Da hat doch tatsächlich jemand den neuesten Harry Potter “Harry Potter and the Deathly Hallows” vor der Veröffentlichung abfotografiert und ins Netz gestellt. Woran er nicht dachte, waren die Metadaten.
Das Exchangeable Image File Format (EXIF) ist in den Bildern der Kameras enthalten – seien es nun JPEG-, TIFF- oder Rohformate. Unter anderem befinden sich Informationen zum Kamera-Modell, zum Aufnahmedatum und diversen fotografischen Parametern in diesen Datenfeldern. Auch die Seriennummer der Spiegelreflexkamera, bei der es sich dem Bericht nach um Canons Rebel 350 handelt, ist nach Herstellerangaben dort zu finden. Hierzulande ist die Kamera als EOS 350D bekannt.
Nun lässt sich der Weg zum Käufer der Kamera eventuell über den Laden und die Kreditkartennummer (in den USA, wo das Tatwerkzeug verkauft wurde, sind Kreditkarten äußerst beliebt) zurückverfolgen. Dieses Beispiel verdeutlicht nicht nur, dass Urheberrechtsverletzer sich zunehmend Gedanken machen müssen, wie sie ihre Aktivitäten der Strafverfolgung entziehen.
Vielmehr zeigt sich, dass wir überall Datenspuren hinterlassen, ob es uns bewusst ist oder nicht. Und diese achtlos hinterlassenen Bits und Bytes lassen sich – Cookies im Internet sind ja ein alter Hut – letztenendes zu einem Profil verarbeiten, wenn man nur die richtigen Daten bekommt und zusammenführt. Die Sensibilität dafür, ständig als Datenschleuder unterwegs zu sein, ist bei den meisten Menschen trotz überall präsenter Informationstechnologie noch nicht sehr ausgeprägt. Vor allem überwiegt auf den ersten Blick der Positivismus. Nutzt die digitale Spurenverfolgung doch im oben genannten Fall den Ermittlern, die Kriminelle aufspüren.
Mit ein bisschen mehr Weitsicht erkennt man aber auch die Gefahren. Ein paar Bytes am Beweismaterial gedreht und es ist auf einmal Ihre Kamera, die zum Einsatz kam. Auf die Spitze getrieben wird die neuerliche digitale Paranoia freilich im Bruce Willis-Film Live Free or Die Hard; dt. Stirb Langsam 4.0. Da übernehmen Terroristen gleich die komplette Kontrolle über alle Lebensbereiche, zentral über Software. Ampeln, Kraftwerke, einfach alles. Statler ging auf die implizierten wirtschaftlichen Folgen ein, wenn Terroristen “den Reset-Knopf drücken” und alle Zuordnungsdaten von Besitz und Besitzer löschen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Terroristen nicht selber irgendwelche Computerprobleme bekommen würden, ist in Wirklichkeit sehr gering und das Hauptargument, warum so etwas nicht realistisch ist. Der erste echte Test war schließlich gleich der Coup. So gesehen ist es vielleicht auch ganz gut, dass die kleinen und großen Kästchen des Alltags noch nicht alle bis zur absoluten Perfektion getrieben und total vernetzt sind. Sowohl was die totale Überwachung, also den Schäuble-Staat angeht als auch die terroristischen Möglichkeiten, diesen lahmzulegen.
8 Antworten bis hierher ↓
luclog // 23. Juli 2007 um 14:27
Da fragt man sich direkt, ob das Bloggen vielleicht auch digitale Spuren hinterlässt.
NUB // 23. Juli 2007 um 15:49
Solange man das Blog nicht gelöscht hat, auf jeden Fall.
luclog // 23. Juli 2007 um 22:54
Naja, einiges vermeintlich gelöschtes findet sich hier:
http://www.archive.org/web/web.php
Und das ist öffentlich, nichtöffentlich, gibt es mehrere Institutionen, die wie man sagt alles archivierbare auch archivieren, bspw Google, Microsoft und wahrscheinlich noch ein paar andere.
chomanno // 24. Juli 2007 um 20:45
Interessant wird der Datenklau erst bei Google. Der Konzern wirft mit kostenlosen Diensten nur so um sich, ohne dass der Anwender sich Gedanken macht, woher der Konzern sein Geld nimmt. Was er nicht weiß, sich aber denken kann, ist dass die Dienste alle systematisch Daten sammeln, von GMail über iGoogle über Talk und Desktop Search macht sich Google ein perfektes Profil über dich und verkauft es teuer weiter. Darüber würde ich mir ernsthaft Sorgen machen, wenn wir schon beim Datensammeln sind.
luclog // 25. Juli 2007 um 14:24
@ chomanno
Ach, sollen sie doch. Mein Google Konto läuft sowieso unter falscher Adresse. Da sind Webseitenspuren eigentlich schon interessanter.
