der höher als in der übrigen Bevölkerung liegt, so eine Genkombination haben, dann kann man sagen, dass die Gene einen FAKTOR ausmachen. Ich wäre mal gespannt, wie man solche Studien mit der Intelligenz machen wollte.
Das Gehirn ist äußerst komplex; dann zu belegen, dass z.B. irgendwie Dummheit in Zusammenhang steht mit dieser und jener Kombination, wie soll man diesen direkten Zusammenhang belegen, wenn man das Gehirn im Gegensatz zu einem Muskel nicht richtig verstanden hat?!
Daher könnte es, angenommen man kann so etwas aussagen, bei Kindern intelligenter Eltern auch wieder eine dumme Konstellation geben. Überhaupt ist der menschliche Organismus ja nicht auf das Gehirn reduzierbar, das ganze Stoffwechsel- und Hormonsystem steht ja auch noch in Zusammenhang mit dem Gehirn, ein System, bei dem alles irgendwie mit allem in Verbindung steht. Das ist z.B. so, wie wenn der Motor Deines Autos schlecht laufen könnte, weil Du den linken Hinterreifen nicht aufgepumpt hast. Man würde so etwas nie so konstruieren, aber im Körper existieren zig chemische Zusammenhänge, die auch wieder irgendwie mit Genen zu tun haben. Nur so als Beispiel: Das Gehirn will ja auch mit Nährstoffen versorgt werden. Und es reagiert auf den Zustand des übrigen “Systems”…
Menschen mit Depressionen u. vegetativen Störungen wären ja an sich nicht weniger intelligent, Kranke, auch mit anderen Krankheiten können aber weniger leistungsfähig sein. Und die Trennung zwischen krank und gesund ist auch nicht so dermaßen scharf anzustellen.
Intelligenz wird über eine Leistung festgestellt, die man auch erbringen kann und muss. Nicht über ein Potenzial, das man haben könnte oder hat. Wenn Du diesbezüglich Definitives feststellen willst, komm in 200 Jahren nochmal darauf zurück.
luclog // 8. Februar 2008 um 20:03
Ich bin mir ziemlich sicher das man das genauso machen könnte wie bei Herzmuskelschwäche. Warum denn nicht?
NUB // 8. Februar 2008 um 20:19
Warum ich das nicht denke, habe ich schon geschrieben. Aber es kommt noch etwas hinzu: Herzmuskelschwäche ist ein “nicht mehr ausreichend funktionieren”. Der Übergang zwischen der (wie gesagt komplexen) Eigenschaft Intelligenz bis zu dem was als weniger intelligent bezeichnet wird, ist sehr fließend und dann werden ja z.T. noch einzelne Begabungen und Teilbereiche der Intelligenz (Logik, Emotionale Intelligenz, Abstraktionsvermögen, Umgang mit Zahlen/Rechnen, sprachliche Intelligenz …) unterschieden. Wann ist denn dann jemand definitiv dumm und wann schlau?
Und warum sollte dann eine Genkombination für genau eine Art “Dummheit” zuständig sein, angenommen es gibt die Zuständigkeit, wenn doch genauso gut verschiedene Kombinationen beteiligt sein könnten, die sich aber in einem anderen Menschen im Wechselspiel mit wieder anderen anders auswirken. Intelligenz und Dummheit sind nicht wie Funktioniert vs. Defekt. Herzmuskelschwäche läuft aber auf einen zunehmenden Defekt heraus… Wer (ich hantiere jetzt so plakativ damit) dumm ist, hatte aber keinen Intelligenzdefekt.
Das Festlegen von geistigen Fähigkeiten als Makel ist nicht biologisch bestimmt, sondern gesellschaftlich. Das heißt, man kann zwar vermuten, dass es Zusammenhänge und Einflüsse gibt, aber die genau identifizieren, kann man nicht. Es wird ja noch viel komplizierter, nimmt man psychologische Entwicklungsfaktoren durch die Umwelt mit hinein, die förderlich oder hemmend für die Entwicklung von Intelligenz sein könnten.
Und daher ist es viel sinnvoller, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man bei der Entwicklung von Kindern und deren Begabungen beeinflussen kann.
luclog // 8. Februar 2008 um 21:50
Du brauchst nur ein ausreichend grobes Raster, dann kannst Du es auch genauso einfach testieren wie Herzmuskelschwäche. Das andere istalles nur Wortnebel drumherum.
Ich selbst weiß nichtmal ob Intelligenz an sich überhaupt ein Vorteil ist. Gerade eigentümliche Sonderbegabungen gehen ja oft mit einer allgemeinen Lebensuntauglichkeit daher. Es gibt da Forschungen über das Phänomen Autismus die faszinierend sind. Die Allermeisten halten sich selbst für hinreichend wenn nicht überdurchschnittlich schlau. Und wahrscheinlich haben sie mit dem hinreichend sogar recht.
Pädagogische Rezepte habe ich aber garkeine, ich hab noch nicht mal ein pädagogisches Interesse. Wenn ich aber sehe mit was für einem Mist Kinder heutzutage belastet werden, finde ich das alles grauenvoll. Wenn die Leute schon gerne Erwachsene therapieren und erziehen wollen, bei Kindern dürfen sie es sogar. Und da ist scheinbar jedes Mittel Recht. Ich hatte letzten das Heft eines Grundschülers in der Hand, und was die als Handschrift aufgezwungen bekommen lässt sich nicht mehr als Schrift bezeichnen. Und die Folter fängt ja erst an. Der arme Junge hat nur Lehrerinnen, Mädchen werden ausserdem immer bevorzugt behandelt und alles was typische für Jungen ist, ist schon ideologischen Gründen schlecht.
