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Über Kriegsverbrechen

6. August 2007 · 3 Kommentare

Jesse Spielman, ein ehemals im Irak stationierter 22-jähriger US-Soldat, ist von einem Militärgericht in Fort Campbell im US-Bundesstaat Kentucky zu einer Haftstrafe von 110 Jahren verurteilt worden. Er hatte zusammen mit vier Kameraden eine 14-jährige Irakerin vergewaltigt. Nach der Tat töteten die Soldaten sowohl das Mädchen als auch ihre gesamte Familie.Örtliche Medien berichten jedoch, Spielman habe die Option, bereits nach 10 Jahren Haft wegen guter Führung auf Bewährung freigelassen zu werden. (…) Die brutalen Morde gelten als eines der schlimmsten von US-Soldaten im Irak begangenen Kriegsverbrechen. Nach Aussage der geständigen Männer hatte die Gruppe das Mädchen auf der Strasse beobachtet und die Vergewaltigung perfide geplant. Sie töteten die restliche Familie und brannten das Haus nieder, um das Verbrechen zu vertuschen, und auch die geringsten Spuren zu beseitigen. [Hervorhebung NUB Blog]
Quelle

Es handelt sich nicht um ein Kriegsverbrechen, sondern um ein Verbrechen. Warum? Weil das Verbrechen nicht im Zusammenhang mit den Kampfhandlungen, mit der Bekämpfung des Gegners steht. Einige Soldaten haben sich zusammengetan und ihre Machtposition missbraucht, für private kriminelle Absichten. Der Atombombeneinsatz in Hiroshima und Nagasaki wird manchmal nachträglich als Kriegsverbrechen bezeichnet.

Das heute gebräuchliche Völkerrecht ist zum Großteil erst nach dem Zweiten Weltkrieg, gerade als Reaktion auf diesen begründet worden. Vor allem die Verbrechen der Nationalsozialisten haben die Völkergemeinschaft dazu veranlasst, den Begriff des Völkermordes in das Völkerrecht aufzunehmen. Ebenso die Genfer Konventionen, die dazu dienen, in kriegerischen Auseinandersetzungen nicht unnötiges Leid für Zivilisten und Soldaten zu erzeugen.

Mit der Durchsetzung des auf zahlreichen Verträgen basierenden Völkerrechts sieht es meistens düster aus. Was z.B. die Verbrechen in Ruanda oder in letzter Zeit in Darfur belegen.

Ob Völkermorde und Kriegsverbrechen verhindert und unterbunden werden, hängt heute immer noch von politischen Konstellationen und Interessenlagen involvierter Staaten ab, nicht von Richtig und Falsch.

Eine Streitfrage ist heute u.a., ob sich die Amerikaner in ihrem Anti-Terror-Kampf auch an alle Regeln der Genfer Konventionen halten müssen, wenn der Gegner (Taliban, Terroristen) keinerlei Regeln beachtet. Europäer tendieren eher zu einem Ja, wobei es darauf hinausläuft, dass die Amerikaner etwa bei Guantanamo sollten, nicht aber müssen. Die gezielte Tötung von Zivilisten ist heute für westliche Staaten zum Glück Tabu. Der sog. Kollateralschaden wird aber häufig in Kauf genommen, wobei gerade Terroristen sich in einer Art Guerilla-Taktik unter Zivilisten mischen und ihre Infrastruktur neben zivile Infrastruktur platzieren. Auch, um zivile Verluste propagandistisch auszuschlachten.

In den herkömmlichen, “klassischen” Kriegen sorgte die Missachtung von Regeln auf einer Seite meistens dafür, dass die Regeln insgesamt aufgeweicht wurden und der Konflikt in einer allgemeinen Verrohung eskalierte. Das scheint eine Gesetzmäßigkeit zu sein.

Im Zweiten Weltkrieg wurde z.B. auf den Einsatz von chemischen Waffen und auch Krankheitserregern (B-Waffen) v.a. deshalb verzichtet, weil man befürchten musste, dass der Gegner die gleichen Waffen zum Einsatz bringt. Bombardierte der eine Zivilisten, tat es der andere auch. Bei der Atomwaffe ging es mehr um einen Wettlauf, wer sie als erstes hatte. Auch die Nazis arbeiteten daran.

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3 Antworten bis hierher ↓

  • telegehirn // 6. August 2007 um 22:32

    Ich hätte da ein paar Anmerkungen:

    B-Waffen (u.a. Pesterreger) wurden während des zweiten Weltkriegs von den Japanern in China eingesetzt.

    Die Nazis arbeiteten nicht wirklich ernsthaft an einer Kernwaffe, denn der Aufwand war verschwindend gering und nicht mit dem amerikanischen Programm vergleichbar. Das lag auch daran, daß die Nazis die (Kern-) Physik für eine “jüdische Wissenschaft” hielten.

    Warum von den Nazis keine C-Waffen eingesetzt wurden, ist Gegenstand von Spekulationen. Eine, relativ nachvollziehbare, ist jene, die davon ausgeht, daß Hitler, wegen seiner Erfahrungen mit Giftgas (das Ende des 1. Weltkriegs erlebte er im Lazarett, in dem er sich wegen einer Gasverletzung, die zu temporärer Erblindung führte, befand.) auf den Einsatz von C-Waffen verzichtete. Trotzdem fand eine massive deutsche Forschung nach neuen Kampfstoffen statt. (Sarin, Tabun etc.)

    Churchill hätte, das ist gesichert, auf jeden Fall einen deutschen C-Waffeneinsatz mit gleicher Münze vergolten.

  • NUB // 7. August 2007 um 7:34

    Danke für Deine Anmerkungen. Über die Briten ist bekannt, dass sie die Insel Gruinard Island für Experimente mit Krankheitserregern nutzten.
    http://www.wienerzeitung.at/Desktopdefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&lexikon=W&letter=W&cob=7594

    Über Hitlers Motive, das eine zu tun, das andere zu lassen, kann man viel spekulieren. Wenn man bedenkt, dass der Mann das “internationale J u d e n t u m” bis zuletzt als den Schuldigen am Krieg sah und bei sich und seinesgleichen keine Schuld sehen konnte, ja sogar behauptete, die Juden für den Krieg zu bestrafen, dann weiß man doch, was los war, welcher Wahn da vorherrschte.

    Der hauptsächliche Wettlauf um die Bombe entstand natürlich zwischen den USA und der UdSSR, die nach der dt. Niederlage Wissenschaftler aus Deutschland verschleppte, um ihr Atomprogramm voranzutreiben.

  • telegehirn // 7. August 2007 um 15:06

    Gerade wenn man den Wahn Hitlers und seiner Anhänger (Großteil des deutschen Volks) bedenkt, dann ist der Verzicht auf den Einsatz von C-Waffen schon recht merkwürdig und passt nicht in das Bild und deshalb wird bis heute darüber spekuliert, warum der Gröfaz darauf verzichtete. Zum Glück wurden keine C-Waffen eingesetzt.

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