Jean Stubenzweig // 27. Juli 2007 um 8:27
Zum Thema Datenklau. Nicht nur Google bedient sich ungehindert und macht, da geradezu jeder darauf zurückgreift, andere Suchmaschinen immer kleiner, bis man sie eines Tages nicht mehr sehen wird (von daher wäre die französische Intervention für einen unabhängigen Dienst wahrlich zu begrüßen). Bald wird es, da sich der größte Teil der Netzfischer diese Amazonen mit ihrem US-amerikanischen Datenschutzverständnis zuhilfe ruft (und das auch noch stolz auf dem Banner im Internet vor sich herträgt) auch keine Buchhandlungen mehr geben. Diese Geiz-ist-geil-«Geistes»-Haltung — Google kostet nichts, und die Buch- und allesandereverschicker nehmen keine Portogebühren — werden uns bald plattgemacht haben. Da kann man noch so ungelenke «Argumente» ins Feld führen wie «Ach, sollen sie doch. Mein Google Konto läuft sowieso unter falscher Adresse.» Bei der Gelegenheit sei hinzugefügt: Es ist offensichtlich, daß in Blogs hinterlassene eMail-Adressen entgegen allen Verlautbarungen doch an Dritte weitergegeben werden. Das ist damit belegt, daß an eine eigens für Blog-Kommentare eingerichtete und ansonsten zu keinem anderen Zweck verwendete eMail-Adresse immer wieder Spams gesandt werden. Mit zunehmender Tendenz.
Über die Blogger-Mentalität schwer ins Grübeln gekommen
grüßt
Jean
NUB // 27. Juli 2007 um 8:38
@Jean Stubenzweig
Ich glaube, Sie sehen die hochdynamische IT-Wirtschaft in diesem Zusammenhang etwas zu statisch. Einige große Fische fressen die kleinen und das war’s dann. Wenn das wahr wäre, dürfte es schon lange keine anderen Betriebssysteme außer Windows mehr geben, weil Microsoft alles andere längst eliminiert hätte. Es gibt aber stattdessen immer mehr Betriebssysteme.
Es kommen immer wieder neue Startups mit neuen Ideen, große Unternehmen verkalkulieren sich und gehen den Bach runter oder der eine kauft den anderen auf. Die Frage der Datensicherheit ist weniger eine der Kontrolle des Marktes durch den Staat, sondern eine der Strafgesetze und ihrer Durchsetzbarkeit. Das Problem ist dasselbe wie bei der Globalisierung. Für nationale Grenzen interessiert sich das Internet nun mal nicht. Daher ist es auch so schwierig, Cyberkriminelle dingfest zu machen, die z.B. ihre Phishing-Aktivitäten in Deutschland durchführen aber selber in Asien oder Osteuropa sitzen.
Also wird wohl auf Dauer kein Weg an Gesetzesharmonisierungen zwischen Staaten vorbeiführen, auch beim Datenschutz, solange ist der Verbrauer aufgerufen, sich die Unternehmen auszusuchen, mit denen er Geschäfte macht. Diese Folgeerscheinungen des Fortschritts auf eine Amerikanisierung zu reduzieren, wäre ziemlich billig und ausgelutschter Antiamerikanismus. Wenn erst mal China so etwas wie Google hat oder andere Möglichkeiten, werden die auch auf Daten scharf sein, wer sagt uns, dass sie es nicht schon sind? Kein Unternehmen verzichtet ohne Not auf geschäftswichtige Informationen. Und ja, die Daten werden auch verkauft, es existiert dafür ein (Schwarz-)Markt. Und ein Inder, der gefälschte Medikamente über Spam anbietet, muss wohl nicht erst einen Amerikaner zur Hilfe holen, um Ihre Privatadresse zu verkaufen.
Darüber, ob es überhaupt Fortschritt gibt und welche Probleme durch ihn entstehen, wurde noch nie demokratisch entschieden. Vielmehr galt immer, dass irgendwer es tut, weil es geht. Die anderen ziehen dann nach. Dieser Fortschrittspessimismus, der aus Ihrem Kommentar abzulesen ist, bringt uns nicht weiter. Man kann auch die Datenschutzprobleme lösen, ohne gleich nach dem alles kontrollierenden Staat zu rufen, der dann selber zum Datenschutzproblem mutiert.
NUB // 27. Juli 2007 um 9:06
PS: Übrigens ist eine ansonsten zu keinem anderen Zweck verwendete eMail-Adresse, an die Spam gesendet wird, kein Beleg dafür, dass der Blog-Host die Adresse weitergegeben, verkauft hat. Es gibt auch Einbrüche, Datendiebstahl, die meisten Fälle werden gar nicht bekannt. Beispielsweise wurden bei großen Unternehmen Kreditkartennummern von Kunden gestohlen, durch Einbruch in die Computer.
Das alles ist viel zu kompliziert, um das Thema mit “große böse Kapitalisten fressen alle auf” totzuschlagen.