NUB // 8. Februar 2008 um 21:57
Du brauchst nur ein ausreichend grobes Raster
Wie willst Du für etwas ein grobes Raster erzeugen, ohne eine Vorstellung von einem feinen Raster? Du kannst ja nicht von etwas abstrahieren ohne das Etwas. Und je mehr Einflussfaktoren Du hast, desto komplexer werden die Zusammenhänge, das sind statistisch zig Dimensionen.
Gerade eigentümliche Sonderbegabungen gehen ja oft mit einer allgemeinen Lebensuntauglichkeit daher.
Es gibt da Forschungen über das Phänomen Autismus die faszinierend sind.
Das sind Inselbegabungen. Aus denen kann man aber sicher nicht schließen, was für die Allgemeinheit von Vorteil ist. Obwohl die Intelligenzforschung natürlich viel aus diesen Fällen lernt.
Pädagogische Rezepte habe ich aber garkeine, ich hab noch nicht mal ein pädagogisches Interesse.
was die als Handschrift aufgezwungen bekommen lässt sich nicht mehr als Schrift bezeichnen. Und die Folter fängt ja erst an. Der arme Junge hat nur Lehrerinnen, Mädchen werden ausserdem immer bevorzugt behandelt
Jetzt weiß ich, was Du nicht hast und nicht willst. Was für ein Konzept hast Du denn?
Wir reden ja eigentlich über Politik und sind nicht in einem Biologieforum…
luclog // 8. Februar 2008 um 22:49
Ein feines Sieb ist keine Vorraussetzung für ein grobes Sieb. Du hast erstmal alle Möglichen Einschränkungen gemacht um die Möglichkeit des Tests von Intelligenz, ganz allgemein für unmöglich zu erklären. Ich weise aber darauf hin, daß diese Einschränkungen erstmal nachrangig sind, da wir doch alle, wenn wir und ernsthaft unterhalten Unterschiede innerhalb der intellektuellen Befähigung und Entwicklung von Menschen feststellen. Und wir werden auch immer feststellen, daß dies erstmal keine Erziehungsartefakte sind, sondern daß diese Grund-Befähigung, schon in den Anlagen der Menschen enthalten sind. Die genetische Mischung führt also immer zu verschiedenen Produkten, die interschiedlich sind. Sie sind unterschiedlich in Hinsicht auf die Muskelkoordination, Größe Haarfarbe und auch auch bei der Intelligenz.
Diese Unterschiede sind innerhalb ähnlicher Populationen wahrscheinlich nicht so Groß. Genau wie auch die Kraftleistung der Muskeln immer recht ähnlich ist. Der Cro-Magnon Mensch hingegen würde diese Unterschiede deutlicher zeigen, und bei einem Affen sind diese Unterschiede schon sehr klar sichtbar. Auch bei verschiedenen Affen innerhalb einer Population schafft man es einem bestimmten Individuum Sprache beizubringen und bei anderen nicht. Und hier liegt es nicht an den kulturellen Unterschieden. Wenn man Kultur und Herkunft als Nebel um diese eigentlich einfache Geschichte herum aufbaut verwirrt man die ganze Sache nur, die eigentlich recht klar und offensichtlich ist: Menschen sind nicht gleich in ihren Befähigungen, und auch nicht biologisch gleich. Es ist ja gerade das schöne an Menschen und am Leben, daß alle unterschiedlich sind. Besonders auffällig sind diese Unterschiede noch bei sehr kleinen Kindern wo die pädagogischen Nivellierungen noch nicht so stark greifen. Aber Du wirst einfach zugeben müssen: Es gibt ganz handfeste Unterschiede bei Menschen die biologischen Ursprungs sind und die man eben nicht durch Lernen oder Erziehung einebnen kann. Ansonsten kann man das sicher auch sehr gut mit uns anhand Nikolei Walujew diskutieren. Ich bin mir der Unterschiedlichkeiten bei Menschen jedenfallsch sicher.
Und wenn ich schon betone, daß ich kein “pädgogisches Konzept” habe, ist es doch sehr unwahrscheinlich, daß ich dann mit einem “pädagogischen Rezept” ankomme.
NUB // 8. Februar 2008 um 22:54
Du hast erstmal alle Möglichen Einschränkungen gemacht um die Möglichkeit des Tests von Intelligenz, ganz allgemein für unmöglich zu erklären.
Nein, Du hast das nicht so richtig verstanden. Nicht Intelligenztests sind unmöglich, nicht da können keine groben Raster gefunden werden, sondern die Zuweisung der festgestellten Intelligenz zu genetischen Unterschieden ist nicht machbar, solange man da nicht genau im Detail alle Zusammenhänge findet und zuordnen kann. Solange ist nur die Annahme denkbar, dass es Zusammenhänge und Einflüsse durch Gene gibt. Man kann aber nicht sagen Gen 3452313 macht intelligent oder sowas… Und man kann nicht sagen, Familie Meier hat die Intelligenz in den Genen, die kriegen nur kluge Kinder, Familie Schröder kann nur dumme hervorbringen. Sowas wäre pseudowissenschaftlicher Unsinn.
NUB // 8. Februar 2008 um 23:05
Ich bin mir der Unterschiedlichkeiten bei Menschen jedenfallsch sicher.
