Da ist es dem Kerner doch zu dumm geworden mit der Herman. Oder vielleicht doch nicht? Wäre dem so, hätte er sie ja gar nicht erst einladen müssen. Das Gespräch wie ein Tribunal zu gestalten, bei dem das Resultat vorher feststeht, kann neben der Selbstgerechtigkeit eigentlich nur der Erhöhung der Einschaltquote dienlich sein. Auch Henryk M. Broder, der die Äußerungen Hermans nicht gerade für schlau und die Dame für kein Genie hält, lässt die versammelte Inquisitionstruppe nicht so billig davon kommen. Denn immerhin ist es recht einfach, Nazismus dadurch zu bekämpfen, dass man eher harmlosen Leutchen das Nazi-Etikett antackert. Zumindest ist es einfacher als sich mit echten Rechtsextremen auseinanderzusetzen.
Hermans Äußerungen waren und sind eher dümmlich, weil sie anscheinend nicht begreifen möchte, dass es gar nicht erforderlich und auch nicht sinnvoll ist, das Dritte Reich für das ins Spiel zu bringen, was sie aussagen möchte. Stattdessen hätte sie auch sagen können, in den 50er Jahren sei dieses und jenes gut gewesen… Dass jetzt einige Leute meinen, ein Scheiterhäufchen anzünden zu müssen und eine “Märtyrerin der freien Rede” schaffen zu müssen, setzt auf die dümmliche Geschichtsabwicklung auf Nebenkriegsschauplätzen noch das letzte Sahnehäubchen. Ein Tiefpunkt in der Geschichte des Fernsehens und in der Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit.
Auch Journalisten denken, dass der Kerner und seine Redaktion ein Eigentor geschossen hat. Siehe: Berliner Morgenpost
5 Antworten bis hierher ↓
luclog // 10. Oktober 2007 um 15:54
Das ist alles nicht so einfach, die versammelte Mannschaft immunisiert sich durch solche Tribunale auch immer, und erlangt dadurch moralische Deutungshoheit. Letztlich führt es dann dahin, daß die Leute völlig sorgenfrei ihren Antiamerikanismus, ausleben können, den “Israelischen Terror” brandmarken, und Personen wie Murat Kurnaz oder Susanne Osthoff, tiefbetroffen mitfühlend befragen.
NUB // 10. Oktober 2007 um 16:17
Antiamerikanismus, ausleben können, den “Israelischen Terror”
Das ist selber häufig Teil eines nationalen oder nationalistischen “Emanzipationsvorhabens”, das die moralische Deutungshoheit zum Ziel hat. Du hast aber insofern Recht, weil das “Sich auf die Schulter klopfen”, wie toll man doch das Dritte Reich verarbeitet und aus ihm gelernt hat, auch eine Grundlage dafür ist, nachher selber den moralischen Zeigefinger gegenüber Amis und Israelis (besonders gerne) erheben zu können.
Man glaubt aber auch, die Kritik an Amerikanern und Israelis führe automatisch dazu, in eine komfortablere da äquidistante Position zu kommen, so dass man “auch noch mit den Arabern / den Muslimen gut kann” und überhaupt unangreifbar wird. Zumal Sticheleien gegen Amerikaner und Israelis ja häufig zur Folge haben, dass diese aus dem Wald ähnlich zurückrufen, wie reingerufen wurde. Was die “Kritiker” wiederum so deuten können, der Deutsche habe ja die Klappe zu halten und man dürfe ja nicht kritisieren u.s.w. Eigentlich alles totaler Kindergarten, aber funktioniert genau so.
Luclog // 10. Oktober 2007 um 19:01
Das dritte Reich ausklammern
Eigentlich wollte ich ja gar nichts mehr zu Eva Herman schreiben. Mir war die ganze Sache längst zu dumm. Diese Hin- und Hergerissenheit zwischen der Mutterfront und der Kämpfer gegen Hitler war mir einfach zuviel. Da donnern die Kanonen, un…
linker // 10. Oktober 2007 um 21:35
Zu Broder habe ich gerade etwas entdeckt, was mich beunruhigt: Er hat dem rechten Blatt Blaue Narzisse ein Interview gegeben. Ist er jetzt ein Nazi?
Hier der Link:
http://www.blauenarzisse.de
NUB // 10. Oktober 2007 um 21:46
Es haben auch schon Politiker dem rechten Blatt Junge Freiheit ein Interview gegeben, ohne Nazi zu sein. Darüber hinaus ist Nazi für alles Rechtsradikale oder Reaktionäre auch eine Vereinfachung. Bei genauer Betrachtung sind einige Rechte Nationalisten und glorifizieren Ideen aus der Kaiserzeit oder vertreten andere reaktionäre Ideen, ohne zwingend die Nationalsozialisten in den Mittelpunkt zu rücken. Andere sehen ganz klar in den Nationalsozialisten und ihrer Bewegung Vorbilder. Die Junge Freiheit bedient z.T. reaktionäre und nationalistische Tendenzen, die Blaue Narzisse offenbar auch.
Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Kommentar von “linker” nicht eher etwas Werbung ist…