Neues Und Bekanntes

Madoff bekommt 150 Jahre, Antisemiten ein “Argument”

3. Juli 2009 · Kommentar schreiben

Dieser Tage geht Antisemiten weltweit einer ab, um das zu wissen, muss man nur eine ältere Quelle querlesen. Selbstverständlich wird die Tatsache, dass Bernard L. Madoff in eine jüdische Familie geboren wurde, in diesem Zusammenhang aufmerksam zur Kenntnis genommen. Fast müsste man sagen, da habe einer bereitwillig dem Prototyp eines antisemitischen Klischees entsprochen.

Doch inwieweit würde man auf diese Weise selber ein antisemitisches Denkmuster bedienen, nämlich das vom Juden, der durch sein eigenes Tun am eliminatorischen, hasserfüllten und diskriminierenden Antisemitismus die Schuld trägt? Madoff kommt jedem Antisemiten wie gerufen. Aber da der Antisemit allen Juden etwas unterstellt, kommt jeder Jude wie gerufen. Der Schluss daraus müsste gewissermaßen ein Jude sein, der sich brav verhalten muss, kein einziger Jude dürfte mehr durch Kriminalität auffällig werden. Manchmal reicht schon Reichtum beim Juden ohne Nachweis der Unrechtmäßigkeit.

Ein Milliardenbetrüger, der tausende Anleger schädigt und den bislang wohl größten Wall Street-Betrug verantwortet, düfte sich dann erst recht nicht unter den Juden finden. Aber was dürfte ohne den Antisemiten zu bestätigen? Viel Verwirrung gibt es noch heute um die Juden als Religionsgemeinschaft, die sich teilweise als Volk begreifen, untereinander solidarisch sind (”sich gegenseitig unterstützen”), was nicht jeden einzelnen Juden nötigt, dieses Empfinden zu teilen und nach diesem Stereotyp zu handeln. Aber was nutzt es dem Juden, es anders zu machen? Der Antisemit muss nur ein Beispiel finden, das ihn belegt. Gibt es gerade keines, halten die “überlieferten” her.

Der Antisemit an sich ist durch Argumente nicht zugänglich. Würde man ihm sagen, dass der Madoff sein Schneeballsystem gar nicht beenden konnte, ohne aufzufliegen, und dass andere durch ihr Tun sicher begünstigt haben, was der Milliardenbetrüger durchgezogen hat, man würde sich wohl den Vorwurf einhandeln, Madoff zu verteidigen. Der Hinweis, dass die Juden schon recht stark in der Finanzwelt präsent sind, ggf. geschmückt mit der Bemerkung, wie geschickt und clever die Juden dabei sind, im Grunde doch nur purer, schleimiger Philosemitismus, der den Antisemiten eigentlich in seinem Glauben noch bestärkt.

Sagt man dem Antisemiten, der Madoff habe auch andere Juden betrogen, so wird es der Antisemit zum Anlass nehmen, dies als Argument gegen alle Juden zu benutzen, indem er Madoffs Verhalten als typisch jüdisch bezeichnet, der, der andere übers Ohr haut, selbst andere Juden, als Kern des vermeintlich jüdischen Charakters.

Verweist man auf andere, seriös arbeitende Juden, wird man sicher zu hören bekommen, der Madoff habe einen so großen Schaden angerichtet, dass dies für die anderen Juden gleich mit reicht. Das antisemitische Weltbild ist ein geschlossenes und es wird in der Einzelperson Madoff einen lang anhaltenden Pseudobeweis für das Wesen “des Juden” vorfinden. Ob in Nahost gebraucht oder hier.

Die Juden hätten sich eben alle, wirklich alle ganz “brav” verhalten müssen. Dann hätten die Antisemiten angebliche Untaten der Vergangenheit gegen die Juden vorgebracht und weniger Aktuelles. Wenn ihnen nichts Besseres einfällt, wären die Sachen aus dem Mittelalter oder das mit der behaupteten Schuld am Tod Jesu rausgekramt worden. Irgendwann wäre natürlich ein Jude doch aktuell “auffällig” geworden. Und sei es mit einer nur siebenstelligen Summe. Oder einer fünfstelligen.