Natürlich sind die Menschen unterschiedlich. Aber ich bestreite, dass Du da in jedem Fall genau weißt, woran es liegt.
und die man eben nicht durch Lernen oder Erziehung einebnen kann
Wenn Du die beiden Gegensätze so lassen und einebnen gegenüber stellst, kannst Du immer die Aussage belegen, die Du gerade belegen willst. Anstatt einen Unterschied einzuebnen, kann man ihn ja z.B. durch Lernen und Erziehung eventuell etwas abschwächen. Ein Legastheniker kann z.B. üben und muss sich halt mehr anstrengen, aber es sagt keiner: Versuchen wir gar nicht erst, den Unterschied einzuebnen. Bei Lernbehinderten das gleiche.
Und wenn ich schon betone, daß ich kein “pädgogisches Konzept” habe, ist es doch sehr unwahrscheinlich, daß ich dann mit einem “pädagogischen Rezept” ankomme.
Irgendein anderes Konzept, das entfernt mit Politik zu tun hat, hätte es ja auch getan.
Klaus // 8. Februar 2008 um 23:19
@ NUB
Ich sprach von genetischer Komponente. Aber du suggerierst indem du von Dumm-Gen und Schlau-Gen sprichst, dass ich von einem simplifizierenden Weltbild ausgehen würde. Mitnichten. Aber das ist ja auch nur der Anfang um den Strohmann aufzubauen, dem unterstellt wird, dass Intelligente *nur* intelligente Kinder hervorbringen und dass Dumme *nie* intelligente Kinder zeugen. Das behaupte ich nicht und mir ist auch kein Wissenschaftler bekannt, der das aktuell behaupten würde.
Umgekehrt wird ein Schuh draus – zumindest der Teil der Debatte um den es mir geht – die genetische Komponente wird ständig ausgeblendet, es wird so getan als wäre sie Null oder nahe Null. Und wer sie doch ins Spiel bringt als *eine* mögliche Erklärung von sichtbaren Phänomenen, der wird gleich diffamiert, z.B. mit “bräunelnder Sozialdarwinismus”. Deswegen klappt es auch mit der Analogie zur Klimawandeldebatte nicht so richtig, denn ist es wirklich notwendig sagen zu können, dass jener Wirbelsturm menschengemacht ist, um Klimaschutz zu rechtfertigen? Wohl kaum.
Aber in dem Beitrag, der diese Debatte gestartet hat, geht es nicht um die Entscheidung zwischen *nie* und *nur*, sondern um eine effizientere Verwendung von Ressourcen, denn in den linken Diskursen wird häufig die unausgesprochene Annahme gemacht, dass die Ressourcen unendlich sind. Das wird zwar nie gesagt, weil es unhaltbar ist, aber wird trotzdem implizit vorausgesetzt, und das schadet meiner Meinung nach mehr hier in Deutschland, als die Leute, die behaupten, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt.
Und?
IMHO sind vier von deinen fünf Kriterien Merkmale die in IQ-Tests abgefragt werden (neben einigen anderen)
Das Festlegen von geistigen Fähigkeiten als Makel ist vielleicht gesellschaftlich bestimmt, aber damit nicht zwangsläufig die geistigen Fähigkeit selbst. Wahr ist allerdings, dass die moderne Gesellschaft die kleinen Unterschiede verstärkt. Der, der etwas intelligenter und etwas motorisch geschickter ist, hat eher Chancen Neurochirurg zu werden, aber ich glaube zum Wohle der Gesellschaft und insbesondere der Patienten.
NUB // 8. Februar 2008 um 23:26
Klaus
Das Festlegen von geistigen Fähigkeiten als Makel ist vielleicht gesellschaftlich bestimmt, aber damit nicht zwangsläufig die geistigen Fähigkeit selbst.
Hat ja auch keiner behauptet. Aber wenn Du von “der geistigen Fähigkeit selbst” sprichst, musst Du sie ja irgendwie erfassen, z.B. mit einem Intelligenz-Quotienten. Und das machst Du, das ist ja nicht in den Genen schon mit drin.
Aber das ist ja auch nur der Anfang um den Strohmann aufzubauen, dem unterstellt wird, dass Intelligente *nur* intelligente Kinder hervorbringen und dass Dumme *nie* intelligente Kinder zeugen. Das behaupte ich nicht und mir ist auch kein Wissenschaftler bekannt, der das aktuell behaupten würde.
Und was wird behauptet? Und welche politische Relevanz hat es?
Aber in dem Beitrag, der diese Debatte gestartet hat, geht es nicht um die Entscheidung zwischen *nie* und *nur*, sondern um eine effizientere Verwendung von Ressourcen, denn in den linken Diskursen wird häufig die unausgesprochene Annahme gemacht, dass die Ressourcen unendlich sind. Das wird zwar nie gesagt, weil es unhaltbar ist, aber wird trotzdem implizit vorausgesetzt, und das schadet meiner Meinung nach mehr hier in Deutschland, als die Leute, die behaupten, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt.
Warum kann nicht beides schaden? Warum musst Du das eine in Beziehung zum anderen bringen? Warum muss man die Intelligenzunterschiede einfließen lassen, wenn es um die Endlichkeit der Ressourcen geht?
Deswegen klappt es auch mit der Analogie zur Klimawandeldebatte nicht so richtig, denn ist es wirklich notwendig sagen zu können, dass jener Wirbelsturm menschengemacht ist, um Klimaschutz zu rechtfertigen?
Nein, aber es wäre notwendig, Genaues über genetische Zusammenhänge zu wissen, um etwas mit einem genetischen Einfluss auf Intelligenz anfangen zu können. Sonst ist das nur etwas, mit dem man anderes begründen will, ohne sich mit Genetik befassen zu müssen.
