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Kullas Stich ins Wespennest

15. August 2007 · 5 Kommentare

Erst heute auf Hinweis eines Kommentators beim neuen Antibürokratieteam entdeckt:

In diesem Artikel hat Daniel Kulla (classless Kulla) die Entstehungsgeschichte des Konspirationismus in Abgrenzung zur Verschwörungstheorie und in Verbindung zum Antisemitismus skizziert. Die empörten Kommentare einiger PDS-Anhänger unter dem Artikel, die von Differenzierung nichts hören wollen, sprechen für sich.

Zu Lafontaines Populismus meint Kulla:

Elsässer hat als Programm für die neue Linke formuliert, sie müsse die „Heuschrecken verjagen“, sich für direkte Demokratie und gegen das internationale Diktat der USA engagieren. Dieses Programm entspricht haargenau Lafontaines Position, wenn er etwa vor dem Bundestag von den „Heuschrecken“ als „Kernelement des internationalen Finanzkapitalismus“ sprach und forderte, „dass große Industrienationen darangehen, diesem Treiben ein Ende zu machen.“

Wenn sich also Lafontaines Politik auch keineswegs auf Konspirationismus reduzieren lässt, so sind in Gestalt der Verklärung einer bedrohten Sozialgemeinschaft und in der grotesken Zeichnung ihrer äußeren Feinde wichtige Elemente vorhanden.

Und zum Konspirationismus:

In jüngster Zeit ist gerade im Zusammenhang mit den terroristischen Anschlägen am 11. September 2001 unter Linken eine besorgniserregende Hinwendung eben nicht zu offenen Verschwörungstheorien, sondern zum Konspirationismus zu beobachten. Die mit Abstand meisten der „Zweifel“ an der „offiziellen Darstellung“ der Ereignisse, wie sie etwa von Matthias Bröckers und Gerhard Wisnewski in gerade bei Linken verbreiteten Büchern vorgebracht werden, gehen bereits von der festen Annahme aus, die US-Regierung sei in die Anschläge selbst verwickelt gewesen, habe sie gar beauftragt oder im Auftrag Israels ausführen lassen, um einen globalen Krieg zu entfesseln und eine faschistische „Neue Weltordnung“ herbeizuführen.

Das heißt, in Wirklichkeit sind viele, die man so lax als Verschwörungstheoretiker bezeichnen würde, Konspirationisten, denen nicht an der Klärung von Sachverhalten gelegen ist, sondern daran, ihre Version der Geschehnisse an den Mann und die Frau zu bringen.

Wenn man annimmt, dass die US-Behörden mit der Nebelkanone und Propaganda unterwegs sind, kommt der Konspirationist und kritisiert die Amerikaner dafür, aber nur, um mit seiner eigenen Nebelkanone anzurücken. Genau dieser verlogene und primitive Antiamerikanismus schien nach dem 11. September 2001 in der PDS besonders lebendig zu sein, Hauptsache, man konnte irgendwelchen Schmutz auf die Amerikaner werfen.

Da plumpe Konspirationisten oft am auffälligsten sind und vermeintliche Aufklärung versprechen, sind ihre Theorien bei Leuten, die schon ihre Vorurteile und daher keine Fragen mehr haben, oft sehr willkommen. Es ist quasi die linke Variante eines Nationalismus und Rassismus. Der kritische linke Deutsche als Inbegriff des Fortschritts, der dumme Ami als Inbegriff alles Schlechten. So diskreditiert die primitive Herangehensweise einiger Linker an komplexe Probleme der Gegenwart die legitimen Fragestellungen und kritischen Sichtweisen anderer Linker, die vom Mob quasi niedergebrüllt werden. Aber das kennt man ja auch aus anderen politischen Kreisen im Internet, wo die Pöbler und Hetzer manche Themen zu dominieren scheinen.

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5 Antworten bis hierher ↓

  • momorulez // 18. August 2007 um 9:46

    Sach ma’, ist nicht die Behauptung des Einbruchs des Konspiratismus in eine ansonsten vernünftige Welt, angeleitet von Lafontaine und Elsässer, nicht selber einer?

  • NUB // 18. August 2007 um 9:58

    Nö, die Welt ist ja nur relativ vernünftig. Und es ist ja nur relativ unvernünftig, Lafontaine und Elsässer zu glauben. Jene aber scheinen an feste Weltgefüge zu glauben, bei denen es ausreicht, dort die Amis als Schuldige zu identifizieren, damit hier unsere Idylle gerettet wird. Wer glauben mag, dass die vielen Terrorakte, die es außerhalb 9/11 gab, irgendwie inszeniert sind, bitte. Sind sie es nicht, beweist es, dass Radikalislamisten Teilnehmer des Konflikts sind und kein Schreckgespenst. Lafontaine und Elsässer sind praktisch inverse Herres, sie schaffen eine Logik, bei der nur noch Amerikaner und Israelis überhaupt Böses und Falsches tun können und beleuchtet werden können (die, die ihnen folgen, machen es natürlich auch immer falsch, z.B. Bundeswehr in Afghanistan), alle anderen sind im Dunkeln, sollen es sein.

    Außerdem sind die Mittel Elsässers und Lafontaines ja nicht ihre Macht, ihre Inszenierungen, sondern ihre Propaganda. Eine Konspiration beinhaltet immer Handeln, das etwas in der Welt (in irgendeine Richtung) bewegt, nicht nur Reden.

  • momorulez // 19. August 2007 um 8:47

    Ich kannn was die Holzschnittartigkeit betrifft, strukturell keine großen Unterscheide zwischen dem, was Kulla schreibt, was Du schreibst und was Lafontaine/Elässer sagen erkennen … es gibt Differenzen hinsichtlich des Wahrheitsbezuges, klar, aber die Strukturen, die Kulla da beschriebt, betreffen Heimatfilme ebenso wie “König Ödipus” von Sophokles oder “Poltergeist”, und alles vereinigt sich darin, daß jeweils simplifizierend Simplifizierung vorgeworfen wird … ist mir alles zu strukturell antideutsch ;-)

  • NUB // 19. August 2007 um 9:44

    Würde man in hochkomplexen Ausführungen Simplifizierung vorwerfen, würde das ja dem simplen Charakter der Simplifizierung gar nicht gerecht werden. ;-)

  • unkultur // 20. September 2007 um 8:08

    Was haben denn Heuschreckenjäger mit Poltergeist zu tun? Versteh ich jetzt nicht, den Zusammenhang.

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