Die Juden können machen was sie wollen, der Antisemit wird in allem eine Bestätigung dafür finden, wie die Juden generell seien und dass er Recht hat. Perfiderweise können auch Positivbeispiele nichts mehr ausgleichen, diese wird der echte Antisemit nur als Ausnahmen von der Regel sehen, genauso wie die Juden, die selber antisemitisch motivierte Vorwürfe reproduzieren, den Antisemiten nur in seinem Glauben festigen.

“Die Juden” werden daher sicher weiter ganz unterschiedlich nach ihrer Vorstellung leben und sich nicht daran orientieren, ob sich Antisemiten permanent bestätigt fühlen. Das Maximale, das Juden beim Antisemiten erreichen können, ist wohl die Instrumentalisierung gegen andere Juden. Eine darüber hinaus gehende Sympathie ist sowieso nicht vorgesehen.

Und daher spielt es am Ende keine große Rolle, ob Madoff eine Art neue Vogelscheuche der Antisemiten wird oder nicht. Irgendein Beispiel findet sich immer, wenn man irgendwas unbedingt beweisen will. Bisweilen sind Leute nur neidisch, sich nicht selber Millionen und Milliarden von anderen aneignen zu können oder benötigen eben ein personifiziertes Feindbild. Wer anderen und sich einreden möchte, bei der übrigen Menschheit seien Nächstenliebe und Rücksichtnahme, Ehrlichkeit und Uneigennützigkeit sehr ausgeprägt, der soll das ruhig tun. Die Nachrichten widerlegen das täglich. Und wer nicht völlig blind ist, sieht täglich, dass es anders ist.

→ Leave a CommentKategorien: Blogosphäre · Geschichte · Gesellschaft · Hinweis · Krankheit · Medien · Neues · Politisches · Skurriles · Wirtschaft · Wissenschaft

Geht’s noch? Todesursache noch immer unklar?

29. Juni 2009 · Kommentar schreiben

Wie inzwischen rausgekommen ist, wog Michael Jackson vor seinem Tod bei 1,77 m Größe gerade noch 51 kg. Er soll Medikamente durcheinander und in zu großer Dosierung genommen haben. Vor seiner neuen Tournee stand er unter Stress. Michael Jackson soll kaum noch was gegessen haben.

Die Medien spekulieren weiter über seinen Tod. Hallo? Wer hält das schon lange aus, so ein Lebenswandel bringt jeden um. Jetzt wird auf den Einstichen in der Brust des Künstlers und auf gebrochenen Rippen rumgeritten. Alles infolge der gescheiterten Wiederbelebung. Wie bei Elvis Presley kann die Öffentlichkeit es nicht wahrhaben, dass so jemand einfach stirbt, einfach so sterben kann.

Vielleicht werden ebenso wie bei Elvis diverse Doppelgänger des Idols Michael Jackson gesehen, es wird heißen, er sei gar nicht tot. Auf jeden Fall wird seine Begräbnisstätte hunderttausende Besucher anziehen. Aber wenigstens sollten die Fans des King of Pop so viel gesunden Menschenverstand an den Tag legen, um einzusehen, dass ihr Idol nicht gerade gesund gelebt hat. Und dafür zahlt eben jeder einen Preis, egal wie reich und berühmt.

Zum virtuellen Kondulenzbuch

→ Leave a CommentKategorien: Bekanntes · Gesellschaft · Gesundheit · Hinweis · Internet · Krankheit · Medien · Neues · Skurriles · Wissenschaft

“Nahezu lückenlose räumliche Überwachung”

27. Juni 2009 · Kommentar schreiben

Man durfte es bisher vermuten, jetzt hat man es Schwarz auf Weiß. Die Große Koalition geht zu weit. Wie das Gutachten des Mannheimer Informatikprofessors Felix Freiling zeigt.

Wie zuvor erwähnt, reicht es nicht, das so einfach hinzunehmen oder um das Grundgesetz zu trauern.

Trauern kann man um Michael Jackson, für den Überwachungswahn verdienen CDU/CSU und SPD die Rote Karte.

Bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 einfach keine dieser Parteien wählen, sondern z.B. die FDP. Gar nicht wählen lässt halt auch die Stimmen für die Überwachungsparteien, die dazu wahrscheinlich nach der Wahl Steuern und Abgaben erhöhen, gewichtiger werden.