Wenn es darum geht, Menschen z.B. von vornherein vorzugeben, was für sie besser ist, was sie besser lassen sollten, so ist das nicht liberal. Liberal ist es, die Leistung von Menschen anzuerkennen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen, ihre Situation zu verbessern. Nicht zu sagen: Dass Du diese und jene Möglichkeiten hast, zementieren wir fest. Zudem ist die Kalkulation, jemand profitiere nicht von Bildung und die Gesellschaft auch nicht, wenn nicht das vorher definierte Ziel bei Bildung erreicht wird, zu kurzsichtig. Es gibt viele Karrieren, die über Umwege zu Stande kamen. Und es gibt auch so etwas wie eine Bildung abseits von Leistungsnachweisen, von der Menschen profitieren, weil sie etwas fürs Leben lernen.
Und vor Bildung gibt es ja wohl auch eine ganze Reihe anderer Dinge, bei denen gespart werden könnte. Oder nicht?
IMHO sind vier von deinen fünf Kriterien Merkmale die in IQ-Tests abgefragt werden (neben einigen anderen)
Du scheinst, übrigens teilweise mit luclog, anzunehmen, ich hätte die Möglichkeit von IQ-Tests bestritten. Ich habe die Zuweisung zu Genen bestritten, weil man identifizieren muss, was man zuweist. Und das kann man nicht. Nochmal: Man kann vermuten, dass es einen genetischen Zusammenhang bzw. Einfluss gibt, man kann ihn aber nicht benennen.
Der, der etwas intelligenter und etwas motorisch geschickter ist, hat eher Chancen Neurochirurg zu werden, aber ich glaube zum Wohle der Gesellschaft und insbesondere der Patienten.
Zum “Wohle der Gesellschaft” ist es auch, wenn Menschen überhaupt einer Arbeit nachgehen und sich einbringen. Es muss ja nicht jeder Neurochirurg werden. Du bringst / Ihr bringt das zusammen mit Biologie, argumentiert dann aber, jemand würde Strohmänner errichten und es ginge um was anderes. Dann brauchst Du für Dein Argument ja auch keine Biologie!?
luclog // 9. Februar 2008 um 0:32
@ NUB
Ich finde nicht, daß der genetische Einfluss noch als ein Einfluss bezeichnete werden kann den es nicht gibt, nur weil ich Dir jetzt nicht erklären kann wie es genau funktioniert und welche genetischen Zusammenhänge jetzt was bewirkten. Ich bin keine Genetiker. Es reicht für unser Laienverständnis völlig, daß man den Zusammenhang zwischen Vererbung und Intelligenz ganz offensichtlich erkennen kann. Wie viel das jetzt ausmacht kann ich auch nicht beziffern es ist aber sicher ein Einfluss den man nicht unterschätzen sollte.
Nimm einfach Nikolei Walujew und Martin Tajmar (über den ich gerade etwas geschrieben habe) als Beispiel und schau sie Dir an. Ich finde den genetischen Unterschied ganz offensichtlich, und mit Sicherheit hat das auch mit den Fähigkeiten zu tun. Und man kann mit noch so tollen Förderprogrammen aus einem Tajmar keinen Schwergewichtsboxer und aus einem Valujew keinen Spitzenforscher machen.
NUB // 9. Februar 2008 um 0:40
@luclog
Ich finde nicht, daß der genetische Einfluss noch als ein Einfluss bezeichnete werden kann den es nicht gibt, nur weil ich Dir jetzt nicht erklären kann wie es genau funktioniert und welche genetischen Zusammenhänge jetzt was bewirkten.
Ich habe nicht gesagt, dass ich weiß, dass es keinen gibt. Aber was willst Du mit einem Einfluss anfangen, den Du nicht genau eingrenzen, benennen und identifizieren kannst, von dem Du auch nicht sicher sein kannst, wie er funktioniert?
Ich bin keine Genetiker. Es reicht für unser Laienverständnis völlig, daß man den Zusammenhang zwischen Vererbung und Intelligenz ganz offensichtlich erkennen kann. Wie viel das jetzt ausmacht kann ich auch nicht beziffern es ist aber sicher ein Einfluss den man nicht unterschätzen sollte.
Nimm einfach Nikolei Walujew und Martin Tajmar (über den ich gerade etwas geschrieben habe) als Beispiel und schau sie Dir an. Ich finde den genetischen Unterschied ganz offensichtlich, und mit Sicherheit hat das auch mit den Fähigkeiten zu tun.
Was hat mit den Fähigkeiten zu tun? Wie sie aussehen?
luclog // 9. Februar 2008 um 0:55
http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz
Jetzt habe ich eben mal bei Wikipedia nachgeschaut und selbst die zeigt sich mit mir einer Meinung.
In der wissenschaftlichen Psychologie besteht heutzutage breiter Konsens, dass sowohl Vererbung als auch Umwelteinflüsse für die Intelligenzentwicklung eine Rolle spielen [48] [49]. Uneinigkeit herrscht allerdings darin, in welchem Umfang die einzelnen Faktoren relevant sind. Einige Autoren, wie z.B. Rowe (1997) weisen außerdem darauf hin, dass die relevanten Umwelteinflüsse meist nicht näher identifiziert werden können und dass es sich dabei um nicht familiär geteilte Umweltaspekte handelt, also um solche, die beispielsweise auf gemeinsam aufwachsende Geschwister in unterschiedlicher Weise wirken
Obwohl, da dort auch solche Sätze stehen, halte ich die Quelle in diesem Fall für nicht sehr seriös:
[i]
Während Intelligenz in der Mittelschicht zu einem großen Teil erblich sei, sei sie dies in der Unterschicht nicht.[/i]
Aber Wikipedia ist immer ein guter Ansatz für weitere Informationen.
NUB // 9. Februar 2008 um 0:59
luclog
Und da steht auch: Uneinigkeit herrscht allerdings darin, in welchem Umfang die einzelnen Faktoren relevant sind.
Unklarheit herrscht jetzt bei mir, was politisch mit dem erblichen Faktor, dessen
- Umfang man nicht kennt
- genetische Funktionsweise unklar ist
überhaupt angestellt werden soll.
Dass etwas teilweise vererbt wird, ist nämlich keineswegs schon Indiz für eine brauchbare Aussage. In unseren Familien können mal mehr, mal weniger intelligente Leute sein, die irgendeinen erblichen Faktor ihrer Intelligenz mit sich herumtragen. Und jetzt?
luclog // 9. Februar 2008 um 1:01
Was hat mit den Fähigkeiten zu tun? Wie sie aussehen?
Also als Personalchef würde ich dich schon mal nicht einstellen. Du würdest auf Bewerbungen ohne Lichtbild bestehen.
NUB // 9. Februar 2008 um 1:07
Du würdest auf Bewerbungen ohne Lichtbild bestehen.
Das Lichtbild dient ja nicht dazu zu bewerten, wie intelligent jemand ist. Sonst könntest Du ja auch teilweise schon auf Qualifikationsnachweise verzichten, weil das Lichtbild Deiner Ansicht nach einen intelligenten Menschen zeigt. Auch Teile des Bewerbungsgesprächs könntest Du weglassen.
Ich wäre da an Deiner Stelle vorsichtig und würde Vorurteil nicht mit Erfahrung oder Faktenwissen verwechseln. Wenn Du das völlig ernst meinst, bin ich mir auch nicht sicher, ob Du weißt, was Du da vertrittst.
Vitali Klitschko ist auch Boxer, aber auch Akademiker. Sieht der jetzt irgendwie viel schlauer aus oder weniger schlau oder wie oder was…!?
luclog // 9. Februar 2008 um 1:09
Hmm, eine Forderung die daraus resultiert hatte ich in der vorherigen Diskussion schon genannt. Ein vernünftiger Staat muss auch für Menschen mit geringer Befähigung die Möglichkeit eines würdevollen Lebens enthalten.
NUB // 9. Februar 2008 um 1:11
Hat das einen Bezug zu dem, was ich zuletzt geschrieben habe?!
Ach so, zum vorletzten Kommentar wahrscheinlich.
luclog // 9. Februar 2008 um 1:34
Hmm, gerade kommen alle von mir gesandten Emails an Dich mit einer Failure Notiz zurück.
Hi. This is the qmail-send program at yahoo.com.
I’m afraid I wasn’t able to deliver your message to the following addresses.
This is a permanent error; I’ve given up. Sorry it didn’t work out.
NUB // 9. Februar 2008 um 1:37
Keine Ahnung wieso. Probiere mal neuesundbekanntes[ at]hotmail.de
NUB // 9. Februar 2008 um 2:01
Übrigens nimmt man ja an, dass bestimmte Wahrnehmungen, z.B. jemanden als schön zu empfinden, auch schon angeboren sind. Man hat herausgefunden, dass Menschen symmetrische Gesichter von Models als attraktiver bewerten. Da wird in verschiedenen Bereichen allerlei Forschung betrieben. Um zum Vorurteil mit dem Aussehen zurückzukehren: Denkt man sich einen Menschen in Anzug und Krawatte, ordentliche Haare, gewaschen, rasiert und einen Arbeiter im Blaumann oder mit Müllmännerkleidung, vielleicht noch mit unordentlichen Haaren und Drei-Tage-Bart, dann kann es durchaus sein, dass dem Betrachter der Mann im Anzug irgendwie schlauer vorkommt… Auch so ein beliebtes Klischee od. Symbol: Die Brille. Viele empfinden die Brille als etwas, womit jemand schlau aussieht. Ähnliches kann es auch für andere Merkmale oder Symmetrien und Formen im Gesicht geben u.s.w. Aber das ändert ja nichts daran, dass auch das (abgesehen von dem, was man schön findet — ohnehin subjektiv) Vorurteil ist. Das dann gesellschaftlich akzeptiert ist, weil “natürlich”, “menschlich”.
Da gab es auch die Intellektuellen/Linken-Brille als Symbol, so eine Brille mit runden Gläsern. So jemand war dann belesen, gehörte zur “Intelligenz”.
Dass die meisten Leute über die Art und Weise, wie sie etwas wahrnehmen und warum, kaum nachdenken, ist dabei der Regelfall.
Da sind gesellschaftliche und auch biologische Mechanismen am Werk, die unsere Wahrnehmung beeinflussen. Weil für uns aber jemand schlau aussieht, muss er ja nicht schlau sein. Vor allem muss jemand, der für uns nicht schlau aussieht, nicht dumm sein.
luclog // 9. Februar 2008 um 2:39
Aus der Sache mit der Brille ergibt sich sogar ein ganz allgemeiner Vorteil für Brillenträger in mittlerweile fast allen Berufen die man für intellektuell hält.
Das ist aber nicht das worauf ich mit der Gegenüberstellung hinauswollte. Ich wollte, anhand eines Beispiels unterschiedlicher Typen, die offensichtliche Unterschiedlichkeit von Menschen illustrieren. Und ansonsten weiß ich auch nicht weiter was ich noch aufbieten könnte. Selbst bei Wikipedia steht es im Groben und Ganzen so da, wie ich es auch darstelle.