→ Leave a CommentKategorien: Gesellschaft · IT · Internet · Medien · Neues · Politisches · Wirtschaft · Wissenschaft · Überwachung

Selber schuld, wenn Du Dich für Schland umlegen lässt

24. Juni 2009 · 17 Kommentare

Manche Leute haben einen scheiß Job. Ständig drangsaliert sie ihr Chef, nie ist er zufrieden, bei anderen reicht schon die Tätigkeit selber, ganz ohne Chef. Bei der Bundeswehr kommt alles zusammen, bis vielleicht auf die Bezahlung, die zuweilen ganz ordentlich sein soll. Dafür, in einem Fluß in Afghanistan zu ersaufen oder sich von einem Selbstmordattentäter in die Luft sprengen zu lassen, von einer Bombe am Straßenrand mitgenommen zu werden, für all diese Risiken und Tatsachen entschädigt das Gehalt nicht. Vor allem, weil Dein Land, besagtes Schland, Dich so gern hat, lieber Bundeswehrsoldat, dass es noch nicht mal zugibt, wenn Du in einem Krieg bist. Nein, das ist ein Wiederaufbau, eine vernetzte Sicherheitsarchitektur, nur eines nicht, ein Krieg. Und doch, die Taliban führen einen Krieg gegen die NATO-Streitkräfte in Afghanistan, ausdrücklich auch gegen ISAF.

Doch weil wir kein kriegerisches Volk mehr sein wollen, führen wir gegen die Taliban, die radikalen Islamisten, die Terroristen keinen Krieg. Sind wir nicht clever? Wir lassen Dich, lieben Bundeswehrsoldaten, zwar in einer Uniform rumrennen, mit einem Gewehr darfst Du Dich auch wehren, wenn es Dir gelingt, wir schicken Kriegsgerät da herunter, ups schweres Gerät zum Wiederaufbau, wie z.B. Panzer. Auch unsere hübschen Tornado-Flugzeuge. Aber mit einem Krieg hat all das nicht die Bohne was zu tun. Und wenn Deine Ausrüstung mal nicht so tauglich ist, dann sei doch zusammen mit Christian Ströbele froh darüber. Im “Streit”-Gespräch mit Peter Scholl-Latour gab der zum Besten, dass es doch gut sei, wenn unsere Armee für derartige Kriege nicht optimal gerüstet sei. Oder wollen wir etwa wieder ein kriegerisches Volk sein? Neeeein, wir doch nicht!

Also, beschwer Dich nicht, wenn es Dich erwischt, lieber Bundeswehrsoldat, Du wusstest, worauf Du Dich einlässt bzw. dass Du verarscht wirst. Hoffentlich wusstest Du es. Denn so, wie es sich darstellt, lieber Soldat, machst Du da irgendwas in Afghanistan, für das der passende Name erst noch ausgesucht werden muss. Ein Umarmen der Taliban ist es auch nicht, dazu ist das Verhältnis mittlerweile zu belastet, ein Krieg ist es nicht, Feinde sind die nicht, Freunde sind sie nicht… Irgendwas treibst Du in Afghanistan, lieber Bundeswehrsoldat.

Wenn Du nach Hause im Sarg zurückkommst, wird wenigstens noch anständig die Flagge mit dem Schland-Adler auf den Sarg gelegt und so getan, als seist Du so etwas Ähnliches wie ein Held gewesen, nur wissen wir nicht genau wovon und wofür. Und gegen wen oder was eigentlich. Irgendwie bist Du eben tot gegangen getan. Ach ja, und für unsere Sicherheit bist Du dann auch gestorben. Obwohl wir kein kriegerisches Volk mehr sind, darauf legen wir allergrößten Wert! Stolz kannst Du sein, Du bewaffneter Wiederaufbauhelfer. Stolz, alles für Schland gegeben zu haben. Wirklich alles. Und wenn die Politiker es vermochten, sie würden noch Deinen Tod als etwas anderes verkaufen. Voraussichtlich dauerhafte Dienstbeendigung wäre schon mal eine bürokratische Umschreibung.

→ 17 KommentareKategorien: Bekanntes · Geschichte · Gesellschaft · Hinweis · Krankheit · Medien · Neues · Politisches

Herkunft der Namen in Videospielen

22. Juni 2009 · Kommentar schreiben

Für manche Videospiele kommt das etwas spät. Wen es dennoch interessiert, woher die Namen in manch bekanntem Videospiel kommen: Das Blog Back of the Cereal Box hat einiges zusammengetragen.

→ Leave a CommentKategorien: Blogosphäre · Geschichte · Gesellschaft · Hinweis · IT · Internet · Medien · Neues · Skurriles