NUB // 9. Februar 2008 um 8:58
luclog
Ich wollte, anhand eines Beispiels unterschiedlicher Typen, die offensichtliche Unterschiedlichkeit von Menschen illustrieren.
Wer hat denn die Unterschiedlichkeit von Menschen bestritten?
Nur solange Du Dir bei Beurteilungen dieser Unterschiede nicht allzu sicher sein kannst, wo deren Ursachen und Zusammenhänge überall liegen, Vererbung ins Spiel zu bringen, was soll das bringen?
Willst Du bestreiten, dass Deine Aussage, die Vererbung habe bestimmt auch etwas mit Fähigkeiten zu tun, unpräzise ist? Außerdem ist ja auch klar, dass Unterschiede zwischen Menschen nicht in jedem Fall fest “verdrahtet” sind und daher alle als ohnehin nicht zu ändern zu gelten haben.
Es gab doch mal diese Kampagne, Menschen, die als Erwachsene noch immer nicht lesen und schreiben können, dies endlich beizubringen. Natürlich tun die sich dann schwerer als jedes sprachlich begabte Kind. Aber wolltest Du Dich neben so jemanden hinstellen und sagen: Tja, die Menschen sind halt unterschiedlich. Der kann halt nicht mal lesen und schreiben !? So als wäre das fest vorgegeben. Oder ist es sinnvoller, soweit wie möglich das zu verbessern, was dann doch nicht unabänderlich ist?
Oben habe ich das Beispiel Legastheniker gebracht, wenn es um sprachliche bzw. schriftliche Fähigkeiten geht. Unterschiedlichkeit wird in allen Bereichen der Politik mit berücksichtigt. Aber noch nirgendwo ist es da für irgendwas nötig gewesen, die Vererbung mit aufzunehmen.
Wie schon erwähnt, es wird ja über Politik geredet, nicht Themenschwerpunkt Biologie. Ihr drückt Euch jetzt alle so ein bisschen davor anzugeben, was man mit dem Vererbungshinweis bezweckt.
Libero // 9. Februar 2008 um 10:14
Es gibt einige Familien des Bildungsbürgertums oder des Wirtschaftsbürgertums, in denen das geistige Niveau der vorangegangenen Generation sehr lange aufrechterhalten werden konnte, aber die Regel ist das nicht. Es ist eher die Regel, das es sehr große Unterschiede zwischen den Kindern gab und gibt und das es Blütezeiten des Geistes und eben Täler gab. Man muß sich nur einmal die Entwicklung der Ratsherrenfamilie in Deutschland ansehen. Das ist bei vielen Städten sehr genau untersucht.
Es gibt eine deutsche Familie, deren Werdegang ist im Internet über mehr als 16 Generationen nachzuvollziehen. Einen der vorletzten Generation kenne ich persönlich. Es handelt sich um die Fugger vom Reh, die vor den Fuggern von der Lilie zu Reichtum kamen und ihn auch viel früher verloren. Lange Zeit hatte man ja geglaubt, dieser Zweig der Fugger wäre erloschen, aber dem ist nicht so. Vom Reh ist natürlich nicht ein Adelstitel, sondern kennzeichnet das Hausschild dieser Fuggerfamilie. Es ist interessant, über die Jahrhunderte nachzulesen, welche Berufe die Fugger vom Reh ausübten. Das ist alles dabei, vom Arbeiter über den Handwerker bis zum Akademiker.
Es gibt natürlich Familien, in denen die Begabung über Generationen erhalten bleibt. Ein Beispiel sind die Seidels. Heinrich Seidel war Ingenieur und Schriftsteller, sein Sohn Pfarrer und Schriftsteller, dessen Kinder ebenfalls Schriftsteller und mit dessen Sohn, der einen anderen Namen wählte, endete die Tradition. Das Buch über die Seidels stammt von diesem Seidel, der nicht mehr Seidel heissen wollte. Aber die Seidel sind nicht die Spitze der deutschen Literatur. Welche Kinder von Geistesgrößen haben es denn geschafft, die Leistungen ihrer Eltern zu erreichen, gar zu übertreffen?
Akademiker reproduzieren sich nicht immer als Akademiker. Beim geistigen Mittelmaß wie den Seidels (Heinrich verzeih mir, aber der Anhalter Bahnhof und die Yorkbrücken sind nun mal deine bedeutendsten Werke) mag das zutreffen. Je intelligenter und erfolgreicher die Eltern, um so schwieriger ist es auch für die Kinder, sich aus ihrem Schatten zu lösen. Hinzu kommt, das erfolgreichen Eltern oft völlig die Fähigkeit abgeht, diese besondere Herausforderung ihres Nachwuchses überhaupt zu erkennen.
Besonders intelligente Eltern sind keineswegs eine Garantie für besonders intelligente Kinder. Auch geistig relativ schlichte Eltern haben hin und wieder trotz der ungünstigen Umgebung intelligente Kinder. Je intelligenter die Eltern, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß es ihre Kinder nicht sind, jedenfalls nicht auf ihrem Niveau.
NUB // 9. Februar 2008 um 10:33
Libero
Einen der vorletzten Generation kenne ich persönlich. Es handelt sich um die Fugger vom Reh, die vor den Fuggern von der Lilie zu Reichtum kamen und ihn auch viel früher verloren. Lange Zeit hatte man ja geglaubt, dieser Zweig der Fugger wäre erloschen, aber dem ist nicht so. Vom Reh ist natürlich nicht ein Adelstitel, sondern kennzeichnet das Hausschild dieser Fuggerfamilie. Es ist interessant, über die Jahrhunderte nachzulesen, welche Berufe die Fugger vom Reh ausübten. Das ist alles dabei, vom Arbeiter über den Handwerker bis zum Akademiker.
Genau, weder die Biographien von Einzelnen, noch die ganzer Familien laufen geradlienig und monoton.
Je intelligenter die Eltern, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß es ihre Kinder nicht sind, jedenfalls nicht auf ihrem Niveau.
Auch das kann man nicht annehmen. Und da ja ganz hohe IQs ohnehin nur bei einem kleinen Teil der Bevölkerung vorhanden sein sollen, ist da eine statistische Gesamtaussage ohnehin schwierig. Es sei denn, man beschränkt sich auf die höchsten IQs und leitet daraus ab, dass die Kinder wahrscheinlich nicht so eine Ausnahme darstellen werden. Was aber alles wie gesagt für die Politik bzgl. der Vererbung kaum verwertbar ist. Die Unterschiedlichkeit von Menschen fließt hingegen in die Politik ein.
NUB // 9. Februar 2008 um 18:17
NEW YORK TIMES – After the Bell Curve By DAVID L. KIRP / July 23, 2006
Together with several colleagues, Turkheimer searched for data on twins from a wider range of families. He found what he needed in a sample from the 1970’s of more than 50,000 American infants, many from poor families, who had taken I.Q. tests at age 7. In a widely-discussed 2003 article, he found that, as anticipated, virtually all the variation in I.Q. scores for twins in the sample with wealthy parents can be attributed to genetics. The big surprise is among the poorest families. Contrary to what you might expect, for those children, the I.Q.’s of identical twins vary just as much as the I.Q.’s of fraternal twins. The impact of growing up impoverished overwhelms these children’s genetic capacities. In other words, home life is the critical factor for youngsters at the bottom of the economic barrel. “If you have a chaotic environment, kids’ genetic potential doesn’t have a chance to be expressed,” Turkheimer explains. “Well-off families can provide the mental stimulation needed for genes to build the brain circuitry for intelligence.”
This provocative finding was confirmed in a study published last year. An analysis of the reading ability of middle-aged twins showed that even half a century after childhood, family background still has a big effect — but only for children who grew up poor.
luclog // 9. Februar 2008 um 19:56
luclog sagt:
8. Februar 2008 um 19:04
Wenn man über Herzmuskelschwäche eine genetische Aussage machen kann dann sicher auch über Intelligenz.
Ich glaube aber das die Streuung ganz allgemein nicht so groß ist. Der Unterschied der über Herkunft, Zugang und Spezialisierung (Beschäftigung, die man hinterher Begabung nennt) entsteht ist viel größer.
Libero // 9. Februar 2008 um 20:45
@luclog
Wir hatten ja schon mal einen Praxisversuch in Europa. Eine Gruppe der Gesellschaft, besser genährt, mit Auswahl der Ehepartner und zumindest in den letzten Jahrhunderten mit Zugang zu Bildungseinrichtungen. Also ich kenne einige Adlige. Hochgebildet, aber irgendwie langweilig. Es zieht sie selten in die Bereiche, in denen Kreativität bewiesen werden muß. Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Medizin
Ist es nicht auffallend, daß zwischen den Studenten und den Dozenten der Ivy League hinsichtlich der sozialen Herkunft eine erhebliche Diskrepanz klafft. Viele unterrichten an Institutionen, die sie als Studenten nicht absolvieren konnten.
Sehen sie sich mal an, wer unter den erfolgreichen und innovativsten Scientists unter 40 bei der Technological Review des MIT auftaucht. Doch nicht Nachkommen des gehobenes Bürgertums. Was ist das für eine Elite, deren Nachkommen sich scheuen, die wirklichen geistigen Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen. Das ist das Verhalten von Etappenhengsten, aber nicht von Elite.
Hinsichtlich Genetik sollte man vielleicht sich auch etwas mit Epigenetik befassen. Die Gene sind nicht ein Schicksal. Sie sind wie ein Buch, das gelesen wird. Das gleiche Buch von unterschiedlichen “Lesern” gelesen führt zu unterschiedlichen Anmerkungen und Ausführungen des Inhaltes dieses Buches, die an die Nachkommen vererbt werden können. Der alte Lamarck lag gar nicht so falsch.
luclog // 9. Februar 2008 um 22:08
@ Libero
Ich wollte sowieso noch etwas zu Deinen Familiengeschichten von heute Morgen bemerken. Es ist bei der Genetik sicherlich so, daß die Kinder von 2 Elternteilen Erbeigenschaften mitbekommen. Und von daher kommt es bei Familien über 16 Generationen auch zu merkwürdigsten Liebschaften. Ich habe da schon von Männern gehört die sich ihre Partner nicht nach dem Kriterium Intelligenz aussuchen. Und nebenbei: Selbst das Kriterium Gesundheit oder Schönheit lässt sich ja mittlerweile durch plastische Chirurgie völlig überdecken. Und sogar die Blondine ist dadurch nun vom Aussterben bedroht, weil sich die Konkurrenz einfach die Haare färbt um für dumm gehalten zu werden.
Der einzige Ausweg ist wohl seine Gene breit zu streuen, da hatte ich kürzlich von einem chinesischem Adligen gelesen der mittlerweile Millionen nachkommen haben soll.
NUB // 9. Februar 2008 um 22:35
luclog
genetische Aussage
Darunter verstehe ich halt schon was Präzises. Aber das ist dann wohl nur Wortklauberei… Allein festzustellen, es gebe einen erblichen Anteil, ist für mich keine genetische Aussage.
Dass der NYT-Artikel bedeutet, Wissenschaftler kommen nach ein paar Jahren darauf, eine vorhergehende Aussage sei so nicht richtig gewesen, ist Dir ja sicherlich aufgefallen. Dass der aktuelle Stand der Dinge eher bedeutet, von einem Intelligenzpotenzial auszugehen, das unter guten Bedingungen zur Entfaltung kommen kann, müsste damit ebenso klar sein. Das meinte ich ja die ganze Zeit mit “ist nicht alles so fest verdrahtet”… streckenweise hast Du dann herausgelesen “IQ-Test kann man eigentlich nicht machen” und “Unterschiede sollen eingeebnet werden”…
Libero // 9. Februar 2008 um 22:39
@luclog
Die Gene eines Menschen sind wie ein Buch. Es wird gebraucht wie Sie auch ein Buch gebrauchen. Sie lesen es, manches überspringen Sie, einiges lesen Sie mehrfach, schreiben gar Anmerkungen ins Buch. Nichts anderes passierte und passiert mit ihren Genen. Das gleiche Buch, ausgeführt von unterschiedlichen Lesenden, verändert sich mit dem Gebrauch. Diese Veränderungen werden mit dem Buch weitergegeben.
Ich kannte ein Paar, beide hochintelligent, Ärzte, der Mann hatte einen Lehrstuhl inne. Alle drei Kinder waren nicht in der Lage, ihren Eltern beruflich zu folgen. Die Auswahl der Partnerin, des Partners nach der Intelligenz muß nicht zu intelligenten Kinder führen. Das kann man mit Ausbildung überdecken. Aber nicht überdecken kann man die fehlende Kreativität, mit der Ausbildung etwas anfangen zu können. Die werden dann MeToo’s.
Vor kurzem gab es ein Buch, das die meisten heutigen Engländer von damals Wohlhabenden abstammen würden. Ich denke viel entscheidender ist die Durchlässigkeit der englischen Oberschicht. Ein Wollhändler Spencer wird geadelt, seine Nachkommen sind als Churchills und Spencers immer im Umkreis des Thrones. Aber der Enkel eines Duke ist ein Bürgerlicher wie Winston Churchill, der im Prinzip jeden bürgerlichen Beruf nachgehen kann und wieder durch persönliche Leistung in den Adel zurückkehrt. Eine Familie, die einen adlig, die anderen nicht. Es ist eine der Schwächen Kontinentaleuropas, das dieser Abstieg ins Bürgertum ein Abstieg war.
NUB // 9. Februar 2008 um 22:43
Libero
Die Gene eines Menschen sind wie ein Buch. Es wird gebraucht wie Sie auch ein Buch gebrauchen. Sie lesen es, manches überspringen Sie, einiges lesen Sie mehrfach, schreiben gar Anmerkungen ins Buch.
Auch ein wichtiger Gedanke. Statt Buch könnte man Bauplan sagen. Bauplan wie ein Körper aufgebaut sein soll und arbeiten soll. Leben muss dann aber der Mensch. Und es ist doch völlig klar, wenn wir von Lernen sprechen, dass sich dies auf alle möglichen Erfahrungen und Erkenntnisse erstreckt, die wir in unserem Leben gesammelt haben und die zu jeweils neuen Gehirnverknüpfungen oder Änderungen im chemischen Zusammenspiel führen. Wir prägen uns dadurch wie wir leben und das Leben prägt uns.
luclog // 9. Februar 2008 um 23:46
@ Nub
Darunter verstehe ich halt schon was Präzises. Aber das ist dann wohl nur Wortklauberei… Allein festzustellen, es gebe einen erblichen Anteil, ist für mich keine genetische Aussage.
Für mich auch nicht. Und wir sehen ja auch das die Wissenschaft da schon viel weiter ist.
Die Position von Turkheimer war ja auch schon bei Wikipedia enthalten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz
Ich hatte das von Turkheimer so verstanden, das unter schlechten Bedingungen Intelligenz die in den Anlagen enthalten sich nicht entwickeln kann.
“If you have a chaotic environment, kids’ genetic potential doesn’t have a chance to be expressed,”
Wo ist da eigentlich überhaupt eine Überraschung? Das hat schon die Mutter von meiner Tante genau so behauptet. Diese Erkenntnis kommt mir weder neu, noch irgendwie besonders originell vor.
Dass der NYT-Artikel bedeutet, Wissenschaftler kommen nach ein paar Jahren darauf, eine vorhergehende Aussage sei so nicht richtig gewesen, ist Dir ja sicherlich aufgefallen
Darauf kommen Wissenschaftler andauernd.
Zitat der Woche 12 « Telegehirn // 19. Februar 2008 um 21:09
[...] NUB [...]
Alle gegen alle « Telegehirn War Blog // 19. Februar 2008 um 22:12
[...] zu kommen und Fähnleinführer Rayson, dem seine kurzen, braunen Hosen mächtig die Eier abklemmen, wurden von NUB hier die Hosen runtergezogen. Dabei kann man Rayson bei dem beobachten, was er am besten kann: Aus Tätern Opfer machen. Niemand [...]
mein-parteibuch.com // 12. März 2008 um 19:04
Spaß mit Matschbirne Telegehirn
Lebhafte Diskussionen in der Blogosphäre sind steter Quell von Freude. Dominik Henning, der sich selbst als libertär bezeichnet, hat kürzlich in einem Blogbeitrag den Unterschied zwischen Held und Kriegsheld erklärt und dabei John M…
DDH // 12. März 2008 um 19:36
@Mein-Parteibuch.com: Bin aber scho eher Obama-Fanboy, auch wenn mir manches an Paul auch gefallen hat, aber nicht seine restriktive Einwanderungschose!